Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1899
- Issue
- 2 (1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2642950-2642954-2642956--0398-3525385- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wehmut. Wohl nirgends zeigt sich so äugenscheinlich, wie auf den hier folgenden Seiten, der früh Vollendete aus unvollendetem Werke abberufen. — Vielstimmige Ruhmeschöre geleiteten den Teuren auf seinem letzten Gange. Einstimmig aber tönen sie alle aus in den Accord: Er war die erste reife Frucht an dem Baume, mit dem Gärtner, wie Zunz und Steinschneider, Israels geistigen Besitz gemehrt haben. In David Kaufmannhat in weitestem Sinne und in erhabenster Bedeutung ihren Ausdruck gefunden: die Jüdische Wissenschaft. Doch er selbst war Sämann wie selten einer. Wie manchen, der den keimkräftigen Hauch seiner ausserordentlichen Erscheinung entbehren musste, wusste er durch das geschriebene Wort in den Bannkreis seines Geistes zu ziehen! Von ihm genannt werden war höchste Befriedigung, an ihn denken: Gebet. Hehr und lauter stand er vor der Seele des von fern Bewundernden wie vor dem scharfsichtigen Auge des Fachgenossen. Uebermenschlich war sein Können; zu Ungewohnlichem schien er berufen. Nun lehnt gebrochen die Hoffnung an der früh gereiften Palme, die trauernd das Grab beschattet dem auf halbem Wege jählings Getroffenen. Doch ,,was dem Manne das Leben Nur halb erteilt, soll ganz die Nachwelt geben4‘.