Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 52 (29.6.1934)
- Date
- 1934-06-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Jahrgang Nummer 52 3flöifdMU>etale 3eUnns Beilage 29. Juni 1934 Schallt und Ernest Bloch in der Neuen Synagoge Jüdische Gegenwartsmusik Ganz am E/idt* des Konzertjahres erleben wir endlich einen jjanz groben und .repräsentativen Abend jüdischer (iegenwartsnmsik. Alexander Weiiibau.ni bringt — im Rahmen der Künstlerhilfe — 'anläßlich seines 30jährigen berliner Amtsjuhiläums zwei grolle jüdische Chorwerke unserer Zeit, die Freitagabendliturgie von Heinrich Schaj i t und — erstmalig i». Deutschland — das Gottesdienstoratoriurn „Awodass hakodesdi“ von Ernest Bloch zur Aufführung, uncj,. wie wir mit Stolz feststellen: die Berliner Juden sind sich der Bedeutung dieses Abends bewußt, die Neue Synagoge ist, trotz Sommerhitze und obwohl es sich um ernsteste Musik liandejt, überfüllt! In Heinrich Schalits Freitagabendliturgic — von Weinbaum bereits 1932 in der Synagoge Lützowstraße aufgeführt — erblicken wir den radikalsten und großartigsten Versuch einer Neugestaltung der synagogalen Musik. Sclialit will dem religiösen Liberalismus dienen, aber im Rinne wahrhafter Erneuerung, ln -einer der Partitur l>eigegebeneii Einführung' spricht er von der Anbahnung eines „kult-musikalischen Stil- und Gesinnungswandels“. Der Ausdruck „Sakralinusik“ fallt und kennzeichnet die Richtung, um die es hier gebt: fort von dem allzu Anheimelnden und.Sentimentalen, fort von dem allzu Bürgerlichen unserer herkömmlichen synagogaien Kompositionen, also im Stilistischen: fort von der'„unorganischen Verquickung altüberlieferter Vorlieterweise» mit Volkslied- und choralartigen Gemeinde- und Chorgesängen im deutschen Stil des 19. Jahrhunderts“, „da sie den Forderungen des religiösen Judentums nicht gerecht wird“ —.wie selten lassen sich unsere Synagogenkoniponisten so streng, so eindeutig von diesem Motiv leiten! Sclialit benützt zumeist die für unser Empfinden fremdartigen o r i en t a 1 i s c h -jüdischen Melodien, wie sie durch Idclsohu erschlossen sind; er harmonisiert sie — wiederum für uns fremdartig — in einer teils, kirchentonartlichen, teils iuodern-freitonalen Weise. Und in solcher Gestaltung gewinnen nun die Texte wieder ihre Erhabenheit und Hoheit, _ die ihnen durch unsere gewöhnlichen, allzu vertraulichen. Vertonungen oft genömmeii wird. Strengste Einheitlichkeit gellt durch das Ganze — So greift das Orgelnachsjiiel sehr schön wieder auf das „Lecho dodi” als das Leitmotiv des Freitagabends zurück —, und mag man mitunter einen ge- . wissen Kontrastreichtum ' entbehren, so erhält dafür der Gottesdienst eine ungewöhnliche Geschlossenheit. Im übrigen ist ein ausgezeichneter.- Könner: seine Kontrapunktik steckt voll reicher Erfindung und zeugt gleich der. kraftvollen Harmonik von uneisterhafter Satzbelierrschung. Aber das Entscheidende bleibt “der religiöse Wert': gleich den Bestrebungen moderner Theologie weist auch Schalits Liturgie wieder einen Weg zu den übermenschlich-erhabenen Seiten des Judentums, und das gibt dem Werk eine unermüdliche Bedeutung. Liturgische Ziele verfolgt bis zu einem gewissen Grade auch Bloch;'seine „Awodass hakodesch“ ist für den Sabbatvormittaggoltesdienst amerikanischer Reformsynagogen bestimmt. An die Stelle der Orgel tritf hier der Farbenreichtum, des modernen Orchesters. Und mit der Strenge des Orgelklanges fehlt die Strenge der liturgischen Haltung. Bljochs Musik stellt sicli dar als eine mehr persönliche Stellungnahme ihres Schöpfers zu' den Gegebenheiten des Judentums. Traditionelle Melodien sind nur selten benutzt; im allgemeinen spricht zu uns ein Mensch der Gegenwart in der Sprache der Gegenwart, mit aller Problematik, die daran hängt. Die Interpretation der Gebetsworte weist in vielem stark jüdische Züge auf; die mystische Ekstase der Musik gemahnt an chassidische Verzücktheit — dennoch mangelt dem Ganzen eine letzte Einheitlichkeit, wie sie das Schalitsche Werk in ausgesprochenem Mäße besitzt. Kompositorisch steht Bloch natürlich auf voller Höhe; der Satz ist weit komplizierter, die Form gelockerter als bei Schalit, und doch verrät der Aufbau in jeder Beziehung einen sicheren Griff. Aber Blocks subjektiyistische" Kunst will uns! doch gerade von jüdisch-religiösen Gesichtspunkten aus nicht in dem Maße zukunftsweisend erscheinen wie Schalits strenge Liturgik, die in sich die Tendenz zur Bindung trägt. Den stärksten Eindruck hinterläßt hei Bloch das „Adaun aulom“ mit seinem Thema voll echt mystischer Kraft. Mit dej Aufführung der beiden Werke hat sich Alexander Weinbaum und mit ihm sein Chor selbst die schönste Ehrung bereitet. Die Schwierigkeiten, die namentlich das Blochsche Werk reichlich bot, wurden mit größter Selbstverständlichkeit gemeistert; bei Schalit bedauerte man es nur, daß die Raumverhältuisse keine stärkere Besetzung zuließen. Den kantoraleu Teil sang Oberkantor. H. John mit der erforderlichen, schlichten Würde und Inbrunst. Ludwig Altmann, der den hier besonders wichtigen Orgelpart betreute, paßte sich aufs glücklichste den Vokalslimmen an und unterstrich in seiner Registrierung, etwa durch reichliche Mixturen, den herb-erhabenen Charakter des Werkes. — Bei Bloch setzte H. Schey sein herrliches Organ lind seine Ausdruckskraft ein. Das verstärkte Kulturbiindorchestcr spielte mit besonderer Klangschönheit. Das Hauptverdienst aber gebührt dem Jubilar Weinbaum, dem anschließend im Repräsentantensaal Direktor Stahl namens des Gemeindevorstandes den herzlich-. steu Dank für diesen Abend wie für sein gesamtes Wirken im Dienste der Gemeinde aussprach. /*. Übrigens . Ein Roman Ankündigungen und Vorabdruck haben erscheint. uns neugierig gemacht: das letzte Werk Jakob Wassermanns, sein Vermächtnis, das er uns hiriterlieU, ist soeben erschienen. Viele deutsche Juden haben gespannt darauf gewartet. An diesem Buch ändert sich nichts dadurch, dali es in der Jüdischen, Bucligemeiiischaft statt im sonstigen Verlag erscheint. Aber allen denen, die die kulturellen deutsdi-jüdischen Bewegungen der Zeit mit Interesse verfolgen, wird wieder einmal die Merkwürdigkeit unserer Lage ganz deutlich. Da ist ein Dichter, ein deutscher Jude, einer der beides war und, was wichtiger ist; sein wollte. Sein- Werk war und ist .umstritten, vielleicht aucli gerade um der konstruktivistischen und intellektuellen, .Jüdisch“ genannten Elemente seines Schaffens. Aber es ist und bleibt, auch wenn man einmal vom dichterischen Wert absieht, wesentliches Doku- . ment einer Zeit, wichtig gleichermaßen zur Erkenntnis vieler Dinge unserer letzten jüdischen Vergangenheit wie der allgemeinen Entwicklung. Uiid es soll nie vergessen sein, dal) dernichtjüdische Ordinarius für Strafrecht an der Universität Berlin vor einigen Jahren bei seinen Hörern die Kenntnis des Der Preußische Landesverband subventioniert 250 Gemeinden Der große Rat tagt Dr. Galliner. Er machte auch auf die bereits im vergangenen Jahr installierten Kurse aufmerksam, die für die aus dem Staatsdienst ausgeschiedenen Studienräte, -Assessoren und -Referendare abgehalten werden, um ihnen jüdisches •Wissen zu vermitteln und ihnen die Fähigkeit zu Erteilung jüdischen Religionsunterrichts zu verschafien. Zur Frage der Pensionskasse für Kultusbeamte in Preulien wies Dipl.-ing. Bruno Woyd.a daraut hin, dali mit . dem baldigen Abschluß eines' Versicherungsvertrages, zu rechnen sei, damit die jüdischen Kultusbeamten und Gemeindeangestellten iin Alter und im Falle der Erwerbsunfähigkeit nicht schutzlos dastehen und auch für, die Hinterbliebenen ausreichend gesorgt sei. Der Präsident der Reichsvertretung, Rabbiner Dr. Baeck, der in seiner Eigenschaft als Mitglied des Rates des Landesverbandes an der Sitzung teilhähm, schilderte die. Arbeit der ., Reichsvertretung. Die Keichsvertretung und der Zentralr Ausschuß wollten nicht nur durch umfassende Wirtschafts- , arbeit den materiellen Bestand, sondern die Ehre und Würde J . des deutschen Judentums wahren. Im Mittelpunkt der Tagung standen die Erörterungen . über die Finanzgebarung des Landesverbandes, von der alle Erfolge seiner umfassenden Arbeit abhängen. Der Finanzdezernent Bruno Woyda legte den Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1934/35 vor, der nach geringfügigen Abänderungen angenommen wurde. Er beläuft sich aut insgesamt 744 500 Mark. Dieser Betrag wird größtenteils durch die Beiträge' der Mitgliedsgemeindeu aufgebracht. Die wichtigsten Positionen der Ausgabenseite sind: Beihilfen an leistungsschwache, Gemeinden 227 000 Mark,’" Beamten- und Hinterbliebenenbeihilfen 107 500 Mark, Bezirksrabbiiiate 40 000 Mark, Lehrerausbildung 20 000 Mark. Nachdem die Wohlfahrtspflege und Wirtschaftshilfe von den zuständigen Kcichsspitzeriorganisationen übernommen worden sind, sind die entsprechenden Positionen im Haushaltsplan des Landesverbandes fortgefallen.' -An ihre Stelle treten die an die Reichsvertretung zu leistenden Zahlungen, für die der Etat 200 00Ü Mark ausweist. Es schloß sich eine eingehende Debatte an, die die Ein- . mütigkeit der Versammelten ergab. U. a. wurde ein Beschluß gefallt, der für die Nichteinberufung des Verbandstages und lür die Verlängerung der am 30. September 1934 ablaufendeii jetzigen Legislaturperiode um zwei Jahre die verfassungsmäßige Grundlage gab. Nach längerer Pause trat am vergangenen Sonntag der Grolle Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz des Kaminergericlitsrats i. R. Leo Woltf zu einer Tagung zusammen, in der die zuständigen Dezernenten üher die verschiedenen Tätigkeitsgebiete des Landesverbandes ausführliche Berichte erstatteten, die ein umfassendes Bild der gesamten und besonders innerhalb des letzten Jahres erweiterten Arbeit des Landesverbandes ergaben. Als erster berichtete Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee iiher die Aufrechterhaltung und Subventionierung leistungsschwacher Klein- und Mittelgemeinden ünd drückte seine Genugtuung darüber aus, daß trotz, gewisser Einsparungen der Landesverband die für die kleinen Gemeinden erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen konnte. Die große Sparsamkeit, die der Landesverband auszuüben gezwungen sei, müsse trotzdem dahin führen, daß vielfach neue Ideen und Aufgaben verwirklicht'und neue Arbeitsgebiete erschlossen werden, ohne daß hierfür neue geldliche Belastungen entstellen. In ergänzenden Mitteilungen konnte Landgerichtsrat a, IX' Dr. Arthur Lilienthal darauf himveisen, da» im „Fall Maurizius“ voraussetzfe, weil man dieses Buch gelesen haben müsse, um die neuere strafrechtliche Entwicklung verstehen zu können. Das sind Angelegenheiten der Vergangenheit, aber sie sind nun wieder gegenwärtig, da das letzte Werk des Dichters erscheint. Unter den vielen Gegnern Wassermanns war auch mancher Jude, aber in diesem Augenblick müßte jeder von uns wissen, daß es ein Glück und eine nahezu einmalige Chance für die neue jüdische Buch-Gemeinschaft ist, diesen Roman einer jüdischen Leserschaft zugänglich zu machen. Das berechtigt zum Stolz und verpflichtet zugleich. Und dem Sehenden eröffnet es deutlich, wie sehr wir alle an Gegebenheiten von außen her gebunden sind: Könnten wir, wenn wir als deutsche Juden heute kulturell arbeiten wollen, denn überhaupt nur für den Kreis unserer Gemeinschaft wirken? Dieser Roman ist — das wird niemandem zweifelhaft sein — etwas, das nicht nur uns Juden betrifft; seine Veröffentlichung in der jüdischen Buch-Gemeinschaft ist ein Beitrag zur Erfüllung der uns gestellten Aufgabe: im Rahmen dessen, was uns möglich und gestattet ist, der deutschen und der jüdischen Kultur zu dienen. Und darum freuen wir uns mit dem Roman, der nun erschienen ist. Jakob. abgelaufenen Geschäftsjahr als Beihilfen an leistungsschwache Gemeinden einschließlich der Unterstützungsgelder für Kultusbeamte im Ruhestände oder deren Hinterbliebene insgesamt etwa 250 000 Mark gezahlt worden sind. Aut diese Weise sind im ganzen etwa 250 Gemeinden vom Landesverband subventioniert worden. Hand in Hand mit der finanziellen Hilfe gehen diejenigen Arheiten, die dazu beitragen, das religiöse und geistige Leben in den kleinen Gemeinden zu erhalten. Über diesen wichtigen Teil der Landesverbandsarbeit erstatteten die Dezernenten Fräulein Dr. Berent lind Dr. Aron Sandler Bericht. Die völlige Umgestaltung der Verhältnisse und die fortschreitende Errichtung jüdischer Volksschulen hat dazu geführt, daß der Landesverband aucli auf diesem für das Judentum wichtigen Gebiet seine Arbeit erweitern mußte. Für den großen Kreis religiös-liberaler Glaubensgenossen wurde eine Stelle zur Ausbildung von V o 1 k s s c h u 11 e h r e r n ins Leben gerufen. Über die in Berlin eingerichteten Kurse berichtete eingehend Rabb'incr Auf dem Flug zum Gastspiel abgestürzt Pallenbergs tragisches Ende Auf dem Flug zu einem Gastspiel, das er in Karlsbad absolvieren wollte, hat Max P a 11 e n u-o r g den Tod gefunden. Unerwartet und jäh hat sich der Vorhang über einein Bühnenleben, in dem die Begriffe von tragisch und komisch ineinanderflossen, zum letzten Mal geschlossen. Ein genialer Clown, dessen Heimat die jüdische Provinz war unddie Commedia Italiens, ist von der Schaubühne des Lebens für immer abgetreten. . Max PalJenberg, der Gatte von Fritzi Massary, ist 57 Jahre alt geworden. Als man ihm zu seinem-50. Geburtstag gratulierte, meinte er: „Wollen Sie mir zu meinem Geburtstag etwas schenken? Dann schenken Sie mir den ganzen Geburtstag. Damit würden Sie mir eine große Freude bereiten.“ Er wollte nicht alt werden. Und er ist nicht alt geworden. Mit derselben Jugendkraft, mit der er an seiner Kunst hing, hing er auch am Leben, aus dem dieser wandlungsfähige Schauspieler immer wieder neue Züge holte, um sie als Dichter seiner Rollen zu verwerten. Denn es war ein Vorrecht Pallenbergs, daß er sich aus dem Material der Autoren selbst seine Rollen zurechtdichten durfte. Von dem großen Schauspieler Mitterwurzer erzählt man sich, daß er in einer Aufführung von Hebbels „Judith" als Holofernes die Rolle plötzlich von sich abgeworien und den spintisierenden Übertyrannen zuin Jubel des Publikums als den burlesken Bramarbas der Nestroyschen Parodie zu Ende gespielt habe. So etwas wäre nur noch bei Pallenberg möglich gewesen. Auch er stand oftmals dem Stück, das er spielte, mit einer Überlegenheit gegenüber, die ihn befähigte, es zu kneten und zu' formen nach seinem Willen. Er verspottete cs, vergewaltigte es, sprengte es auseinander. Aber es war kein Zerstören, sondern gewissermaßen ein Umgruppieren, ein Auflösen in einzelne Bestandteile, aus denen er dann ein neues Ganzes schuf. So ehrfürchtig er wahrer Dichtuiig gegenübertrat — man denke nur an seinen „Eingebildeten Kranken“, seinen „Rappel-, köpf“ und den „Tobias Büntschuh“ — so wenig zimperlich verfuhr er in der Posse, im Schwank oderin der Operette. Hier raste sich sein. Temperament aus, hier nahm er Hundert Verwandlungen an . in einer Rolle und schüttete nie geahnte Möglichkeiten aus sich heraus. Unwiderstehlich zog es ihn ins Groteske, Burleske, Absurde. Sein Spiel entstürzte einer gärenden Fantasie in stets sich erneuernden Formen. In seinen Gestalten klagte er an, übte er Kritik an Menschen und Zuständen, rückte die Dinge in neue Beleuchtung und tat verborgenen Sinn hinter ihnen auf. In seinem Spiel konnte sich das Publikum erschreckt spiegeln, wie in einem Vexierspiegel. Mit einer aus dem Nichts hervorgeliolten Geste, einer Bewegung, der ganz willkürlichen Betonung eines Wortes, hob er jede Logik und Gesetzmäßigkeit auf, stellte die Welt auf den Kopf, ließ Sinn und Unsinn durcheinander purzeln, daß eine neue tiefere Wahrheit daraus entstand. Wie der Dichter Christian Morgenstern war Pallenberg ein Wortschöpfer. Ausdrücke, die in keinem Wörterbuch der Welt zu finden sind, gebrauchte er mit einer Selbstverständlichkeit, die verblühte. Ein Jongleur, spielte er mit .Wortbällen, warf sie weg, fing sie wieder ein. Er' verbiß sielt in ihnen wie ein Hund und ließ sie achtlos liegen. Köstlich, wie er verkrüppelte Worte aus einer eingerosteten Kehle holte und sie durch ganze Sätze hindurchschleifte, wie'eines sich ain andern entzündete, wie Assimilationen auf ihn eiiistürmten, ohne dali er sich ihrer zu erwehren imstande war. ' Max Pallenberg war ein jüdischer Scltauspieler, ein .Menschengestalter. Man hat ihm seinen jüdischen Witz.häufig zum Vorwurf gemacht. Man hat dabei aber den leisen Unterton von Tragik überhört. Denn hinter diesem Witz barg sich, wenn man sich an seinen „Eingebildeten Kranken" erinnert oder an den armen Teufel .Topaze, der durch seine großen Brillengläser so fremd iif'die Welt sali, letzten Endes die Angst vor dem Dasein. J:\ lu.