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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-04-20 · 32 (20.4.1934) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
32 (20.4.1934)
Date
1934-04-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Berlin, 20. April 1934 L~ £ zu Lerlin. Mi m Einzelnummer 20~Pt. Nr. 32 afflr beutfdjes Sttbenfum unb telipiöfcn ghtfbou Bezugspreis; Monatlich 1,35 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer 0,20 RM. Abonnements werden bei allen Postämtern angenommen. — Anzeigen^nach Tarif. — Bei Nichterscheinen infolge ■Strofe-oder-höherer .Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachheferung oder Rückerstattung der entsprechenden Bezugsgebühren. 14. Jahrgang Die »Jüdisch-liberale Zeitung'* erscheint zweimal wöchentlich: Dienstag und Freitag Die „Jüdisch-liberale Zeitung" erscheint Dienstags und. Freitags. — Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin - Charlottenburg 4, Mommsenstraße 40. — Fernruf: J 6 Bleibtreu Sammelnummer 1545. — ■ Bankverbindung: Kreditverein für Handel und Gewerbe e. G. m. b. H., Berlin N 24. Postscheck- . konto: „Jüdisch-liberale Zeitung", Berlin 227 64. Wir brauchen Anschluß an das Leben Wen Smagogentiten shh geHUossa baten ■ ■ Dr. Manfred Svrarscnslqr 7« der letzten Berliner Repräsentantenversammlung, wurde Rabbiner Dr. Manfred Swarsensky zum Prediger gewählt. Wir haben aus diesem Anlaß ■Herrn Dr. Swarsensky gebeten, sich über die Mission des heutigen Predigers zu äußern: Es ist das Schicksal der heutigen jüdischen Generation, daß die Zeit an sie nach jeder Richtung hin besondere Anforderungen stellt. Dies gilt noch nnmlttelbarer als für jeden anderen besonders für. den, der durch sein Am t in die Verantwortung für die. jüdische Gemeinschaft gestellt ist. Während in den vergangenen hundert Jahren, die uns heute wie eine kurze. Episode erscheinen, weil in ihnen zum trsten Mal in dtr jüdischen Geschichte das Leben des Juden sich Stück für Stück von. jüdischen Zusammenhängen losgelöst hatte, der Rabbiner mehr und mehr ein „Dekorationsstück“ geworden war, hat er beute, da der Zusammenhang mit der Jüdischen Geschichte wieder gewonnen ist, nnd eine Heimkehr znm Erbe, der Väter, wie seit Generationen nicht, begonnen hat, die .■seKeoe-iMOgUcbkeK, wieder das. zu werden,- wu er der, historischen Entwicklung 'sähe* Amtes nach ist: der autoritative führer jüdP Darum steht an der Spitze seiner Aufgaben die Tätigkeit als Lehrer, nicht allein für die Jugend, sondern auch gerade in dieser Zeit im verstärkten Maße für alle die, die sich wenig oder gar kein Wissen - vom Judentum angeeignet haben. Die Lehrtätigkeit, die Übermittlung des jüdischen Geistesgutes von einer Generation an die andere, ist vielleicht die produktivste Arbeit. Wemj ein persönliches Wort gestattet ist, so kenne ich keine größere Befriedigung, als zu sehen, so wie der Marmor unter der Hand des Künstlers sich zum Kunstwerk formt, wie aus meinen Schülern durch persönlichen Einfluß jüdisch erfüllte, sittlich und seelisch starke Menschen werden. Da es nicht möglich ist, den gesamten Unterricht zu erteilen, so muß doch gerade der Barmizwoh- Unterricht dem Rabbiner Vorbehalten bleiben. Dieser Unterricht müßte allerdings in seinen Grundlagen geändert' werden. Anders als es bisher.durch -Einüben- "ydnC.“Segenssprücheh und ^Festtagen-geschah;-muß -er jetzt :zu einer vertieften; in daaZentrum eines Dreizehn-' Der Konflikt in Dresden durch Schiedsspruch, der Reichsvertretung entschieden innerhalb der Gemeinde Dresden war, wie gemeldet, in den letzten Wochen ein Verfassungsstreit ausgebrochen, der in seinem Kern über den Dresdener Fall hinaus von Bedeutung ist. Die Gemeinde stand vor der Neuwahl ihrer Gemeindevertretung (Gemeinderat). Da Verhandlungen über die Aufstellung einer Einheitsliste nicht zum Ziele ’ führten, glaubte der Gemeindevorstand einen Wahlkampf dadurch vermeiden zu müssen, daß er „unter vorübergehender Außerkraftsetzung entgegenstehender Bestimmungen der Satzungen" die Mitglieder des neuen Gemeinderats, von sich-aus berief. Gegen diese Maßnahmen des Gegieindevorstandes haben einige Organisationen der Dresdener Gemeinde entschieden Widerspruch erhoben. Um eine.Lösung zu finden, haben sowohl der Geineindevorstand wie .die Häuptopponentin, die jüdische Volkspartei, die Re icfis ve rt retun g der deutschen Juden um einen Schiedsspruch ersucht. Der Schiedsspruch der Reichsvertretung ist nunmehr ■ ergangen. Er billigt zunächst die Auffassung, daß bei der augenblicklichen Lage des deutschen Judentums die Vermeidung eines Wahlkampfes wünschenswert sei. Ein Wahlkampf. sei bei 'der in der Dresdener Gemeinde bestehenden Lage für das Wohl der Gemeinde keineswegs ungefährlich. . Der Schiedsspruch führt dann aus: „Die Gemeinde ist dadurch, daß eine Einheitsliste — der normale Weg zur Vermeidung eines Wahlkampfes — nicht zustandegekoninien ist, in eine Notlage geraten, die irgendwie gelöst werden muß. Es muß aber auch für diese Lösung daran fetgehalten werden, daß eine Führung der Gemeinde nur möglich ist, durch eine Körperschaft, die vom Vertrauen der Gemeinde getragen ist. Der verfassungsmäßige Apparat der Gemeinde, der das sicherstellen soll, funktioniert zurzeit nicht ohne Gefährdung der Gemeinde. Es darf dadurch nicht die Gemeinde infolge Fehlens eines Gemeinderates Schaden leiden. Aber es darf deshalb auch keine Gemeindekörperschaft Zustandekommen, die in ihrem Dasein überhaupt nicht - legitimiert ist. Diese Legitimation kann grundsätzlich nicht in der Berufung durch den Gemeindevorstand gesehen werden. Der Gemeindevorstand ist selbst dasjenige Organ, das immer wieder der Bestätigung 'durch das Vertrauen der Gemeinde bedarf, mag die Bestätigung durch welche politischen Mittel immer gesucht und gefunden werden. Der einzelne Gemeindevorstand mag dieses Vertrauen noch so sehr rechtfertigen und .besitz«.' Es führt zu unerträglichen Ergebnissen, wenn jeder einzelne Gemeindevorstand selber Richter darüberist, ob er noch die notwendige Verbindung mit der Gemeinde besitzt, um legitim auch in einer Notzeit deren Vertrauensmänner berufen zu können. Es muß entweder die Zustimmung der Gemeinde in der Einigung aller ihrer weltanschaulichen Gruppen über die Zusammensetzung der Gemeindevertretung zum Ausdruck kommen, oder es muß von einer dritten Stelle entschieden werden-, ob die in Betracht gezogenen Berufungen ihre Legitimation in den Bedürfnissen und im Willen der Gemeinde finden. Damit, daß der Dresdener Oemeindevorstand seine Maßregel dem Schiedsspruch der Reichsvertretung unterworfen hat, ist der Weg zu einer solchen Entscheidung eröffnet.“ Der Schiedsspruch entscheidet auf Grund dieser Feststellungen dahin: „Die Zusammensetzung des Gemeinderats der Gemeinde Dresden gemäß den Beschlüssen des Gemeindevurslandes vom' II., 14. und 27. 2. 34 berücksichtigt alte für das Gemeindeleben wichtigen Weltanschauungen und Kräfte. Der 'Gemeinderat in dieser Zusammensetzung ist in allem Wesentlichen von der Zustimmung der großen Gruppen des. Dresdener Gemcindelcbens getragen. Die Einwendungen, die gegen die Zusammensetzung des Gemeinderats vorgebracht werden, berühren seirftZ'Verbundenheit mit der Gemeinde, seine Legitimation in der Gemeinde und seine Fähigkeit zur Führung der Gemeinde nicht. Diese Zusam- ■ mensetzung wird deshalb hierdurch gebilligt. Die neuen Gemeindevertreter teilen. ihreBefugnis ab aus dem Willen der übergroßen Mehrheit jlcr Gemeinde und der Feststellung dieses Willens durch die- Reichsvertreiung. Die Feststellung auf diesem Wege ist notwendig, weil der verfassungsmäßige Weg zurzeit nicht gangbar ist. Die Berufung erfolgt für die Dauer der laufenden Wahlperiode bis zum 31. 12. 1935. Danach hat 'die Neubildung der Gemeindekörperschaften auf dem verfassungsmäßigen Wege stailzu finden.“ tun» werden, damit die Barmizwohfeier den jt,,,„-.. Menschenetwa? ahnen läßt von der, heUigen'yer- - pflichtung des judeseins. l Nut dort, wo Lehrer. und% Schüler ein herzliche* persönliches Verhältnis verbindet, kann die Voraus- . Setzung-für eine fruchtbare Arbeit gegebensein,-nur dort bleibt das Interesse nicht nur auf die Stunden dis Unterrichts beschränkt, sondern' begleitet den Menschen auf seinen ferneren Wegen und schlingj ein dauerndes' Band der Freundschaft um Lehrer und Schüler. Belehrung und Erziehung im weiteren Sinne des Wortes ist allein auch der Sinn der .Predigt-, ■ tätigkeit. In der neueren Zeit galt der Rabbiner im Bewußtsein der Allgemeinheit vor allem als Prediger. Das Amt des Predigers ist dem Judentum gewiß .nicht fremd. Es gibt eine besondere-OescMchte ,-der jüdfschenPredigt,, do<chJstig(n d< *** * " in: der:1 Bedeutung, dleserfF"' * ” ‘ .- . Ip: früheren -Zetten -wt neben dem' 'eigentllcbehi Ribblnei^'iiti^^iSi religionsgesetzlichen Entgchefdungeh. itänd^iO-. Ämter in seiner Person vereinigte, der, der das S__ wort nach seiner halachischen wie haggadischen Seite zu deuten hatte. In späterer Zeit wurde das Bedürfnis der breiten Masse, die der Schärfe des 'talmudischen „Pilpul“ keinen Geschmack abgewinnen konnte, durch sogenannte „Wanderprediger“ erfüllt. Diese MaggiiKm verstanden durch Gleichnisse, die sie dem praktischen Leben entnahmen, die religiösen Wahrheiten in gemütvoller Form dem Volke nahezubringen. Der moderne jüdische Prediger, ist weder „Darschan“ noch „Maggid“ im überlieferten Sinne, auch wenn in ihm sich manche Seiten ihres. Wesens vereinen. Die neuzeitliche Predigt — die erste Predigt in deutscher Sprache hielt Joseph Woiff- 1808 in — Dessau — entsprang anderen Erfordernissen; denn sie entstand bei aller historischen Kontinuität, aufitie Leopold .Zunz. in .seinen „Gottesdienstlichen Vorträgen“ hinwies, doch in einer Zeit, da die Einheits-Kultur des jüdischen Mittelalters sich auflöste, und cs notwendig wurde, das Judentum in die großen Zusammenhänge der europäischen Kultur einzuordnen. - Während in früheren Zeiten die Predigt Ausdruck eines durch, den Rhythmus des Religionsgesetzes erfüllten jüdischen Lebens war, wurde sie jetzt oft eine notwendige Folge erschlaffenden jüdischen Interesses, ihr fiel die Aufgabe zu, im veränderten geistigen, politischen und wirtschaftlichen Raum das Judentum, losgelöst von dem religiös bestimmten Lebensstil und Milieu des Mittelalters, in seinen Ewigkeitswerten neu in den Herzen seiner Bekenner zu befestigen. Die große Bedeutung, aber auch der geringe „Erfolg“ der Predigt des 19. Jahrhunderts gerade., fn religiösliberalen Gemeinden, erklärt sich hieraus. Da das Die Konferenz des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum London. Die nächste Konferenz des Weltverbandes für das rel igiös-1 i be ra I e1 J udentum findet in der Zeit vom 6. bis 10. Juli in London statt. Im Mittelpunkt . der Konferenz wird eine Aussprache über ein bisher noch nicht endgültig festgelegtes religiöses Thema stehen. Ihre Beteiligung an der Aussprache haben bisher u. a. Dr. Goldenson, der Präsident der American Conference of Hebrew Rabbis, Rabbi Dr. Shulman, der bis vor kurzem an der großen New Yorker Synagoge Emanu-El wirkte, und Rabbiner Dr. Louis Germain Levi aus Paris angemeldet. Ober die deutschen Redner, von.denen sicherlich einige Führer teilnehmen werden, sieht noch nichts Endgültiges fest. Vergessen Sie nicht die Einlösung der Abonnements - Quittung, für Mai. - Nur pünktliche Einlösung sichert regelmäßige Zustellung der „JQdlsdHlUeralen Z€ltuMfc“

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