Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Journal
- Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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5 Wie im Vorjahre wurden wieder die Schüler der Klassen VI, U HI und O II von dem Kreisarzte, Herrn Medizinal rat Dr. Kittel, Gandersheim, und sämtliche Schüler von Herrn Zahnarzt Freist, Seesen, untersucht. Die Einrichtung, daß regelmäßig während einer Turnstunde die Knaben von ihren Turnlehrern und die Mädchen von der Turnlehrerin, der Studienassessorin Frau Dr. K r a a t z , zum Schwimmen geführt werden, wirkte anregend auf die Pflege dieses nützlichen Sportes. Am Schlüsse des Sommerhalbjahres wurden 65,7 Prozent der Schülerschaft als Freischwimmer gezählt. Bei dem Wettschwimmen der hiesigen Schulen gingen in allen Altersstufen von VI — Ol 40 Jungen und 9 Mädchen als Sieger hervor. Nicht weniger erfolgreich war die Beteiligung der Schule an den Reichs] ugendwettkämpfen, die Ende August auf dem großen städtischen Sportplatz stattfanden. Ein Wanderpreis (eine künstlerisch wertvolle Bronzefigur), der zum dritten Male von unserer Mannschaft gewonnen wurde, wurde der Schule endgültig als Eigentum zugesprochen und schmückt nunmehr unseren Festsaal. Zwei andere Wanderpreise fielen uns zum zweiten Male zu. Ueber die Ergebnisse des \ ergleichsturnens der höheren Schule s. weiter unten den Bericht des Schülerturnvereins. Um das Elternhaus nicht mit vielen Kosten zu belasten, wurden an den Wandertagen die Klassen meist in unseren herrlichen Harz und die nähere Umgebung von Seesen hinausgeführt. Nur anläßlich des großen Sommerausfluges ging es auch hinaus in die Ferne: in den Solling, an die Weser, nach Kassel und die Edertalsperre und sogar auf einer 5tägigen Schulfahrt der Ol, unter Führung des Herrn Studienrats Meese, in die Holsteinsche Schweiz (Besuch in Kiel, Besichtigung des Kaiser-Wilhelm-Kanals, eines Linienschiffes, Wanderungen, Dampferfahrten auf den Holsteinschen Seen, Besuch von Travemünde, Lübeck und Lüneburg u. a. m.). Wie tief werden die mannigfaltigen Eindrücke eines solchen Reiseerlebnisses in die jugendlichen Herzen sich eingraben! Durch das wohlwollende Entgegenkommen eines ehemaligen Schülers, des Herrn Geheimrats Friedrich Schott, der der Jacobsonstiftung 200 RM. für Zwecke der Schulfahrten überwies, konnten 10 Schülern erhebliche Zuschüsse gewährt werden. Leider mußten wir erfahren, daß Herr Geheimrat Schott kurz nach seinem 80. Geburtstage vor einigen Wochen verstorben ist. Ein Enkel des ersten Direktors der Jacobsonschule, des Hofrats Benedict Schott, hat er ihr als Schüler angehört und ihr Zeit seines Lebens tätiges Interesse entgegengebracht. Zur Hundertjahrfeier, im Jahre 1901, spendete er ihr 5 000 Mark, er schenkte uns ein künstlerisch wertvolles Bildnis seines Großvaters und bekundete bei den verschiedensten Anlässen seine treue Anhänglichkeit an die Stätte seiner Jugendbildung. Er war einer der bedeutendsten Führer in der deutschen Wirtschaft, insbesondere der Zementindustrie und ist wegen seiner hervorragenden wissenschaftlichen und technischen Leistungen auf diesen Gebieten von verschiedenen Hochschulen durch Ernennung zum „Ehrendoktor" und „Ehrensenator" ausgezeichnet worden; von der braunschweigischen Hochschule wurde er zum „Ehrendoktor" und von der Stadt Heidelberg zum Ehrenbürger" ernannt. Unsere Schule wird mit Stolz dieses ihres bedeutenden ehemaligen Schülers gedenken. Eine Frankreich-Reise, wie die in den zwei vorhergehenden Jahren ist dieses Mal unterblieben. Doch steht der Unterzeichnete in Unterhandlung mit dem Lycee (Staatsgymnasium) in Douai betreffs eines Schüleraustausches, der im neuen Schuljahre die Möglichkeit bieten wird, unseren Schülern unter ganz geringen Kosten - möglicherweise kommen nur die Reisespesen in Betracht — einen angenehmen und nützlichen Aufenthalt in Frankreich während der Juliferien zu verschaffen. Ein älterer Schüler des Lycees von Douai hielt sich zum Austausch in der Familie eines Obertertianers auf. Es wurde ihm gestattet, in einigen Klassen dem Unterricht beizuwohnen, und er wurde verschiedentlich veranlaßt, sich in seiner Muttersprache vor den Mitschülern zu äußern. Er hielt u, a, in der O I zwei wohl durchdachte Vorträge über das Schulleben in seiner Heimat. Wiederholt hatten die Schüler (innen) Gelegenheit, den von dem „Städtischen Ausschuß für Volksbildung" in unserem Festsaal veranstalteten gemeinverständlichen Vorträgen beizuwohnen. Es sprachen am 8. April unser ehemaliger Kollege Dr. Kraatz in feinsinniger Weise über „die literarischen Strömungen der neuesten Zeit" und im Laufe des Winterhalbjahres der