Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Journal
- Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Herr Oberlehrer Marcus sah sich zu unserem großen Bedauern gezwungen, aus Gesundheitsrücksichten zum 1. Oktober 1930 seine Versetzung in den Ruhestand zu beantragen. Er scheidet von uns nach einer 26jährigen Tätigkeit. Die Kollegen der ehemaligen Jacobsonschule, deren Bestand durch die Inflation seiner Zeit erschüttert war, haben es ihm mit in erster Linie zu verdanken, daß sie durch seine erfolgreichen Bemühungen um die Verstaatlichung der Anstalt von der Sorge um ihre wirtschaftliche Zukunft befreit wurden. Nicht weniger groß ist sein Verdienst um den Ausbau der Schule zu einer Vollanstalt, den er durch seinen Einfluß als Mitglied des Rates der Stadt gefördert hat. Im Herbst des Berichtsjahres verließ uns auch Herr Laudage, der von Ostern 1929 ab als Erzieher am Schülerheim und als Hilfslehrer in der Schule tätig war. Seine Stelle übernahm Herr Mittelschullehrer Broscheid Die Zeichenlehrerstelle verwaltete wie im Vorjahre Herr Kunstmaler Bitterling. Herr Pastor Schwerdtfeger erteilte den Religionsunterricht in den vereinigten Priman zur Entlastung des Herrn St.-Rats Spangenberg, dessen Gesundheit sich so weit gekräftigt hat, daß er nur mit ganz geringen Unterbrechungen seinen Dienst voll ausüben konnte. Auch sonst war der Gesundheitszustand der Lehrer sowie der Schüler erfreulicherweise durchaus befriedigend. Leider hatten wir in diesem Schuljahre den Tod zweier hochgeschätzter ehemaliger Lehrer zu beklagen, deren Namen mit der Geschichte unserer Schule unauflöslich verknüpft sein werden. Herr Studienrat i> R, Professor Dr. Bernhard Dannenberg verschied am 23. April in einer Klinik in Göttingen. Selbst ein Zögling der Jacobsonschule, hat er an ihr 32 Jahre lang bis zu seinem Uebergang in den Ruhestand am L Oktober 1923 mit hingebender Treue als hervorragender Lehrer und Erzieher gewirkt. Erfüllt von einem hohen sittlichen Idealismus, trat er mit der ganzen Kraft seiner starken und klugen Persönlichkeit für die Erhaltung der Anstalt, als der Stätte der Erziehung zur Menschlichkeit im Sinne Lessings und ihres Stifters ein. Der Einäscherung seiner sterblichen Reste in Kassel wohnten am 25. April als Vertreter des Lehrkörpers der Unterzeichnete, Dr. Wolfsdorf und Studienrat Dr. Peinecke (letzterer auch in Vertretung der Altschülerschaft) bei. Herr Professor Dr. Hermann Schäfer verschied im 84. Lebensjahre am 3. Januar dieses Jahres in Görlitz, wo er seit 12 Jahren im Ruhestande lebte. Fast volle 46 Jahre hat er, ungebrochen durch harte Schicksalsschläge — er verlor A Söhne im Kriege — bis zu seinem 72. Lebensjahre im Dienste unserer Anstalt gestanden. Ausgestattet mit reichen Kenntnissen auf geschichtlichem und naturwissenschaftlichem Gebiete, voll begeisterter Vaterlandsliebe, hat er in strenger Pflichterfüllung die Jugend mit straffer Hand, aber gleichzeitig auch als väterlicher Freund geführt. Unvergeßlich für seine Schüler und alle, die ihm näher standen, bleibt die geistreiche Art, wie er durch die Mitteilungen aus dem reichen Schatz seines Wissens und seiner Lebenserfahrung — er war Kriegsteilnehmer von 1870/71 — seine Zuhörer fesselte. Das Lehrerkollegium und das ehemalige Stiftungskuratorium ließen auf dem Grabe des Verblichenen Kränze niederlegen; wegen der weiten Fahrt war es uns unmöglich, unserem verehrten Veteranen das letzte Ehrengeleit nach seiner Ruhestätte auf dem Friedhofe in Görlitz zu geben.