Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Journal
- Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Volume
- 1927-1928
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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9 einer festen Weltanschauung für die heranwachsende Jugend. Mit anderen Worten, die , Lehrpläne bauen sich auf einem philosophischen Gedanken auf. Der Philosoph sucht von einem bestimmten Gesichtspunkte aus alle Aeußerungen des menschlichen Geistes zu einem einheitlichen geistigen Weltbilde zusammenzufassen. Religion und Sittenlehre, Recht und Soziologie, Sprache, Stammeswesenheit und Vaterlandsliebe, bildende Kunst und Musik, die physikalischen und biologischen Gesetze, deren Herrschaft die Natur und jedes Einzelwesen unterworfen ist, und nicht zuletzt die Körperlichkeit des Menschen — das sind die Elemente, aus denen der Philosoph sein geschlossenes Weltbild schafft Dies sind auch die Stoffe, die im Sinne der neuen Lehrpläne die Hand des Lehrers in gemeinsamer Arbeit mit dem Schüler (»Arbeitsunterricht«) so formen muß, daß sie dessen geistiges Besitztum fürs Leben werden. Nicht »lückenlose Stoffanhäufung« ist das neuzeitliche Bildungsziel, vielmehr heißt es im »Vorwort« zu den Lehrplänen: »Eine planmäßige Sichtung und ein in die Tiefe gehendes Durcharbeiten der Stoffe wird nicht nur für die einzelnen Fächer die großen Zusammenhänge und die treibenden Kräfte in die Erscheinung treten lassen und so auf beschränkten Gebieten öie Erarbeitung wirklicher Erkenntnisse fördern, sondern auch der notwendigen Pflege des Gefühls und des Willens der Jugend Raum geben,« Mit dieser zuletzt bezeichneten Bestimmung der Lehrpläne, »Pflege des Gefühls und des Willens«, weicht der Erzieher von der Absicht des Weltweisen ab. Die philosophischen Systeme bauen sich auf der Erkenntnis der abstrakten Wahrheit, der »reinen Vernunft«, auf, unabhängig davon, wie diese das sittliche Handeln des Menschen beeinflußt; die Pädagogik erstrebt die Tat des Menschen, sie will -- wie es an einer anderen Stelle des »Vorworts« heißt — die Jugend zur »bewußten Betätigung im Dienste der deutschen Volksgemeinschaftauf Grund einer festen Weltanschauung erziehen, zu der sie die höhere Schule hinleitet. Ein näheres Eingehen auf die neuen Bestimmungen über die Auswahl des Bildungsgutes und über das Unterrichtsverfahren würde den Rahmen des Jahresberichtes überschreiten. Es sei nur kurz bemerkt, daß gewisse Gegenstände im Gegensatz zu den alten Lehrplänen bedeutend in den Vordergrund gerückt sind, so Zeichnen, Kunstbetrachtung und Musik, Volks¬ und Heimatskunde (Landschaft, Mundart) und Biologie. Hinsichtlich der Methodik ist auf allen Gebieten die Selbsttätigkeit der Schüler zu erstreben. In den Naturwissenschaften, insbesondere in der Physik und Chemie, sind die Schülerübungen im Laboratorium auf den oberen Klassen der Oberrealschule verbindlich, zu welchem Zwecke unsere physikalischen, chemischen und biologischen Arbeitsräume erfreulicherweise nunmehr mit guter und ausreichender Apparatur ausgestattet sind. Ganz besonders ist der Pflege der Leibesübungen große Aufmerksamkeit zuzuwenden. Das ideale Ziel dieses Unterrichtes ist der »harmonisch gebildete, an Leib und Seele gesunde Mensch«. Bezüglich der Erziehung der weiblichen Jugend weichen unsere Lehrpläne in mancher Hinsicht von denen der höheren Mädchenschulen (Lyzeen, Oberlyzeen und real- MäöAengymnasialen Studienanstalten) ab. Die Knabenanstalten nehmen auf die weibliche erzie uns* Wesensart nur wenig Rücksicht Daher sollten Mädchen, die den erhöhten Anforderungen auf der Oberrealschule in Mathematik und Naturwissenschaften nicht gewachsen sind, unsere Anstalt nicht aufsuchen. Andererseits sind Mißstände durch das Zusammenleben beider Geschlechter auf unserer Schule nicht hervorgetreten. Auch wird bei der wachsenden Zahl der Schülerinnen versucht, ihren besonderen erzieherischen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. So erhalten sie durch die Bürgerschullehrerin Fräulein Schirm er seit Ostern v. Js. regelmäßigen Turnunterricht, wobei die Mädchen aus allen Klassen zu einer Turngruppe vereinigt sind. Nach dem Grundsatze des Unterrichts durch Schauen und Erleben wenden wir erhöhte Aufmerksamkeit den sogenannten Wandertagen zu. Sie dienen nicht nur dazu, wtn£ert?£e die Schüler in die nähere und fernere Umgebung an einem Schultag in jedem Monat "tigungen hinauszuführen, sondern auch zur Besichtigung von allerlei technischen Betrieben, von geschichtlich bedeutsamen Oertlichkeilen, von Bau- und Kunstdenkmälern und zu geographischen und botanischen Betrachtungen. Daher müssen alle Schüler und Schülerinnen an diesen Wanderungen pflichhnäßig teilnehmen. Besichtigt wurden in diesem Jahre: Die Hagenbecksche Tierausstellung in Goslar (Kl. VI—U III), die Kalischachte in Vienenburg unter freundlicher Führung des Herrn Betriebsleiters Koch (Kl. U I und 0 I), die