Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Journal
- Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Volume
- 1909-1910
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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16 2. Mitteilungen aus Öem Schulleben im Jahre 1909 10. Am 20. April v. Js. wurde der Schulunterricht durch eine Feier in der Aula eröffnet Ausser in den von der Oberschulkommission festgesetzten Ferien und bei den weiter unten bezeichneten Anlässen fiel der Unterricht an drei vollen Tagen wegen der jüdischen Feiertage aus. Unter den 55 zu Anfang des Sommerhalbjahres neu aufgenommenen Schülern befand sich auch ein Mädchen, das mit Genehmigung der Herzogl. Oberschulkommission nach bestandener Aufnahmeprüfung in die U III des Realprogymnasiums als Vollschülerin eintrat. Da es das erste Mal ist, dass ein Mädchen auf einer brau nach weibischen höheren Knabenschule zugelassen wurde, so hatte die Behörde verfügt, dass nach Ablauf des Sommerhalbjahres über die Erfahrungen, die wir bezüglich des Schulbesuches dieses Mädchens gemacht haben, eingehend berichtet werde. Wohl die Mehrheit des Lehrerkollegiums und auch der Unterzeichnete sind keine grundsätzlichen Anhänger des gemeinsamen Schulbesuches von Knaben und Mädchen, der sogenannten »Koedukation». Es bestand also unter den Lehrern keine Voreingenommenheit zu Gunsten eiues soJchen Versuches an unserer Anstalt. Trotzdem konnte der Unterzeichnete in seinem Berichte an die Behörde hervorheben, dass die Anwesenheit der Schülerin in keiner Weise den Schul betrieb störte und dass diese selber die wünschenswerte Forderung in der geistigen Bildung erfuhr. Sie gehörte zu den besten Schülern der Klasse,, ohne dass sie die für die U Illrpg festgesetzte Durch Schnittsarbeitszeit von täglich einer bis anderthalb Stunden überschritt und ohne irgend wie an ihrer Gesundheit Schaden zu leiden. Das ist vom Vater der Schülerin, Herrn Oberlehrer Dr. Dannenberg, ausdrücklich bestätigt worderj. Auch der Verkehr zwischen ihr und den Klassenkameraden gestaltete sich durchaus harmlos, und die anfänglich vorgesehenen Absonderungsmassregeln erwiesen sich als völlig überflüssig. In der Klasse, im Schulhofe, bei Schulfeiern und auf Spaziergängen bewegte sich das Mädchen unbefangen unter seinen Mitschülern, natürlich unter der üblichen Aufsicht der Lehrer. Der erste Versuch der Zulassung einer Schülerin an unserer Anstalt kann somit als ein gelungener bezeichnet werden, und die Schulleitung trägt kein Bedenken, gelegentlich auch andere Schülerinnen aufzunehmen. Voraussetzung hierbei ist, dass die Mädchen beanlagt sind, dass ihrer Erziehung im Elternhause die entsprechende Sorgfalt entgegengebracht wird und dass die von ihnen zu besuchenden Klassen nicht allzu stark beseizt sind. Aus diesem letzteren Grunde sollen zunächst Schülerinnen nur zu unserem Realprogymnasiuni, dessen Klassen klein sind, Zutritt erhalten. Da sie in diese Abteilung nur von Untertertia an aufgenommen werden, so haben sie Gelegenheit, vor dem Besuch unserer Anstalt auf der hiesigen privaten höheren Mädchenschule eine grundlegende Vorbildung auch mit Hinblick auf die spezifisch weibliche Erziehung zu erhalten, um dann auf dem Kealprogymnasium ihre Kenntnisse zu erweitern. In diesem Sinne wird die Zulassung von Schülerinnen den hiesigen Bürgern erwünscht sein. Für das neue Schuljahr ist ein zweites Mädchen bereits angemeldet Von den Schulereignissen des abgelaufenen Jahres ist das geschichtlich bedeutungsvollste der Besuch unseres Landesfürsten, Sr. Hoheit des Herzog- Regenten Johann Alb recht Am 14, Juni hielt Se. Hoheit den feierlichen Einzug in die Stadt Seesen. Unsere Schüler bildeten gemeinsam mit der übrigen Schuljugend beim Empfang seitens der staatlichen und städtischen Behörden auf dem Marktplatze Spalier. Von da begaben sie sich zur Schule zurück. Links und rechts am Haupteingang des Alumnate