Mannheim
Compact Memory

Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz · 1908-01-01 · Heft 1 · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
Volume
1908-1909
Issue
Heft 1
Date
1908-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/3504366-3504421-3504422--626-3524886
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i. Eine ScMlerfahrt der Jacobsonschule?or hundert Jahren.** Der Gedanke der Schülerreisen, wie er neuerdingajmit besonderer Wärme von manchen Schulmännern entwickelt und in die Tat umgesetzt wird, lässt sich unschwer auf J\-J, Rousseau als seine historische Quelle zurückführen. Rousseau, dessen Erziehungslehre ganz und gar auf dem Grundsatz der Anschauung, des Erlebens (nicht des Erlernens) sich aufbaut, musste auch folgerichtig auf den bildenden Wert des Reisens, namentlich der Fusswanderungen, hinweisen. »Wer zu Fuss reist, — sagt er im 5. Buche seines »Emil« — reist wie Thaies, Flato und Pythagoras. Ich begreife kaum, wie ein denkender Mensch sich entschliessen kann? anders zu reisen; wie er die Gelegenheit versäumen kann, Reichtümer zu untersuchen, auf die er den Fuss setzt und welche die Erde seinem Blick in verschwenderischer Fülle darbietet. Welcher Freund der Landwirtschaft wird nicht die Erzeugnisse gerne kennen lernen, die der von ihm durchwanderten Gegend eigen sind; wer wird nicht gerne erfahren wollen, wie diese hervorgebracht werden? Wer wird sich entschliessen, er habe nur etwas Sinn für Naturgeschichte an einem Gelände vorüberzugehen, ohne es zu untersuchen, an einem Felsen, ohne eine Ecke davon abzuschlagen, an Bergen, ohne zu botanisieren, an Kieseln, ohne nach Versteinerungen zu suchen?***) Diese und ähnliche Worte des grossen Heisters fanden einen Widerhall bei seinen Jüngern, den deutschen »Fhilanthropisten«, Zunächst hat sich Basedow, der Begründer des nach Ronsseauschen Grundsätzen geleiteten »Philanthropie«, der schalgeschichtlich berühmten Erziehungsanstalt zu Dessau, diese Gedanken zu eigen gemacht. In dem Schulbericht vom Jahre 1774 erzählt er von kleineren Reisen, die er mit einigen seiner Schüler unternahm. Sein bedeutender Mitarbeiter Salzmann, der später Leiter der in der Geschichte der Pädagogik so viel genannten Erziehungsanstalt zu Schnepfenthal war, führte grössere Reisen mit der ganzen Schulgemeinde planmassig aus, und zwar mit der ausgesprochenen Absicht, den Schülern nicht nur Erholung und Vergnügungen zu bieten, sondern auf diese Art das Erziehungsgeschäft nach ganz bestimmten Gesichtspunkten zu fördern. Die Schulreise als Erziehungsmittel wurde vor allem *) Die kleine schulgeschichtliche Skizze lag einer Rede zu Grunde, welche der Verfasser zum Schulfeste am 30. Jnni 1908 hielt. **) Voyager a pied cfest voyager comme Thaies, Platon, Pythagore. J'ai peine ä comprendre comment im philosophe peut se resoudre ä voyager autremetit, et s'arracher ä l'esamen des richesses qu'il foule aux pieds et qoe la terre prodigue ä sa vue. Qui est-ce qui, aimant un peu I'agriculture, ne veut pas connaitre les prodactions particulieres au climat des lieux qu'il traverao, et la maniere de les cultiver? Qui est-ca qui, ayant un peu de gofit pour l'histoire naturelle> peut se resoudre ä passer un terrain saus Vexammer, un rocher saus l'^corner, des montagaes saus hertmriser, des caillouz sans chercher des fossiles? (J.-J. Rousseau, Oeuvres completes, v. II, p. 672; ed. Finnin Didot, ParisO

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.