Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Journal
- Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Volume
- 1890-1891
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Für Herrn Gürbich trat Herr Enerke*), bisher wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Handelsschule zu Gera, ein. 3. Hausordnung des Alumnats. Das häusliche Leben unserer Alumnen hat sich nicht wesentlich gegen früher verändert, Die bisherigen Schülervereine (Falästra, Phil härm o n ia, Turnverein, stenographischer Verein) erfreuten sich auch in diesem Jahre reger Teilnahme und gaben zum TeÜ durch gelegentliche Vorträge und Vorstellungen Kunde von ihren Bestrebungen und Leistungen, So veranstaltete die Philharmonia am Abend des 13. Dezember im Speisesaal des Alumnats vor einem zahlreich erschienenen Publikum ein wohJgelungenes Konzert zum Besten des Braunschweiger Pestalozzi- Vereins. Die Wirkung -desselben wurde namentlich durch die Benutzung des von Herrn William Stcinway in New-York der Schule geschenkten Flügels erhöht. — Die schon im vorigen Jahre (s. Bericht 1890, pag, 20) erwähnten besonderen Arbeitsstunden für schwächere oder zurückgebliebene Schüler wurden unter Leitung des Herrn Enerke weitergeführt. — Endlich ist es auch mit Beginn des Wintersemesters gelungen, wie schon lange beabsichtigt, an unserer Schule und besonders für unsere Alumnen Unterricht in der Knabenhandarbeit einzuführen. Ein genauerer Bericht hierüber dürfte an dieser Stelle nicht unangebracht erscheinen. Der Zweck dieses Unterrichts ist im allgemeinen, der bisher allzu einseitigen intellectuellen Ausbildung unserer Jugend die nötige Ergänzung durch Pflege der Handfertigkeit und praktischen Geschicklichkeit zu geben. Ferner wollen wir Lust und Liebe zur körperlichen Thätigkeit und Achtung vor derselben erwecken, die Selbständigkeit, den Sinn für Ordnung und Genauigkeit, Sauberkeit und Formenschönheit entwickeln. Endlich soll das Auge geübt, die körperliche Kraft gestärkt und der Schüler zur Aufmerksamkeit, zum Fleiss und zur Ausdauer bei der Arbeit erzogen werden. Das neue Alumnatsgebäude stellt uns als Werkstatt für die Knabenhandarbeit einen Raum zur Verfügung, wie ihn nur wenige Anstalten so geeignet für diesen Zweck besitzen möchten. Est ist ein hoher, heller, cjoQm grosser Saal, der durch 3 grosse invertierte Siemens-Brenner auch abends taghell zu erleuchten ist. Zunächst ist die Werkstatt für Hobelbank- und Papparbeit eingerichtet; 7 Hobelbänke und 3 lange Tische von verschiedener Höhe für Papparbeit sind aufgestellt, die notwendigen Werkzeuge für Hobelbankarbeiten in einem grossen Schranke, Material und Werkzeuge für die Papparbeit in zwei kleineren Schränken untergebracht. In der Hobelbankarbeit werden 12 Knaben, Schüler der mittleren und oberen Klassen, in der Papparbeit 16 Knaben der unteren Klassen unterrichtet. An der Hobelbankarbeit nimmt ausserdem ein jüngerer Kollege teil, um später einen Anfänger-Kursus leiten zu können. Die Unterrichtszeiten sind: Montagabends 71/»—9^ LThr Hobelbankarbeit; Mittwoch nachmittags von 1 bis 3 Uhr abwechselnd einmal Papparbeit, einmal Hobelbankarbeit; Sonnabend nachmittags von 5 bis 7 Uhr Papparbeit. Der Kollege Wendig der in den Sommerferien 1890 in der Lehrerbildungsanstalt zu Leipzig ausgebildet ist, erteilt den Unterricht nach den Lehrgängen der Leipziger und Berliner Schülerwerkstätten. Die Teilnehmer an dem Kursus für Hobelbankarbeiten zahlen halbjährlich 30 Mk., die an der Papparbeit 15 Mark, Sämtliches Material wird frei geliefert, die gefertigten Arbeiten bleiben Eigentum der Knaben. Die Einrichtung der Werkstatt, Werkzeuge für beide Fächer, Schränke, Material etc., machten einen Kostenaufwand von ca. looo Mark nötig. *) W. Buerke, geb. am 26, Februar 1854 zu Kühen (Herzogt. Braun schweig), auf den Gymnasien zu Helmstedt und Braunschweig vorgebildet, studierte in Göltingen neuere Sprachen und verweilte zu seiner weiteren Ausbildung mehrere Jahre in England und Frankreich. Am 6. Januar 18S3 pro facultate docendi zu Göltingen geprüft, leistete er sein Probejahr von Michaelis 1S82 bis dahin 1SS3 an denn Gymnasium Martino-Catharineum zu Braunschweig und am Realprogymnasium zu Gandersheim ab. Nachher war er an verschiedenen Privatschulen thätig.