Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Journal
- Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Volume
- 1889-1890
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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nehme sie nunmehr auf, der neben dem praktischen Bedürfnisse auch den Schönheitssinn befriedige. Verschwunden sei nach fast hundertjährigem Bestehen das alte Haus; allerdings sei es nicht leichten Herzens niedergerissen; einst habe es als stattlicher Bau gegolten und lange seiner ursprünglichen Bestimmung vollauf entsprochen; tüchtige Männer hätten in ihm segensreich gewirkt, gan2e Generationen von Schülern seien in ihm zu wackeren Bürgern und nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft herangebildet. Aber mit der Zunahme der Schülerzahl und den gesteigerten Anforderungen der Gegenwart an äusserer und innerer Gestaltung eines Schulhauses habe das alte Gebäude trotz steter Verbesserungen und mehrfacher Anbauten unmöglich Schritt halten können. Von dieser Einsicht durchdrungen, habe das Kuratorium die reichen Mittel zur Errichtung des neuen Hauses bewilligt, und dieses erfülle nach seiner jetzigen Vollendung alle Wünsche aufs ausgiebigste, ja gehe über dieselben hinaus und stehe da als eine Zierde der Stadt und seiner Umgebung, als Stolz seiner Insassen, Darum müsse sich zur Freude die Dankbarkeit gesellen, namentlich gegen das Kuratorium, das der Schule dies kostbare Geschenk gemacht, und gegen die Behörden, die durch ihr Wohlwollen und ihr förderndes Interesse zum Aufblühen der Anstalt mannigfach beigetragen haben. Diese Dankesschuld durch die That abzutragen, sei hinfort die Aufgabe der Schule. Sie werde dieses am besten erfüllen, wenn sie getreu dem Geiste, in dem sie gegründet sei und sich bisher entwickelt habe, eine Pflanzstätte bleibe einerseits werkthätiger allgemeiner Nächstenliebe, andererseits echt bürgerlicher Geistes- und Herzensbildung. — Nachdem Herr Dr. Tachau noch die Grüsse der Samsonschule in Wolfenbüttel, die mit der Jacobsonschule schon durch die Persönlichkeiten der beiderseitigen Stifter und Kuratoren in engster venvandschaftUcher Beziehung stehe, und Herr Dr. Magnus die Segenswünsche des Jacobson'schen Waisenhauses in Seesen übermittelt hatte, trug der Schulchor den vierstimmigen Hymnus von Rolle »Lobt den Herrn* vor. — Zum Schluss forderte der Direktor, indem er eine übersichtliche Erläuterung des Planes und der Einteilung des neuen Gebäudes gab, die Anwesenden zu einem Rundgang durch dasselbe auf Um Ys 2 Uhr begann das Festmahl im grossen Speisesaale der Schule. Ausser den 140 Alumnen und den Lehrern mit deren Damen nahmen das Kuratorium, die Ehrengäste und viele alte Schüler (im ganzen über 200 Personen) teil; das Essen war in der Küche der Anstalt zubereitet und schien allgemeinen Beifall zu finden. Einige Liedervorträge der Philharmonia erfreuten die Tischgäste während der Pausen zwischen den einzelnen Gängen; eine lange Reihe von Trinksprüchen, deren erster dem Kaiser sowie dem Prinzregenten galt und vom Kurator Herrn Rudolf Jacobson ausgebracht wurde, gab der gehobenen Stimmung Ausdruck. Als besonders wirkungsvoll seien die Tischreden einiger alter Schüler hervorgehoben, die teils in ernsten tiefempfundenen Worten der Schule ihren Dank darbrachten für die hier erhaltene Erziehung und Bildung, teils aber in heiterer Weise Erinnerungen aus den hier verlebten Jugendjahren wiedergaben. Die Feier schloss am Abend mit einem Kommers im Rathaus, zu welchem sich alte Festteilnehmer, soweit ihre Berufspflichten sie nicht schon am Nachmittag wieder fortgeführt hatten, und die Prima der Schule zusammenfanden. Ein Semestersalamander, Einzelvorträge, gemeinsam gesungene Lieder, viele ernste und heitere Trinksprüchc belebten die Feststimmung; den Höhepunkt erreichte diese, als Herr Pastor Weber aus Vallstedt, der als hundertstes Semester bereits die Jugend begrüsst hatte, den freudigen Gefühlen Ausdruck gab, die ihn am heutigen Tage und in dieser Umgebung beseelten. Vor mehr als vierzig Jahren habe er als Lehrer an der Jacobson-Schule gewirkt; es seien die schönsten Jahre seines Lebens gewesen, denen er für seine geistige Ausbildung, für Erhebung von Herz und Gemüt am meisten verdanke; hier habe er m dem friedlichen, traulichen Zusammenwirken und -leben der beiden Religionen den Segen der Duldsamkeit kennen gelernt und als einen unverlierbaren Schatz für das ganze Leben davongetragen. Unter dem erhebenden Eindruck dieser Worte trennte man sich erst gegen Afitternacht