Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 2 (02.02.1925)
- Date
- 1925-02-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Vb. b. Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion> Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, iL, Blumauergasse 1 /II Postscheckkonto - Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljShr.. 12.000 K halbjähr. . . 24.000 „ Einzelne Nummer 2000 Kronen Nr. 2. Wien, 2. Februar 1925. 2. Jahrgang. Die Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft und der Aufbau Palästinas.; Die 'Berichte $m Palästina, besagen, da ß seit Motoaten «dfc wirts'chBuftliche Entwicklung im Lande sich, füristig .gestaltet, daß ein Bodorf an■'■■Arbeitskräften tust .überall zu verzeichnen ist. Audi die Arbeitersiedlung firEreut sich eines guten Gedeihens. Die Einwandernden reihen sich jetzt, dank der Vorbereitungsarbeit •in: den Gohi&ländernf!\4el leichter als früher in die ^Arbeit ein. Die Arbeitersiedlungen sind aber schon jetzt außerstande, alle Einwandernde aufzunehmen. Es iniangclt an Boden, aber besonders knapp sind die Geldmittel, idie als> Betriebskapital dienen s'ollen. Die zionistische Exekutive schränkt das Budget für die .^Arbeitersiedlung dmnier mehr ein, die finanziellen Institutionen .der palästinensischen Arbeiterschaft aber, '.jäind nicht in der Lage, der Arbeitersiedlung die nötigen Kredite und Investitionskapitalien zur Verfügun'g;zu ßlellen. Und s'o besteht die ernste Gefahr, daß zu loiner Zeit, als die wichtigsten Voraussetzungen für eine kräftige Entfaltung der Arbeitesiedlung gegeben .Isind, der Mangel an Geld die schönsten Hoffnungen t ..Saunichte mache...... . Diese Gefahr muß und soll abgewendet werden. Jene Genossen, die dazu, berufen sind, werden es gewiß nicht versäumen, die zionistische Exekutive auf idie (bedrohliche Lage der Arbeitersiedlung aufmerkjs!am izif imachen und von ihr die timlidhsto Erfüllung [ihrer Pflicht den Arbeiterpionieren gegenüber zu for- 'dern. Aber in erster Reibe müßten all jene Arbeitergruppierungen, die für den Aufbau des! .arbeitenden} 'Palästina isind, eine 'große Propaganda und Samnuelaktioni für die Fonds: der Arbeitersiedlung in 'die Wege leiten. So I sehr der finanzielle Erfolg einer solchen ^Aktion Von Bedeutimg ist, wäre es doch ein Fehler, isich! hauptsächlich (auf das t^ldsarnimeln zu beischranken. Die -'Ziele der Aufgaben und Institutionen der palästinensischen Arbeiterschaft sind der breiten^jüdijs'cben 'Oeffentlichkeit fast unbekannt. Man meint allgemein, es1 handle sich lediglich um Parteifonds1 und tman verhält sich im; besten Falle gleichgültig, manch- (mal aber sogar ablehnend den Institutionen der geisamten (jüdischen Arbeiterschaft Palästinas gegenüber. Dem muß ein Ende gesetzt werden. Wir niüsisen der jüdischen Bevölkerung nachzuweisen versuchen, daß ohne die jüdische Arbeiterlschaft keine Verwirklichimg des Zionismus möglich sei, jdaÖ 'die Arbeitersiedlung und die Arbeitergenossen- 'schaften 'die sicherste Gewähr für die Ansiedlung einer 'zahlreichen 'jüdischen Arbeiterschaft bilden. Es soll allen 'zum Bewußtsein gelangen, daß das Schicksal der;jü|dischen Arbeiterschaft das Schicksal des Aufbaues Palästinas bedeutet. Und wenn diese Aufklärungsarbeit energisch durchgeführt werden wird, wird auch de» finanzielle Erfolg nicht ausbleiben. 6eit einigen Wochen wirkt in Wien ein ausi Vertretern aller jüdischen Arbeitergruppieningien zusammengesetztes v,Koniitee für dasi arbeitende Palästina", daä die Propaganda und Sammeltätigkeit für die Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas zu betreiben hat. Es! ist unbedingte Pflicht aller Genossen und 'Freunde sich in den Dienst diester wichtigen Arbeit ku stellen. M. S. Der Verrat derT Wiener Jüdischnationalen ak der jüdischen Bevölkerung. Wenn wir die politische Entwicklung der Wiener Jüdischhationalen mit 'der der ehrisllichsozialen. Partei Oest^reichs vergleichen,... fällt uns eine merkwürdige Achnlichkeit auf. Die christlichsoziale Partei war ursprünglich sozial und demokratisch, sie übernahm es, die Schichten des christlichen Mittelstandes gegen die Ausbeulung des Großkapitals', .'der „Bankjuden" zu schützen. Im Laufe ihrer Entwicklung hat sie den Kurs ihrer Politik geändert, sie ist die Schützerin des1 Großkapitals, der „.Bankjuden" geworden und verrät täglich die Interessen des Mittelstandes. Fast dieselbe Entwicklung haben die Wiener Jü- (disehnationalen durchgemacht. Auch sie traten vorerst als Mittelstandspartei, mit sozialen und demo- ^ratis'chen Losungen auf. Und in der ersten Periode ihrer Betätigung, nach : dem Zusammenbruche Oesterfrei ch-Ungarns;, haben sie: wirklich eine demokratische 'Politik verfolgt, oft haben sie die Politik der österreichischen Sozialdemokratie im Nationalrat und im .. Wiener , (•lemehide^jit war allerdings •zur' Zeit, als' die demokratischen und radikalen Lo- (sungen in ihrer -Blüte standen, und sogar die Erzreak- Ü&onüren gute Miene zu dem für |slie bösen Spiel gelmacht haben. Kaum, daß die 'Reaktion in Oesterreich Atem geholt, hat und auch die Jüdischirationalen haben sich gehäutet. Sie haben die Hülle der Demokratie', des! sozialen Fortschrittes1 ohne Schamgefühl abgestreift und Istehen als Reaktionäre 'scldim'inister Sorte da. In der österreichischen Politik gibt es' seit Jahren nur zwei Machtfaktoren: die reaktionären Christ- Ii chsozialen und die Sozialdemokratie. Gibt es etwas ßelbstveirstilndlicheriesi für einen jüdischen Politiker, als in diesem Kaimtpfe zwischen Reaktion und Fortschritt für die Vertreter des letzteren zu entscheiden. Wie wäre es um die Freiheit der gesamten österreichischeu 'Bevölkerung und um die Lebensmöglichkeit der jüdischen Bevölkerung dieses! Landes' beistellt,1 wenn die Reaktion imeingeschränkt herrschen (dürfte? E's wird wohl jeder denkende Jude begreifen und sogar die jüdischnationalen Politiker sollten sich darüber klar sein, daß es ein Unglück für die jüdische Bevölkerung bedeuten würde. Wenn man bedenkt, wie es den Juden in den Hochschulen, wo die Reaktion durch die berühmte '„Autonomie" uneingeschränkt Wütet, ergeht, kann man sich ungefähr •ein Bild entwerfen, Avie es in der österreichischen Republik aussehen würde, wenn dieselben Herren auch jilm Staate nach ihrem Beliehen regieren könnten. Die politische Vernunft und die Lebensinteressen der jüdischen Bevölkerung diktieren direkt die Unterstützung der S.-D., ein wohlwollendes Verhalten den pro- ' letarischen Vertretern gegenüber ist das minimalste, das von jüdischen Vertretern gefordert werden darf. Nun können wir von den Wiener Jüdischnationa-! len das Gegenteil beweisen. Ihr Organ, die „Wiener Morgenzeitung", fällt jeden Tag über die Sozialtäejmokratie her, wir sind in der Lage nachzuweisen, daß diese „weitsichtigen Politiker" nicht einmal für den (Kampf gegen die antiserriitischen Parteien soviel Energie dn „Spitzfindigkeit" aufwendet, als1 für den Kampf für die Sozialdemokratie. Wir würden eä begreifen, und unter Uniständen sogar billigen, wenn die Herren Jüdischnationalen, dem Standpunkte der österreichischen Sozialdemokratie in der JudenlTa«ie entgegentreten sollten, obwohl. gerade» diese Herren für sich die moralische Berechtigung für diesen Kampf .'nicht..:beanspruchen können, weil sie für den lieben Frieden mit ihren assimilatorif sehen Klassengenossen den nationalen,' Kampf längst preisgegeben haben, Aber solche Schönheitsfehler würden wir diesen gescheiten jüdischen Köpfen" -noch verzeihen. Dem ist ,aher üicht. so. Sie. versuchen, die Sozialdemokratie zu diskreditieren, wenn sie zumi Beispiel einen, energischen Kampf gegen die ungeheure ^Erhöhung des; Miefzinses! aufnimmt. Die S.-j). schert (sich gewiß nicht viel um das Geschreibsel der HerJ •ren in der „Wiener Morgenzeitung" die außer demi Häuflein Zi onis ten kein denkender Mensch in die Hand nimmt, aber die jüdische Bevölkerung darf nicht ruhig zuschauen, wie ein Organ, das sich ausnimmt, die Interessen der jüdischen Bevölkerung zu vertreten, isich leri'rechl, die Politik der Hausherren '— wenn! tyuch nur mit feigen LTmischrei bringen — zu unter-} (stützen. iDer größte. Teil der jüdischen Bevölkerung^ \vohl über 90 Prozent, sind arbeitende Menschen, sind (Mieter, es ist deshalb ein schmählicher Verrat dieser (sonderbaren ^Judenschüfzer", wenn sie den gerechten Kampf der S.-D. durch Sticheleien und Verlcumirj düngen >zu nivellieren, versuchen. Die Wiener Jüdiscluiationalen haben in den. letz* ich" (Jähren b erei ts wahriieltnien können, wie d iejüdif sehen Wähler sie einschätzten, aber ihre Schandtaten), der letzten Zeil, machen es notwendiger denn je, diestel ^Schädlinge der jüdischen Bevölkerung aus' allelT &iißtitutionen und öffentlichen Körpei-schaften-zu rer-. Ibannen. » Das sollen sich alle freiheitlich denkenden Juden izur Ehrenpflicht machen. m^r Achduth Haavoda und die Weltbewegung, Offener Brief des Genossen Kaplanski an die Leitung der „ Achduth' Haawodah". TenereGenosaenJ Ich danke Euch herzlichst für die Begrüßungen, mit denen Ihr imich bei meiner Rückkehr nach Erez Israel empfangen habt. Ich hoffe, daß es mir trotz der schüren, und verantwortungsvollen Aufgabe, die ich hier auf dem, Gebiete der Kolonisation zu erfüllen habej möglich sein: wird, einen Teil meiner. Zeit und meiner Kraft unserer; gemeinsamen Arbeit an der Festigung unserer sozialistischen Arbeit im Lande zu widmen. Der Eintritt eines Genossen vom Verbände „Poale-Zian'* in ihre Partei in (Eres* Israel, in die „Achduth HaawDdah," müßte ein© Selbstverständlichkeit sein, die keinerlei Kommentierung und Erklärungbenötigt; aber zu meinem Bedauern kann ein treues Mitglied der Poale- Zionbeweguiig ohne Bedingungen, xmd Vorbehalte der Partei nicht beitreten. Auf der Konferenz von Ejn-Oharod hat A.-H. öffentlich erklärt, daß siei jim Weltverband nur unter gewissen Bedingungen verbleiben würde und hat der Bewegimg mitgeteilt, daß A. H. sich das Recht vorbehalte, die Statuten unserer Organisation nicht zu beachten. Es ist klar, daÄ Genossen, denen sowohl die Ganzheit von A. H. als die Geschlossenheit des Weltverbandes P.-Z. teuer ist, auf dep Hut sein müssen. Man) muß über die einzige jüdische sozialistische Bewegung wachen, die Erez-Israel auf ihre Eahnd geschrieben und einen Weg für den Erez-Israelgedanken i* der jüdischen und der internationalen Arbeiterbewegung* gebahnt hat. Die Krisis unserer Bewegung durch die Verhältnisse iri der A. H. und ihrer unnormalen Beziehung zum Verbands ist nicht plötzlich eingebrochen. In Ejn-Charod hat sich der Riß gezeigt, der schon seit Jahren versteckt Vorhände» war. Und deshalb ist jes nötig, daß unsere Genossen imi Lande es einanai von ihrem Organ hören und verstehen, wi$ Genossen, wie ich, die Lage beurteilen. Seit ihrer Gründung leidet die „Achduth Haawodah." an ihrem unklaren Verhältnis zur Histadru frj* Haklalitt (Allgemeine jüdische Artoeiteroigunisatii«»,))»