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KC-Blätter · 1931-04-01 · Heft 4 (April 1931) · p. Seite 54

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 4 (April 1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 54 (sequence 4)
Language
German
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54 K. C.-Blätter Nachr.-Heft der Sache an und erfuhren, daß — ebenso wie bei den paritätischen Verbindungen — auch diesmal Einladungen nicht eingegangen waren. Die Festleitung hatte inzwischen gewechselt, so daß wir den Motiven nicht nachzuforschen brauchten. Da inzwischen von der neuen Leitung Aufrufe ergingen mit der Bitte an die gesamte Bürgerschaft, sich zu beteiligen, und dem ausdrücklichen Hinweis, daß besondere Einladungen nicht ergingen, meldeten wir an dem gleichen Tage, an dem der Vertreter der hiesigen Ferienvcreinigung (Waffenring) Chargierte von 50 Verbindungen des Waffenringes, C. V. und K. V. sowie gegen 100 Couleurstudenten gemeldet hatte, unsere Verbindung Thuringia sowie A. W. V. und A. R. V. (F. W.V.) Breslau. Wir erklärten sofort dem Herrn Oberbürgermeister, daß infolge der augenblicklichen Zustände an den Hochschulen und unserer wiederum nicht erfolgten Einladung, Zusammenstöße, Abstandhalten usw. zu vermuten seien und wir daher eine Erklärung verlangten, in welcher Weise die Reihenfolge der Chargierten bestimmt würde. Man versprach uns — nach Rücksprache mit dem Leiter der Ferienvereinigung —, daß geschlossen nach Verbänden (Waffenring, Katholiker und wir) chargiert würde und zur Vermeidung irgendwelcher Weiterungen zwischen Waffenring und uns die katholischen Verbände gehen sollten. Die Vorsitzenden der hiesigen K. V. und C. V.-Zirkel sagten ausdrücklich zu, in diesem Sinne auf ihre Verbindungen einzuwirken. Sonnabend abend sollte eine letzte Besprechung steigen. Zu dieser wurden wir nicht aufgefordert, weil auch Fragen des Kommerses — einer angeblichen Privatveranstaltung mit Anwesenheit von Behördenvertretern — behandelt werden sollten. Sonntag morgens, einige Minuten vor Ankunft unserer Chargierten, wurde uns von dem Vertreter der hiesigen aktiven C. V.er, der bei der Besprechung unsere Belange wahren wollte, plötzlich mitgeteilt, daß mit überwiegender Mehrheit beschlossen worden sei, nicht mit uns zusammen zu chargieren. Auch ein Teil der katholischen Verbindungen hätte sich leider gegen unsere Teilnahme gewandt. Die anderen Korporationen hätten sich über die Reihenfolge ihrer Chargierten geeinigt, hinter diesen gingen gegen 100 Couleurstudenten, wenn unsere Chargierten dahinter marschieren wollten, hätte man nichts dagegen. Wir lehnten diese schamlose Zumutung selbstverständlich sofort ab und überbrachten kurz vor Beginn der Kundgebung dem Herrn Oberbürgermeister eine offizielle Erklärung, daß wir wegen dieser Vorgänge nicht teilnehmen könnten und darauf, unser Recht mit Gewalt durchzusetzen, nur verzichteten, um die große Kundgebung nicht zu stören. Der Herr Oberbürgermeister Dr. Geister, ein alter Corpsstudentz war offensichtlich tief empört und entrüstet, erklärte das Verhalten der Studentenschaft für die Schmach und Schande der ganzen Kundgebung und versprach, aus Protest den Kommers nicht zu besuchen. Er hat dieses Versprechen gehalten. Wir haben ihm am nächsten Morgen nochmals schriftlich für seine aufrechte Haltung gedankt und von ihm ein längeres Antwortschreiben erhalten, in dem er nochmals seinen tiefsten Abscheu für das Verhalten der Studentenschaft und Dank für unsere Loyalität aussprach. Nachmittags, bei der großen Regierungskundgebung in Beuthen im Stadion, chargierten wir einträchtig mit 9 katholischen Verbindungen zusammen. Der Waffenring hatte es, wegen der Teilnahme des Herrn Reichskanzlers und des Preußischen Innenministers ab gelehnt, zu erscheinen! Als wir nach Schluß der Kundgebung zu 6 Mann — wie die anderen Studenten — in Couleur durch die Straßen von Beuthen zogen, wurden wir von einem nationalsozialistischen Sturmtrupp von ungefähr 50 Mann in rüdester Weise angepöbelt. Wir setzten uns zur Wehr und es entwickelte sich eine Schlägerei, bei der sich die neue Ausbildung im K. C. hervorragend bewährte. Nach kurzer Zeit, nachdem einige Nazis von uns mit Kinnhaken unsanft behandelt worden waren, zog die feige Bande ab. Die Namen der Aktiven und Inaktiven verdienen festgehalten zu werden: drei Iungburschen, Angreß (Sax.-Bav.), Kaiser (Thur.), Lorenz

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