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KC-Blätter · 1932-01-01 · Heft 1 (Januar 1932) · p. Seite 12

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Journal
KC-Blätter
Volume
1932
Issue
Heft 1 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 K. C.« Blätter Nachr.-Heft eigentlich nur sein Organ. Er überwacht durch die staatlichen Kulturämter die ganze Siedlungsarbeit in allen Einzelheiten und er gibt schließlich, wenn die Siedlung fertig ist, das ganze Geld bis auf die eigenen Anzahlungen der Siedler. Bis zu diesem Zeitpunkt aber muß die Siedlungsgesellschaft die Siedlungsarbeit auf eigene Rechnung ausführen. Die Siedlungsgesellschaft muß also großenteils die Zwischenfinanzierung durchführen. Ist ein Gut fertig besiedelt, so bekommt die Gesellschaft auch ihr Geld wieder herausgezahlt und har es frei für das nächste Siedlunasunternehmen. Run zu der Frage: was soll das Ganze und warum ist denn die Siedlungsfrage für uns deutschen Juden so brennend wichtig? Vorweg etwas Einfaches. Seit Mendelssohn hat man immer wieder Juden veranlaßt, sich dem ländlichen Beruf zuzuwenden. Infolgedessen gibt es heute eine ganze Anzahl ausgebildeter Landwirte und Gärtner. Einige davon sind in zufriedenstellende Positionen gekommen, die meisten nicht. Es ist nicht schwer, eine Lehrstelle zu finden; eine schlecht bezahlte Gehilfenstelle findet man wohl auch nochaber wenn man eine zureichende Lebensstellung finden will, ist meist nichts zu machen. Die Jüdische Landarbeit G. m. b. H. siedelt nicht nur, sondern hilft jüdischen Landwirten und Gärtnern auch bei der Stellenbeschaffung. Es melden sich unendlich viele Gärtnergehilfen und Inspektoren, von denen man sehr selten einen unterbringt. Für diese bereits, ausgebildeten jüdischen Gärtner und Landwirte ist die Siedlung in erster Linie da. Ihnen kann nur geholfen werden, indem man sie selbständig macht. Wenn man diesen gesunden Weg für unsere jüdischen jungen Landleute nicht freimachen will, indem man Siedlungen schafft, "so soll man endlich aufhören, sie zu Berufen zu bestimmen, in denen sie doch nichts werden können. Speziell die Ausbildung zum landwirtschaftlichen Inspektor ist für heute und die nächsten Jahrzehnte nur als unverantwortlicher Unfug zu bezeichnen. Erstes Ziel der Siedlung ist es also, den Leuten zur Selbständigkeit zu verhelfen, die bereits im Beruf stehen und nicht anders zur Lebensstellung und zur Familiengründung kommen können. Der zweite Gesichtspunkt für Durchführung der Siedlung geht weiter; er bedeutet die Einleitung einer bewußten Berufsumstellung für einen Teil der deutschen Juden, und zwar aus ökonomischen Gesichtspunkten. Die Juden hatten ihre ökonomische Blüte als der selbständige kleine Handel und das selbständige'kleine Gewerbe gute Entwicklung hatten. Beim Rebergang von der Agrarwirtschaft zur Stadtwirtschaft war eine ökonomische Lücke im Warenaustausch entstanden, die gerade die Juden sehr geschickt auszufüllen verstanden. Die Wohlhabenheit der Juden in ihrer breiten Masse beruhte auf ihrer Tätigkeit als kleinere Kaufleute und Gewerbetreibende. Die wirtschaftliche Funktion, die sie. hier auszuüben hatten, ist heute zum großen Teil auf den genossenschaftlichen Warenumsatz oder auf die Verkaufsshndikate der Großindustrie , oder auf den Warenhausgroßhandel übergegangen. Aus dem einst selbständigen Kaufmann ist der Verkäufer oder Angestellte des Großbetriebes geworden, wenn ihn der wachsende Antisemitismus der Syndikate nicht auch um diese Möglichkeit gebracht hat. Der beruflich selbständige ist durch Antisemitismus weniger gefährdet. Der agrarische Kleinbetrieb ist in Deutschland noch erheblich ausdehnungsfähig. Von einer Uebererzeugung an Eiern, Molkereiprodukten, Obst und Gemüse kann selbst in der heutigen Zeit des abnormen Anterverbrauchs nicht die Rede sein. Vorübergehende Marktüberschwemmungen in einzelnen Obst- oder Gemüsearten können das Gesamtbild nicht beeinflussen. Der ständig steigende Bedarf an Obstsäften hat bei der Wahl der Obstkulturen in Gaglow uns ausschlaggebend beeinflußt. Wenn es ein derartig weites Gebiet zur Betätigung für einen selbständigen Mittelstand in Deutschland gibt, so werden die deutschen Juden den Weg zu diesem Berufsgebiet finden. Schwieriger zu fassen sind die ideellen Momente, die uns veranlassen sollten, uns wieder dem Land- Idbtn zu nähern. Bestimmtläßt sich

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