KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Aufsatzheft 1 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 K. E.--Blätter Strafe, die dem E.R. zur Verfügung steht, ist der Ausschluß aus der Verbindung und damit aus dem Verband überhaupt. Es ist versucht worden, ein kurzes Bild von dem Aufbau und dem Leben einer Verbindung zu geben. Aber jeder Versuch muß in gewissem Sinne blaß bleiben angesichts der Mannigfaltigkeit und Buntheit des Stoffes. Was nicht ausgedrückt werden konnte, das ist, das undefinierbare, unwägbare geistige Fluidum, das die Verbindung zu einer Institution macht, die nirgendwo ihresgleichen hat. Dieser Geist, der Geist der Jugend und der Freiheit, ist nicht an die Form gebunden, er schafft sie sich selber. Warum ich K. C. er wurde. Von Dr. Josef Hirsch (Lic., Sprev.). Vor 35 Jahren wurde ich K. C.er. Weshalb? — Aus den gleichen Gründen, die heute noch für einen jungen Menschen maßgebend sind, K. C.er zu werden. Aus Gründen meiner jüdischen Selbstachtung l Wenn auch damals die äußeren Umstände nicht eine Spannung bis zur Siedehitze zeigten wie heute, so gab es doch für selbstbewußte jüdische Studenten keinen anderen Weg, als sich dem K. C. anzuschließen. Ich will nicht behaupten, daß alle K. C.er aus ihrem jüdischen Bewußtsein heraus zum K. C. kamen. Denn das Verbindungswesen hatte bei der Entstehung des K. C. wohl eine wuchtige Stoßkraft nach außen, aber es gab nicht die Schönheit des Verbindungslebens, wie sie 10 Jahre später im K. C. auch dem jüdischen Studenten erblühte. Aber alle diejenigen jungen Leute, die sich uns anschlossen, lernten bald, K. C.er zu sein, und es wurde aus der Zugehörigkeit zum K. C. nicht nur eine umfassende Bindung, sondern — man soll vorsichtig mit diesem Worte sein — eine Weltanschauung. Es war die Weltanschauung, daß wir auf einer exponierten Warte des Lebens stehen und daß man gerade auf einer exponierten Stelle seinen Posten bis zur Selbstentäußerung wahren muß. Wir waren 7 und 8 Semester lang aktiv. Wir waren überhaupt aktiv, solange wir studierten. Wenn unser Bund es forderte, waren wir zur Stelle. Wir hatten es leichter als heute. Denn das graue Gespenst der Not des jungen Arztes, des jungen Rechtsanwalts oder Architekten war noch nicht vorhanden. Wir kamen aus einem jüdischen Mittelstand, der es sich leisten konnte, daß es einige Jahre dauerte, bis der Sohn sich selbst erhielt. Wir waren unbeschwert in unseren wirtschaftlichen Aussichten. Beschwert waren wir nur mit K. C.-Geist, mit K. E.-Gedanken, der höchsten Anforderung an die eigene Persönlichkeit, und mit dem Gedankengang, daß wir aus Selbstachtung und aus Aufrichtigkeit unserer Wesensart manche Vorteile des Lebens verlieren mußten, um unserer Ueberzeugung willen. Daher ist die auffällige Erscheinung verständlich, daß nur wenige aus unserer Zeit wirklich eine große Laufbahn erzielten, obwohl das Menschenmaterial vorhanden war. Unsere Menschen waren zu wenig biegsam, um trotz guter wirtschaftlicher und auch politischer