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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 107

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 107 (sequence 107)
Language
German
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(131) 107 hielten die polnischen. Bischöfe ein Konzil zu Breslau und im Frühling 1268 die südslavischen ein solches zu Wien ab. Und in beiden erklärten sie zunächst, daß die Bestimmungen der slavischen Judenstatuten zu weit gingen. So sei es z. B. nicht angängig, daß die Christen Fleisch bei den Juden kauften, sie könnten sie dadurch vergiften. Sie bemerkten ferner mit Mißfallen, daß in diesen Kolonialstädten die öffentlichen gemeinnützigen Anstalten, wie die Wirtshäuser, Badestuben usw. nicht für jeden Volksteil besonders errichtet waren, sondern für Juden und Christen gemeinsam, daß Juden und Christen Feste miteinander abhielten, auf den Hochzeiten miteinander tanzten, untermischt Dienstboten und Ammen hielten, daß die Juden sich nicht auf das Iudenquartier beschränkten, sondern unter den Christen wohnten, die übliche Unterscheidung in der Kleidung abgelegt hätten, daß sich zärtliche Beziehungen zwischen Juden und Christinnen angebahnt hätten usw. Und wir wissen weiter aus den historischen Quellen des 14. Jahrhunderts, daß sich noch mehrere Menschenalter hindurch die Bevölkerung dieser Kolonialstädte auf demselben Standpunkt hielt und sich, von den Landesherren unterstützt, durch die Beschlüsse der Konzilien von seiten der Geistlichkeit in keiner Weise stören ließ. Cs ist von Interesse, zu beobachten, und es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die Juden, die sich mit den christlichen Kolonisten angesiedelt haben, die Spuren ihrer deutschen Herkunft länger und zäher erhalten haben, als ihre christlichen Mitbürger deutscher Nationalität. Die deutschen Kolonialstädte in Polen haben im 13. und 16. Jahrhundert einen fast vollständigen Slavisierungsprozeß durchgemacht. Die Bürger übersetzten ihre Familiennamen vielfach ins Polnische und verlernten ihre deutsche Muttersprache. Die Juden aber haben diesen Prozeß nicht mit durchgemacht. Sie sind in den Slavenländern, besonders in Polen, unter den slavischen Völkerstämmen ihrer Sprache nach immer ein Fremdkörper geblieben. Wir besitzen in Posen, das 1253 als Kolonialstadt von den Deutschen gegründet worden ist, noch jetzt alte Protokollbücher, sowohl der christlichen Bürgerschaft als auch der jüdischen Gemeinde. Die Protokolle der Bürgerschaft sind bis zum 15. Jahrhundert meist deutsch, später lateinisch, im 17. Jahrhundert polnisch geführt, die der Juden sind hebräisch, stellenweise auch im Jargon, bekanntlich einem mit hebräischen Bestandteilen versetzten deutschen Idiom abgefaßt, die polnische Sprache kommt überhaupt nicht in ihnen vor. Man sprach also im 17. Jahrhundert in Posen auf dem Rathaus polnisch, in den Gemeindestuben der Juden hebräisch oder im Jargon. Auch in einer Anterrichtsordnung der Juden von Krakau aus dem Jahre 1551 heißt es: „Die Ilebersetzung der Bibel muß in deutscher Sprache gelehrt werden, denn das ist unsere Sprache, in der wir reden."

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