KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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(35) 11 Und wie kommt es, daß man ihm folgt? Weil Holländer den Mut hat, diese seine Forderung an alle zu richten. Jeder jüdische Mensch in Deutschland ist berufen, diese Aufgabe zu verwirklichen. Jeder kann es zu seinem Teile, aus seinem „Eigenen", in seiner Verbundenheit, in seinem Wirkens- und Lebenskreise. Wenn Holländer einmal das Wort von der „Mobilmachung aller jüdischen Deutschen" geprägt hat, so liegt das darin ausgesprochen. Und die Mobilmachung ist erfolgt. Aus einem Verein deutschjüdischer Menschen unter Vereinen schuf Holländer eine große, starke Bewegung, die ihm auf dem gewiesenen Wege folgt. Den jüdischen Akademikern aber, seinem K.C., hat er die Sonderausgabe gewiesen, Pioniere auf diesem Wege zu sein. Die tönende Phrase, daß der Akademiker ein Führer seines Volkes sei, hat für ihn so keine Geltung. Daß er die Verpflichtung dazu habe, das ist es, was er den jungen Menschen immer wieder zürnst. Der Akademiker vor allem hat das Ziel zu erfassen und in unermüdlicher Selbstarbeit und Selbstzucht die Voraussetzung der Verwirklichung in sich zu schaffen. Dann wird er verstehen, den Kampf um Gleichberechtigung und Gleichachtung wohlgerüstet, mit der Ruhe des in sich Gefestigten und in Würde zu führen. III. In Holländer ist Leben und Sache eins geworden. Von dem Ruf seiner Sendung ergriffen, ließ er von seinem Beruf. Bequemlichkeit und Frieden gab er auf, nirgends ein bleibend Quartier — durch zwei Jahrzehnte. Unermüdlich, um in jedem entferntesten Eckchen Deutschlands die jüdischen Deutschen zum Kamps zu rufen, oder gegen die völkische Schmach, den völkischen Unrat im deutschen Geiste zu kämpfen. Ueberall und unermüdlich zeigt er das Ziel und weist den Weg und schreitet ihn unbeirrt und unverzagt voran. Aber in dem zermürbenden Treiben vergeht kein Tag, an dem er nicht weiter an sich selber arbeitete, sein Wissen ergänzte, erweiterte und vertiefte. Der furchtbare Fehler, ja, die Tragik der Führer, findet bei ihm keine Stätte, — der Fehler zu verflachen, hohl und abgeschliffen zu werden in dem ungeheuren Verbrauch. Holländer vollzieht immer wieder das Wunder der Erneuerung und Bereicherung seiner Kenntnisse. Immer noch zählt er sich zu den Lernenden. Und den Kenner erfreut die Lebendigkeit, wie er immer wieder von neuer Warte, immer wieder in neuem Lichte die im Innersten sich gleichbleibenden Gedanken-uns aufzeigt. Und er kennt die Fäden der Verbundenheiten. Immer klarer, immer fester sucht er sie zu erfassen; durch seine Reden geht immer noch ein feines Suchen, ein nie Fertiges, etwas, das immer wieder neue Ausgaben stellt. Und welche lebendige Sprache redet es für sein ernstes Forschertum, seine Gründlichkeit und sein Verantwortungsbewußtsein, wenn er erst jetzt, nach zwei Jahrzehnten des Kämpfens und Ringens, glaubt, das Werk „Von der Soziologie" der Iudenheit schaffen zu können, ein Kompendium der gewonnenen Erkenntnis, der getanen Arbeit. Und wie kennt er die Menschen, ihre Vorzüge und ihre Weisheiten, aber auch ihre Torheiten, ihre Schwächen, ihre Lächerlichkeiten. Wie erfrischend weiß er von „Narren" und „Närrischkeiten" zu sprechen.... Aber immer wieder weiß er doch bei allen einen Weg zu finden über den moorigen Grund der Eitelkeiten hin zu den starken und guten Kräften in ihnen, die er weckt. In der klugen Verwendung seiner einzigartigen Kenntnis von Menschen und Dingen zeigt er sich als der politische Mensch, der den bitteren nie endenden Kampf mit Tatkraft, Stolz und Würde führt. So hat er die Wertschätzung, Bewunderung und herzliche Zuneigung im eigenen Lager erworben, die Achtung aber auch in gegnerischen Lagern sich zu erzwingen gewußt. Aber wir, die ihm nahestehen, — insbesondere, die den Weg seines Lebens von den Anfängen mit ihm gegangen oder die als Jüngere auf diesem Weg zu ihm gestoßen sind, — wir, die ihn aus der Nähe kennen und wissen, welch ein gütiger, zartfühlender Mensch neben dem Führer und Politiker in diesem mächtigen, tapferen, unerschrockenen Manne steckt, ja, wir lieben diesen Mann mit dem scheinbar so gar nicht liebenswürdigen Aeußeren. Ja, wenn dieser schwere, schier ungefüge Mann mit dem mächtigen Schädel und dem aufgeworfenen Stiernacken auf seinem Kampfplatz, dem Rednerpult, erscheint und spricht, so zwingt er — ist er auf der Höhe seiner Kraft — durch den machtvollen Ausbau der Gedanken, die Geschliffenheit seiner Bilder, die durchsichtige Klarheitseiner Darlegungen nns wie alle in seinen Bann. Wohl mag es Sprecher geben mit eleganterer Suada, mit einem leichter sprudelnden Fluß der Eloquentia. Aber Holländers Rede geht in mächtigen klaren Sätzen mit schwerer Wucht dahin. Doch wenn er gar mit der ganzen Gewalt seiner mächtigen Persönlichkeit in öffentlichen Versammlungen von unseren Dingen redet, dann zittert durch alles hindurch — das Herz, das menschliche, schlagende, leidende — ach, im wahrsten Sinne leidende Herz dieses Mannes. Nach einem solchen Abend sagte er einmal: „Ein jeder solcher Abend kostet mich ein Stück Herz." Und weil