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KC-Blätter · 1927-08-05 · Heft 3 (5.8.1927) · p. Seite 7

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Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 3 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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(Bl) Der Kampfer und der Freund. Von. Alfred Goldschmidt (Viadr.-B.), Berlin. Das Schicksal hat Ludwig Holländer eine besondere Rolle zugedacht: er ist der Exponent der Kampfe des deutschen Judentums um Heimat und Recht — für Deutschtum und Judentum geworden. Das mag ein mühevolles wird aufreibendes Amt sein, aber es ist eines, in dem Zuversicht und Vertrauen, Dankbarkeit und Anerkennung eingeschlossen ist, ein Amt, das seinen Träger hebt und seinen Lohn in sich birgt — in all den Mühseligkeiten und Schwierigkeiten, die zu überwinden sind. In jedem Schicksal — auch in dem scheinbar äußerlich glänzendsten — sind Irrungen und Wirrungen, Hindernisse und Hemmungen eingebettet, die nur ihm eigentümlich sind, das beneidenswerteste Schicksal ist oft nur — den anderen beneidenswert, nur nicht seinem Träger, aber eines darf — da, wo es vorhanden — hervorgehoben werden — im eigenen Bewußtsein bei allen Widrigkeiten, die zu überwinden: das Gefühl, der Gesamtheit zu nützen. Dies stolze Gefühl darf Ludwig Holländer für sich in Anspruch nehmen. Wir sehen ihn seit Jahrzehnten vor unseren geistigen und leiblichen Augen an den verschiedensten Punkten in Deutschland — bald, um einen Brand zu löschen, bald, um Verzagten Zuversicht einzuflößen, dort Aebereifer zu dämpfen, da Gegner in ihres Nichts durchbohrendes Gefühl zu werfen — überall ein Helfer, Tröster, Mutzusprecher, Bannerträger im Kampfe gegen Niedertracht und Mißgunst, gegen Vorurteil und Torheit — „der fliegende Holländer", wie er scherzhaft beim 40-Iahr-Fest der Viadrina und des K. C. genannt wurde — nur einer, der Ruhe bringt und nicht für sich sucht. Man muß es erlebt haben, wie der Verfasser dieser Zeilen, der auch vielfach durch Deutschland kommt, um es richtig zu bewerten, wenn erzählt wird: Die Stellung in unserer Stadt war schwierig und bedenklich geworden. Da kam Holländer und nun ist es besser geworden. Die Stellung des Exponenten der Kämpfe des deutschen Judentums bringt es mit sich, daß man mehr vielleicht als ein anderer die Menschen in ihrer Größe und Kleinheit erkennt. Vom Guten zum Guten knüpfen sich leichter Bande, die nicht zerreißen, der Zeit trotzen. Es gibt Menschen, die zur Freundschaft geschaffen sind und solche, die dauernd seelisch einsam sind. Ludwig Holländer gehört zu denen, die bei aller Ablehnung des menschheitlich Trennenden ein starkes Gefühl für Freundschaft haben — nicht im Austausch phrasenhafter Floskeln, sondern im Sinne des Wesentlichen: aus freundschaftlichem Herzen nützlich zu sein. Starke Gegensätze, selbst Einseitigkeiten heben da nichts auf. So verbindet ihn vieles mit vielem. Bei anderen könnte es Verschwommenheit sein, bei ihm ist es der Drang, im Augenblicke da, wo es nützlich sein kann, zur Stelle zu sein. In diesem Herzen ist eine so starke Dosis Zuverlässigkeit, daß selbst Gegensätze der Seelen kein Hemmnis bilden zur Erfüllung. So vereinigt unser Holländer die Erfordernisse des Kämpfers und die Vorzüge des Freundes. Wir alle, die wir seinen Lebensweg verfolgen, der so recht ein Stück von uns allen ist, wünschen ihm von ganzem Herzen, daß er auch im zweiten Halbjahrhundert uns bleibe: der siegreiche Kämpfer, der unerschütterliche Freund.

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