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KC-Blätter · 1926-10-01 · Heft 5 (Oktober 1926) · p. Seite 62

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 5 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
Seite 62 (sequence 4)
Language
German
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62 Geleitwort. 30 Jahre K. C., 40 Jahre K. C.-Gedanke, ein Menschenalter eines Korporationsverbandes überblicken wir. Ein Menschenalter reicher an Wandlungen als irgend ein anderes, in den äußeren Erscheinungen wie im Wandel der Geister. Krieg und Umsturz, eine wirtschaftliche und soziale Revolution fallen in diese Zeit und manches hat einen anderen Gang genommen, als man es damals glaubte, wo einige Studenten vor 40 Jahren das in vielem noch heute so aktuelle „Wort an unsere Glaubensgenossen" hinausriefen, anders auch, als vor 30 Jahren in den Köpfen derer sich die Welt malte, die damals im Schweidnitzer Keller den K. C. ins Leben riefen. 30 Jahre K. C.-Geschichte, Entwicklung einer deutsch-jüdischen Verbindung, d. h. Stellungnahme zum Nationaljudentum, zu den Wandlungen unseres' Vaterlandes, zu den neuen Formen studentischer Gemeinschaftsarbeit, heißt die Auswirkung einer vierjährigen Unterbrechung der Arbeit, den Verlust wertvoller Gebiete überwinden. Aus der reinen Abwehrkorporation ist ein politischer Faktor geworden im Leben des deutschen Judentums, im hochschulpolitischen Kamps. Aus dem Freundschaftsbund einiger weniger Altersgenossen wurde die Organisation, die Zusammenarbeit verschiedener Generationen, einig im Ziel, aber verschieden in Denkweise' und Weg. Mit Stolz bekennen wir, daß die Arbeit nicht immer leicht war, der Weg nicht immer selbstverständlich, daß es häufig galt, in mühevollen Kämpfen die Wahrheit zu suchen und allzu oft Freunde von dannen gehen zu sehen. Solche Entscheidungen und Entschlüsse sind, nötig in jeder lebendigen Zusammenarbeit, wenn neue Probleme neue Lösungen verlangen, in Sonderheit in einer Organisation der Jugend, doppelt in der Zeit, die hinter uns liegt. Gerade darum hätten wir gewünscht, zum 30 jährigen Jubiläum des K. C. eine Verbandsgeschichte vorlegen zu können, die. die heutige Jugend lehrt, .wie der Verband entstanden und wie die wechselnden Ideen in ihm nach Ausdruck rangen und ihre Lösung fanden,, üüd die den Alten noch einmal die Vergangenheit vor Augen führen und Verständnis für die neuen Probleme bringen könnte, im Wandel der Zeiten das Einigende weisend. Leider muß diese Arbeit der Zukunft Vorbehalten bleiben. Zu starke Lasten des Alltags hinderten die Wenigen, die diese Arbeit leisten können, an ihrer Verwirklichung. Die heutigen Blätter sollen daher nur mit Schlaglichtern einige der Probleme beleuchten, die die K. C.-Gegenwart bestimmen. Sie können nicht alle in ihrer Vielheit erfassen, das würde das Ziel unserer Zeitschrift in einer ihrer Nummern zusammensassen heißen. Sie wollen keine „Jubiläumsaufsätze" sein, keine Variationen des gleichen Themas, sondern das Besinnliche an dem Tage des Ausruhens sein, Teile aus dem Ganzen einer vielbeschwingten Gegenwart. 30 Jahre K. C., 40 Jahre K. C.-Gedanke liegen hinter uns. Viele Ausgaben haben wir erfüllt, neue piarten auf Lösung. Steil und steinig ist der Weg heute wie einst. Berge haben wir erklommen, neue Spitzen türmen sich auf. Wir wollen und werden auch sie erklimmen, wenn wir über die Spannungen und Wandlungen der Jahrzehnte hinweg, das Ziel vor Augen behalten und vorwärts streben, treu bewahrend das oft zitierte Wort des Kirchenvaters: In neeessariis unitas, in dubiis libertas, in Omnibus autem caritas. H. B. Auf dem rechten Mege. (40 Jahre K. C.--Gedanke.) Von Dr. David Kro Als wir im Jahre 1916, mitten in der Not der Kriegszeit, der 20 Jahre gemeinsamer K. C.- Arbeit gedachten, war es mir vergönnt, aus fernem Kriegsquartier einen Beitrag „zur Geschichte des K. C.-Gedankens" unter der Ueberschrist „Auf dem rechten Wege" zu schreiben, zur mahnenden Erinnerung, daß „der K. C.-Gedanke, der Weckruf an die deutschen Juden zu selbstbewußtem, aufrechtem Judentum und zu unverbitterter deutscher Gesinnung, ebenfalls in diesen Tagen einen wichtigen Gedenktag begeht, bedeutsam nicht nur für die engen Reihen des K. C., sondern — gemäß der Tragweite des Rufes — für die gebach (Thur.), Essen. samte deutsche Judenheit". Ich führte damals in den einleitenden Sätzen aus: „Im Jahre 1886 war es, daß die ältesten unserer A. H. A. H., die Breslauer Viadrinen, und nicht viel später die Heidelberger Badenen, sich in der nur der Jugend eigenen, heiligen Begeisterung um das studenti-. sche Banner scharten, um dem deutschen Juden seine Stellung zu Judentum und Deutschtum zu zeigen." Weitere 10 Jahre sind inzwischen dahingegangen, schwer an äußeren und inneren Wandlungen, wie sie sonst nicht einem ganzen Jahrhundert innewohnen. Wenn wir uns in diesen Tagen zur Feier des 30 jährigen Bestehens

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