KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 20 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 1016 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1016 burtenziffer in Verbindung mir geringer Säuglingssterblichkeit und auf der andern Seite eine längere Lebensdauer, also ein stärkeres Vorhandensein älterer, nicht Mehr wehrpflichtiger Jahrgänge aufweist.; Es ist klar, datz eine geringe Geburtenziffer einem starken Anteil am Heere nicht -minder abträglich ist als die lauge Lehensdauer- - Natürlich haben diese Erscheinungen Wen Grund nicht in den Lehren der betreffenden Religion, sondern sie sind eben auch ein Ausfluß der sozialen und beruflichen Schichtung der betreffenden Gemeinschaft. Ebenso ist ha--Vorhandensein einer breiten Bildungsschicht geeignet, die Prozentziffer zu drücken^ so daß im Frieden diejenige Religionsgemeinschaft die wenigsten Soldaten stellte, die prozentuell die meisten Einjährigen aufwies. Letzten Endes hat auch die Abwesenheit vieler Heerespflichtigerpon Deutschland bei Kriegsausbruch zu einer Minderung .der;Teilnehmer beigetragen, wobei zumeist Angehörige des Handelsstandes in Betracht kamen. Es ist freilich hierbei nicht zu übersehen, daß viele unter mancherlei Hinderfliffen die Rückkehr nach Deutschland bewerkstelligt haben. . Wenn wir alle diese Umstände in Hinblick auf die Juden in Betracht ziehen, so fällt sofort auf, daß die Prozentziffer der Juden eine kleinere sein muß als die der anderen Religionsgemeinschaften. Die Juden sind fast ausschließlich Stadtbewohner — nur 1,6% wohnen auf dem Lande —, sie find fast nur in städtischen Berufen tätig, sie teilen dieniedrige Geburtenziffer und längere Lebensdauer ihrer zumeist den wohlhabenden Handelskreisen angehörenden christlichen StandeSgenoffen, haben eine sehr breite Bildungsfchicht, stellten zahlreiche Einjährige 45,8 % aller jüdischen Soldaten waren im Jahre 1913 Einjährige — und waren gleich ihren christlichen StandeSgenoffen bei Kriegsausbruch z. T. von Deutschland fern. Ich meine jedoch, daß alles das zum größten Teil für das Heer in der heutigen Zusammensetzung nicht von Ausschlag ist, da ja heute für die Einziehungen nicht genau dieselben Grundsätze maßgebend sind wie in der FriedenSzeit. Insofern lassen sich die obigen Grundsätze nur auf die Kriegsverwend baickeit anwenden, und auch auf diese nicht restlos, da sich ja im Laufe des Krieges die Ansichten über diese wesentlich geändert haben. Allein die geringe Geburtenziffer und die Lebensdauer sind ein beim Bestehen der heutigen Wehrgesetzgebung unveränderlicher Faktor. . Denn mit Vollendung des 45. Lebensjahres scheidet eben jeder aus der Heereskontrolle aus/ und die geringere Anzahl 5er Lim wehrpflichtigen Mter Stehenden ließe sich auch durch die weitgehendste Rekrrrtierpng nicht ausgleichen. Was für die Juden im Vergleich s den Christen gilt, gilt jedoch auch, wie gesagt, für die Protestanten im Vergleich zu den KathoWn. Was nun den geringeren Anteil an den Gefallenen oder, wie May sagt, das verminderte Gefahrenrisiko anbelangt, so liegt der Grund darin, daß die Gemeinschaft mit der längeren Lebensdauer natürlich mehr - ältere Jahrgänge aufweist. Diese werden erst später eingezogen/ sind noch nicht so lange im Felde und haben somit nicht den gleichen Prozentsatz an . Toten und Verwundeten wie die sofort bei Ausbruch des Krieges eingezogenen Jahrgänge und insbesondere die aktiv Gedienten. Dazu kömmt der oben erörterte geringere Prozentsatz an Kriegsverwendungssähigen für die Städter und in städtischen Berufen Tätigen. Endlich bewirkt die breitere Bildungsschicht, daß die Gebildeten mehr Chancen haben, in gesicherte. leitende Stellungen zu gelangen) man denke nur: an die Aerzte, deren Gefahrenrisiko unbedingt geringer ist als das der bei der Waffe dienenden Soldaten. Somit ergibt sich für die Juden ein geringeres Gesahrenrisiko als bei den Christen. Die auffällige Tatsache, daß diese- Risiko bei den Protestanten im Vergleich zu den Katho? Üken relativ hoch ist, findet ihren Grund darin, daß die Protestanten im Offizierkorps weitaus dominieren (im Frieden 83 : 17 bei 6l^% Protestanten zu 36,9 % Katholiken von ’&ey männlichen Bevölkerung Deutschlands.) Alle diese Dinge sind aber bloß Statistik, oder besser, nur statistische Vermutungen. Wir können eS heute noch nicht übersehen, ob KriegSteilnahme und Gesahrenrisiko der Juden in der Tat geringer sind als bei den Christen. Beweise liegen dafür jedenfalls nicht vor. Hingegen muß in Rechnung gestellt werden die maffenhafte Meldung der jüdischen Akademiker (auch der Kaufleute) als Kriegsfreiwillige, so daß schon dadurch sich die Zahlen für Kriegsteilnahme und Gefahrenrisiko erheblich erhöhen und einen Ausgleich schaffen können. Schon gerade deswegen konnte der K. C. die Anwürse des Wingolf*) mit gutem Gewissen und ehrlicher Entrüstung zürückweisen. Aber wenn sich doch nach dem Kriege Herausstellen sollte, daß die Juden an Kriegsteilnahme und Gefahrenrisiko hinter den Christen zurückgestanden haben, so wird der Mayschen Schrift daS Verdienst Zufällen, nachgewiesen zu haben, daß der Grund hierfür nicht in einer geringen Vaterlandsliebe oder gar Drückebergerei der Juden, , sondern im Vorhandensein der genannten unabänderlichen Umstände zu suchen gewesen ist. *) cf. Heft 11 uitb 12 der KriegsmiSgabe der K. C. Blätter.' - ,