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KC-Blätter · 1917-08-01 · Heft 18 (August 1917) · p. Seite 916

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (August 1917)
Date
1917-08-01
Page
Seite 916 (sequence 18)
Language
German
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916 und Liebe zu dieser fremden, undetannten Welt in und zu wecken. Und wenn wir uns willig führen lasten, so kehren wir, die mit Vorurteil und Ueberlegenheit den Weg betraten, beschämt und bereichert zurück. In schlichten, fast stammelnden Erzählungen versucht der Verfasser, die fremde Wett des Chassidismus nachzuempfinden und uns lebendig zu gestatten: Menschen, denen deS Lebens Druck und Qual unerträglich geworden, flüchteten in die Mystik und gewannen hier einen unerschöpflichen Born der Seelenfreude, die sie über die Erde emporhebt, sie erhält und nährt, die ihr Lebenselement geworden. Eine Welt der Wunder und des Glaubens, t der der Verstand nichts zu suchen hat. Aber ein seltsamer Glaube, nicht die alltägliche gewinnsüchtige Hoffnung auf ein Jenseits, das die Guten belohnt und Böse bestraft, und die Letzten die Ersten werden läßt, sodatz die Ueberklugen gerne leiden, um später desto herrlicher belohnt zu werden. Nein, - ihr Glaube tragt seinen Lohn in sich, in diesem Glauben ist das diesseitige Leben so herrlich, wie nur ausdenkbar. Denn nur das Sein im Geist, der Gott ist, ist wesentlich, das Dinghaste belanglos, und also keine Last. Wie erhaben sehen die Chaffidinr auf die Misnagdim herab, die am schmalen Zeuge kleben, denen der Körper Ziel und Zweck ist und darum Geld und Genuß erstrebenswert. Die wohl der Thora Wort im Tun er- Men können, aber nicht im Geist; die der heiligen Gebote Sinn scharf ergrübeln und ergründen können, aber nicht leben und erleben. Ein völliges Aufgehn, ein Ergießen des ganzen Seins, jeder größten und kleinsten Tättgkeit in der Gotteslehre Sätze und Worte und Buchstaben — ist Kennzeichen und Wesen des Chaffidismus. Durch ihr ganzes Leben schwingt darmn eine Freude von taumelnder Innigkeit. — Bon dieser Warte besehen verliert auch der Wunderrebbe, den wir nur in des Witzes Karikatur kennen gelernt haben, alles Lächerliche und Absurde. Er. ist des Geistes reinstes Gefäß, iniüjm wohnt Gott, um sich durch ihn den Gläubigen zu offenbaren. Nur im Glauben kann das Wunder erlebt werden, das dem Unglänbigen alltäglich erscheint. Und umgekehrt wird dem Choffid das alltägliche zum Wunder. Ihm ist die Thora ein alles vorzehrendes Feuer, das ihn durchglüht, seine Thora brennt, seine Thora leuchtet. Und jede Mizwo, die er erfüllt, ist eine Kerze, die seiner Seele Licht und Wärme spendet. Denn was er tut, tut,er mit Inbrunst, die sein ganzes Leben mit Freude übergreßt, zu Tanz, Gesang und Gottesdienst jedes Tun verwandelt. Bon diesem gotterfüllten Sein erzählen die Chassidischen Geschichten. Ich will die wundervolle Legende i uüh des Misnagid Bekehrung kurz lviederzugeben ver-! suchen: I „Wen»» nicht höher!" heißt sie und beginnt: „Und > der Nebbe von Nemirow pflegte alljährlich um die Slicheszeit jeden Morgen zu verschrvinden." Er war! nirgends zu finden. „Im Hiinniel ist er selbstverständlich' Was hat nicht so ein Rebbe in den zehn Bußtagen alles bei Gotr auszurichten," so dachte die ga,»ze Gemeinde. Nur ein Misnagid, ein Lit»vak (Lithauischer Jude, der wegen seiner Freigeistigkeit vo»» den Ehassidim verachtet wird) glaubte nicht daran »md wollte der Sache auf den Grund gehn. Er schlich sich am Abend in deS Rebben Stube und verbarg sich unter dem Bett. Am frühen Morgen steht der Rebbe auf, zieht grobe Bauernkleider an und verläßt das Haus; der Lrttvak folgt chm. Eine Axt nimmt der Rebbe über die Schulter, und von keiner Menschenseele gesehen, gela»»gt er in ein Wäldchen, wo er einen Baum fällt, das Holz klein spaltet, mit einem Strick zusam»nenbindet und eine Last davon auf de», Rücken lädt. Staunend sieht der. Lit»vak zu. Der Rebbe kehrt in die Stadt zurück und klopft ans Fenster eines eingefallenen armseligen Häuschens. „Wer klopft," fragt die matte Stimme einer armen kranken Jüdin. „Ich bin's, Waffil" antwortet der Rebbe auf Russtch, mit verstellter Stimme, „ich habe Holz zu verkaufen, sehrbillig, so gut, wie umsonst." Und er tritt ins Haus, bringt das Holz hinein, und beruhigt die Frau, die das Holz nicht annehmen »vill; du sie nicht aufstehen kam», heizt er selbst den Ofen ein und spricht dabei die Stiches. — So aber schließt die Erzählung: „Der Litwak, der das alles gesehen, wurde von nun an Nemirorver Chossid. Und so oft später jemand erzählte, daß der Nimerower Rebbe alljährlich um die Slicheszeit die Erde verlaffe und in den Himmel fliege, lachte der Litwak nicht mehr, sondern fügte füll hinzu: „Wenn nicht noch höher!" — Wie ein Klang aus der Seele verborgensten Tiefen berühren uns diese Erzählungen. Die einen sind kunstvoll dramatisch aufgebaut, die andern einfache Schilderungen dieser fremden Welt. Alle sind von ganz eignem Reiz, und wenn auch manches künstlerische Geschlossenheit und Formvollendung missen läßt, die tiefe Einsicht in die Dinge, von denen der Verfasser erzählt, und die Liebe zu seinem Gegenstand machen das Buch wertvoll. Wir sind dankbar für eine Bereicherung unserer Kenntnis vom Judentum, für einen Einblick in verschloffene Tiefen jüdischen Volkstums, die wir oft belächelt, weil wir sie nicht kannten und zu würdigen wußten. Erwin Seligmann fGhibelliniae, K.C.-Stammlisch, Frankfurt a.M.) Spenden für die K.C.-Kasse, die vom 15. Juli bis 1. Okt. 1917 eingegangen find. 1. Adolf Rennheimer .. 2. Offizierstellvertreter Walter Grün 5 Kronen 3. Unteroff. Alfred Wolff 5 Kronen .... 4. Sanitäts-Vizefeldwebel Sturmthal5 Kronen anläßlich ihres Zusammentreffens in Galizier» 5. Gertrud Block, aus Freude über den Urlaub chres Bruders. 0. Diplom-Ingenieur Hans Rernack .... 7. Siinon Gideon, aus Freude dar. d. naturrviffenschftl.Kenntn.sern. lb.Bmrdesbr. Dreifuß i»n Felde dadurch bereichert zu haben, daß er -ihm zwei Mords-Trum-Läuse vor Augen führen konnte. 8. Alfred Dreifuß, aus Dankbarkeit für die zoologische Darbietung seines lb. Bnndesbruders S. Gideon. Mk. 5.— 9.69 1Q- 20.- 2.— 2.- Zu übertragen Mk. 48.69 Uebertrag Mk. 48.69 9. Rechtsänw. Dr. Julius Wolf, z»un Gedächtnis s. Brüder Max, gef. a. 12. 3.1916 und Siegfried, gef. am 14.3.1917.25.— 10. Wilhelm Pleys, für die regelmäßige Zusend. der K.C.-Blätter. 5.— 11. Dr. Wachsner, anläßlich seines Urlaubs in Oberschlesien. 5.10 12. Martha Götzinger, aus Freude über das Wiedersehen mit Goldschmidt.10.— 13. Hans Herxheimer, anläßlich sein. Befü'rder. zum Vizefeldwebel.. . 10.— 14. Frau Belle Herxheimer, aus Freude über die Beförderung ihres Sohnes.10.— 15. Dr. Adolf Heymann Bav.), anläßlich seiner Vermählung.10.05 16. Feldhilfsarzt Erich Buckhofzer, anläßlich s. Er»»ennung zum Feldhilfsarzt.10.— 17. Linz-Frankfurt am Main, zur Gutschrift . 10.— Zu übertragen Mk. 143.84

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