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KC-Blätter · 1916-09-01 · Heft 13 (September 1916) · p. Seite 750

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 750 (sequence 44)
Language
German
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*50 deutschen .Juden , warm stark genug, um in relativ kurzer Zeit diese Folgeerscheinung der Rechtlosigkeit und des Druckes zu überwinden. Ich glaube, daß die Statistik, wenn man sie nur richtig macht, den deutschen Juden nicht zur Unehre gereicht. Aber, meine Herren, man muß richtig zählen. Es handelt sich um die Feststellung, wieviele bei der kämpfenden Truppe, wieviele in der Etappe und im Heimatsdienst find. Schon der Versuch, die Juden bei den Kriegsgesellschaften allein zu zählen, hätte zu einer falschen Statistik geführt. Nicht darum handelt es fich, wieviel Juden sich in irgendeiner Berufsgruppe in der Heimat befinden, sondern es handelt sich darum, wieviel Menschen im wehrpflichtigen Alter in der Heimat beschäftigt sind, irgendwo in der Heimat reklamiert sind, oder sich in der Etappe und im Heimatsdienst befinden. Wenn man die Reklamierten der Kriegsgesellschasten zählt, dann muß man auch zählen die Reklamierten bei der Schwerindustrie, bei der chemischen Industrie, bei der Bahn, bei der Post, bei den Aemtern und Verwaltungsstellen mannigfacher Aich (Zuruf)'—ja und auch bei der Landwirtschaft—, sowie bei anderen Teilen der Industrie. Mit seinem Worte, meine Herren, man muß alle zählen, unH dann muß man die Gesamtziffern der Konfessionen miteinander vergleichen. Ich meine, so wenig man einem garnisondienstfähigen Manne einen Vorwurf daraus machen kann, wenn er bei der Bahn, bei der Post, in der schweren Industrie dem Vaterlande nützliche Dienste leistet, ebensowenig kann man einem anderen garnisondienstfähigen Menschen einen Vorwurf daraus machen, wenn er die Berufskenntniffe, die Fähigkeiten, die er besitzt, nun dem Vaterlande nützlich macht auf dem Gebiete irgend einer anderen Arbeit. (Sehr richtig! links.) Ich will, meine. Herren, mit alledem nur das eine sagen: wenn Sie statistisch die Dinge richtig erfaffen wollen, dann müffen Sie alles zählen; dann dürfen Sie . nicht einen Teil zählen. (Sehr richtig! links.) Dann, meine Herren, zählen Sie vor allem auch einmal die Kriegsfreiwilligen; ich meine nicht die Kriegsfreiwilligen, die nach sechs Monaten des.Krieges gekommen sind; da waren neben viel tapferer Jugend, die erst herangereist war, schön Jnfanteriedeserteure darunter, die noch schnell Kriegsfreiwillige würden, damit sie ja nicht zur Infanterie kamen; zählen Sie die Kttegsfreiwilligen nach den Konfessionen aus den ersten Tagen, aus den ersten Wochen, aus den ersten Monaten des Kriegs und untersuchen Sie einmal, ob nicht der große, starke Zug; der durch das ganze deutsche Volk gegangen ist, auch durch .die deutschen Juden ging. Ich kenne die Statistik in ihren Ziffer,: noch , nicht, sie existiert wohl noch nicht; aber ich' kenne die Ziffern von einzelnen Verbänden, von einzelnen Korporationen, insbesondere auch von studentischen Korporationen, und ich darf wohl sagen: die deutschen Juden haben sich in diesem Kriege bewährt. Ich möchte; - aber i auch; von dieser Stelle aus den deutschen Juden sagen: Laßt Euch wegen dieses Vorkommniffes, zumal wir jetzt die Aufklärung des Kriegsministeriums besitzen, nicht in eine verzweifelte Stimmung drängen. Die deutschen Juden werden sich darüber klar sein müssen, daß uratte Vorurteile auch durch diesen Krieg nicht plötzlich und restlos verschwinden. Die Erkenntnis schadet nichts, daß noch mancher Kampf gegen den Antisemitismus notwendig sein wird. Nicht von Dank und Undank sei die Rede! Die deutschen Juden haben ihre Pflicht erfüllt nicht um irgendwelchen Dankes willen, nicht in der kleinen Idee: jetzt wird zum Lohne die Gleichberechtigung: durchgeführt. Die Gleichberechtigung wird als ein Recht verlangt; aber die Pflicht wird nicht erfüllt um irgendwelcher Vortelle willen.- Dem Vaterland dient man des Vaterlandes wegen. _ Im Interesse des ganzen deutschen Volkes aber würde ich allerdings wünschen, daß man jetzt, zumal während des Krieges, im Hinblick auf die Arbeit, die uns nach dem Kriege gemeinsam bleibt, doch alles unterlassen soll, was das deutsche Volk auseinanderreißt. Noch eines: im Hinblick auf die Toten, die wir gemeinsam beerdigt haben, und im Hinblick auf die Toten, die wir leider auch fernerhin noch gemeinsam beklagen müssen, im' Hinblick auf die Lieben, die wir gegeben haben und immer noch geben, sollten wir jetzt wenigstens die gegenseitige: Hetze und Verdächtigung unterlassen. Das wäre: ein. wertvolles Ergebnis des heutigen. Tagest wenn recht viele von uns hinausgehen würden mit dem Willen, draußen zu sagen: jetzt und auch nach dem Kriege keine. Hetze, jetzt kein gegenseittger . Kampf, jetzt vor allem Einheit -und Geschlossenheit im Interesse des Vaterlandes! (Lebhafter Beifall links.) - Mitteilungen der Schristleitung. Die nächste Kriegsäutzgäbe der K.C.-Blätter wird Mitte Januar heraüsgeaeben werden. Verzögerungen sind unter den obwaltenden Verhältnissen aber nicht zu vermeiden. Die Adresse des Berlgges und der Schriftleitung der K. C.-Blätter ist nur Frankfurt am Main, Friedrichstr. 13. An diese Adresse smd alle den Verlag und die Schristleitung betreffenden Zuschriste« zu richten. Nur die kriegsstatistischen Mitteilungen sind an vr. Max Mainzer, Frankfurt a. M., Neckarsträtze'5, zu senden. Frankfurt a. Main, nr Friedrichstr. 13 Ur. Kurt Alexander. Fernsprecher Amt Taunus 176S: Verleger und - verantwortlicher Redakteur:5 0r. iur. Kurt Alexander, Frankfurt a Main, Friedrichstratze 13, Druck: Aachener Verlags- und Druckerei-Ges, Kaffenverwaltung: Rechtsanwalt Or. Sewald Jaffe, Düsseldorf, Schäferstraße 43, Ecke Benloerstraße. Postscheckkonto: Eüln 33 487.

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