KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 12 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 704 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2268830-2268895-2268901--1767-3523387- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
704 sollten nicht Jesus als den Helligen ihrer Kirche Betrachten, vielmehr als den Eizjuden, der hell aus allen Bränden hervorgehe und schließlich doch über die Christen triumphiere. Ein ungeheures Murren geht durch das Volk, seine Instinkte bäumen sich dagegen auf, von einem Juden verhöhnt zu werden. Der Haufe wälzt sich zur Stadt, und ein furchtbares Pogrom wütet unter der Mischen Bevölkerung. Auch Judith in der Vergewaltigung durch einen Rufenden erlegen. David steht sein totes Weib in den Armen des Elenden. Er schwingt das Beil gegen ihn und trennt ihm den Kopf vom Rumpfe. Nun schwillt die rasende Menge auch gegen ihn an. Da ergreift er mit der Linken sem entfeeäteS Weib, mir der Rechten schwingt er das Bell, um die Christusstatue zu zertrümmern, da trifft auch ihn der mordende Stahl, und als letztes Opfer sinkt ertöt zu den Füßen seines Werkes niäer. — Das ist in kurzen Strichen die Fabel des Romans. Die Darstellung ist stilistisch vortrefflich, aber ein wenig arm an Handlung und wirkt durch manche Längen ermüdend. Aber man hat es doch mit einem sehr intereffanten und eigenartigen Werk zu tun, das schon des Stoffes wegen jedem K. C.er zur Lektüre empfohlen sei. Referendar Alfred Wolfs (Bavariae, Thuringiae). Moses Rath, Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul, und Selbstunterricht. Krakau, Selbstverlag des Verfassers. Wer in der letzten Nummer unserer K. C.-Blätter aufmerksamer Leser des Auffatzes Professor Cohens war — und das war wohl ein jeder von uns —, dem find sicher noch jene Sätze in der Erinnerung, in denen der berühmte Philosoph über die Bedeutung der hebräischen Sprache sagt: „Dennoch darf und die jüdische Sprache keine tote Sprache sein. Sie ist die Sprache unsers Gebetes, wir müssen sie verstehen lernen, müssen sie in unfern Geist und unser Gemüt aufnehmen. Hier müssen wir dem Zionismus den Rang ablausen." Leider besteht in weiten Kreisen häufig die Ansicht, daß man das Studium und das Erlernen der hebräischen Sprache den Zionisten überlassen soll. Daß das falsch ist, bezeugt ja jedes Wort CohenS, dem man nichts hinzuzufügen braucht und darf. — So ist es denn zu begrüßen, daß wir endlich einmal ein wirklich schönes Lehrbuch der hebräischen Sprache bekommen haben, eine „erste praktische Methode zur Erlernung der hebräischen Sprache in Wort und Schrift". Es bereitet einem wirkliche Freude, den schön geordneten Lehrgang Raths durchzugchen. Ausgehend vom Nächstliegenden, dem Zimmer, dem Haus usw. (nach modernen pädagogischen Grundsätzen) erlernt man gleichsam spielend den sonst nicht leichten Stoff. Das Lehrbuch besteht aus zwei Tellen: einem Übungs. und einem Lesebuch. Der Verfasser will, daß man fich erst einen Wortschatz aneigne, bevor man an die Grammatik herangeht. Ein großer Vorzug — im Gegensatz zu den bestehenden LÄhÄüchern — ist der, daß gute deutsche Sprache angewandt ist. Der Preis ist Io gestellt, daß es jedermann ein leichtes ist, fich das Werk anzuschaffen. Hoffentlich tun's recht viele! stud. med. Nathan Weil! (Sax.-Bav.). Fleischmann, Paul, Alttestamentliche Lyrik. Tübingen 1916. JnderSammlung „Praktische Bibelerklärung" (ReligionSgeschichtliche Volksbücher für die deutsche chrsstliche Gegenwart, vl. Reihe, 8. Heft) hat Paul Fleischmann ein Bandchm über Alttestamentliche Lyrik erscheinm lassen. Nachdem der Verfasser im I. Kapitel „Singen und Sagen im allen Israel" einen Ueberblick über die hebräische Lyrik gegebm und sie kurz charakterisiert hat, geht er im II. Kapitel auf die dichterische Form der alttestamentlischen Lyrik näher ein, deutet die Streitfragen, die gerade auf diesem Gebiete zahlreich vorhanden sind. an, ohne sich aber für die eine oder andere Meinung zu entscheiden. („ES kann nicht unsere Aufgabe sein, die hebräische Rhythmik in ihren verschiedenen Erscheinungen darzulegen, zumal wir es hier mit Dingen zu tun haben, die erst fett verhältnismäßig kurzer Zeit Gegenstand eingehmder, aber noch keineswegs abgeschlossener Forschung sind. Für unseren Zweck genügt es. wenn dem Leser sich die Ueberzeugung aufgenöttgt hat, daß wir es auch in der alttestamentlischen Lyrik mit wahrer und echter Poesie zu tun haben") Diese Aufgabe hat der Verfasser sehr gut gelöst. Ganz besonders beschäftigt er sich mit den Psalmen, von denm er eine treffliche Auswahl bietet, und sie mit gutem Kommentar versieht. Er zeigt, daß die Lyrik der Psalmen einen Vergleich mit Goethes Lyrik nicht zu scheuen braucht; er weist nach, daß trotz unverkennbarer Aehnlichkell mit der Literatur der anderen Völker des Altertums der Unterschied ohne weiteres in die Augen springt. — („Dort—bei den Griechen — nur der Mensch und das Lied selbst ein Lied zu seinem Preise, hier — bei Israel — der Mensch als Wunder GotteS und daher das Lied ein Lied zum Preise deS Schöpfers. Seite 36.; vergl. Seite 34). Der tief religiöse Zug ist das charakteristische Merkmal in der alttestamenllichen Lyrik. Mit der kurzen Behandlung des Hohen Liedes schließt das flächig geschriebene Büchlein. Trotz des stark hervortretenden geistlichen Standpunktes des Verfassers (zum Beispiel bei Besprechung des Psalms 73: „Man glaubt JesuS zu hören. Vielmehr man steht ihn vor sich in der Zuversicht, die aus dem unbedingten und unverlierbaren Bewußtsein seines Einsseins mit Gott entspringt. So sehr erhebt sich hier da8 religiöse Erleben zur Höhe des Neuen Testamentes." Seite 51, vgl. S. 34, 38, 47) bietet das Büchlein auch für jeden jüdischen Leser eine so gute Einführung in die alttestamentliche Lyrik, daß wir es zur ersten Orientterung nur empfehlen können. Man darf erwarten, daß es zu weiteren Studien anregen und zu tieferen» Verständnis unserer herrlichen Poesie führen wird. vr. Paul Lazarus. Das Ostjudenproblem und die Frage seiner Lösung durch den Zionismus von Prof. vr. C. Ballod, Berlin. Erschienen in der Europäischen Staats- und Wissenschafts-Zeitung, Jahrgang 1916, Nr. 16 vom 39. Juni 1916. Verlag: Neue Deutsche Bücherei, VerlagSgesellschäst m. v. H., München. Preis des Heftes 50 Pfg. Professor Ballod, der Berliner Nattonalökonom, tritt für den Zionismus ein. Er meint, wie auch die polittsche Entwicklung für Osteuropa, insbesondere für die ehemaligen Teile des Königreiches Polen ausfallen werde, es sei kaum zu erwarten, daß die Lage der jüdischen Massen fich wesentlich bessern werde. Große Teile der jüdischen Bevölkerung Osteuropas seien auch in Zukunft auf die Auswanderung angewiesen. Palästtna aber sei für die Ostjuden das beste und idealste Einwanderungsland, zumal es schwach bevölkert »md nahe gelegen fei. Im Gegensatz zu den Ausführungen von Professor Alfred Phllippson im Berliner Tageblatt (9. Februar 1916) HÄt Ballod die Setzhastmachung jüdischer Massen in Palästina für ausführbar. Man mag feine Begründung Nachlesen und seine sorgfältigen Berechnungen prüfen. Er kommt zu dem Ergebnis, daß in Palästtna 5—6 Millionen Juden angesiedell werden könnten und die Kosten dieses Ansiedlungswerkes sich auf etwa 3*/, Milliarden Mark belaufen würden. Die Mittel aufzubrinaen hält er nicht für allzu schwierig, da die Juden Osteuropas doch nicht völlig besitzlos feien und einen Teil der Kosten selbst tragen würden. Auch glaubt er, daß die erforderlichen Konzessionen von Seiten der türkischen Regierung erlangt werden könnten mit Rücksicht auf ihren nach dem Kriege stärk ansteigenden Geld-