KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 11 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kriegsausgabe Mai-Juni 1916 11. Heft Fortsetzung. Vom 20. August 1916 ab ist meine Adresse und die des Voigts ai Ir feftitim ta ll-IBlftr Frankfurt a. tt FrteiMtMr. 13. Dr. Kurt Alexander. Zionismus und Religion. Ein Wort au meine Kommilitonen Mischen Glaubens. Bon Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Hermann Lohen. Sie fordern mich dringend aus, daß ich, der ich grundsätzlicher Gegner de- Duells und mein ganzes akademisches Leben Hindurch auch der schlagenden Verbindungen gewesen bin, nicht nur überhaupt für Ihre Mütter, sondern über den Zionismus schreiben soll. Wenn ich nun Ihrer Aufforderung Folge leiste, so möchte ich vorher aussprechen, daß emir nicht leicht fällt, eine Uber die ganze Iudenhett sich verbreitende jüdische Partei in Herausforderung anzugreisen. Ich habe liebe Freunde unter ihnen und bin gern überzeugt, daß unzählig viele eS gut und ernst mit dieser Sache meinen, und daß sie von der Liebe zum Judentum beseelt sind. Bisher bin ich daher auch nur indirekt ihnen entgegengetreten durch die Aussprache meiner eigenen Ansichten. 9tur einmal habe ich, um verdiente GlaubenSgenoffen nicht tm Stiche zu taffen, mit denen ich in der Arbeit für das Judentum verbunden bin und die dabei in ihrer Ehre angegriffen wurden, für eine öffentliche Erklärung meine Unterschrift nicht versagt, und ich ziehe sie nicht zurück, wenngleich lene Politiker alSbald wieder mit ihren Angreifern sich vertrugen. Aber die publizistische Polemik ist nicht meine Sache. Mein Handwerk ist die Wissenschaft. Und für geistige Fragen ist und bleibt das beste Kampfmittel die positive Darlegung des gedanklichen Gegensatzes. Sie allein wahrt dem geistigen Kampfe die erforderliche Sachlichkeii, die der direkte Angriff nur sehr schwer behaupten kann, und wenn man noch so sehr über die persönlichen Angriffe hinwegzusehen beflissen ist, denen der Kämpfer für das religiöse Judentum des deutschen Juden im Lager des Zionismus auSgesetzt ist. Mit Recht sagen Sie aber, die Gefahr werde jetzt immer größer und immer aktueller, da der Krieg der internationalen Spannung ein unbeschränktes Recht, eine Weihe gibt. Wenn nun auf jüdischer Seite diese Steigerung des deutschen Nationalgefühls nicht in ihrer natürlichen Berechtigung zur Durchführung des schweren Kampfes erkannt und mitgesühlt wird, wenn hingegen unter unS immer noch nur die Besorgnis laut wird, der Antisemitismus nehme immer mehr zu — anstatt, daß man in dieser Not des Vaterlandes gar keinen Sinn haben sollte für jene Reibungen und Empfindlichkeiten — so wird dadurch daS unklare, aber mächtige Gefühl aufgestachelt, aus dem der Zionismus feine Nahrung zieht. Alle Assimilation sei doch offenbar vergeblich, daher sei der Zionismus die einzige Zuflucht, die dem Juden sein Selbstgefühl und Selbstbewußtseirr zu schützen vermag. Wenn nur die Kehrseite nicht wäre, die sich schon in der bereitwilligen Anerkennung so vieler Nichtjuden, nicht nur der Antisemiten, geltend macht. Man prahlt mit der Weckung deS jüdifchen Gefühls, die der Zionismus bewirkt habe. Man beachtet aber leider die Kehrseite nicht. Mit den Antisemiten sagen allerdings auch viele Inden, die in ihrer religiösen Gesinnung keinen Widerhalt haben gegen die nicht so bald verschwindenden Rückständigkeiten: Der Zionismus hat ganz recht. Die Gojim jd. h. die Völker, nicht etwa die Heiden,' auch Israel wird als Goj in der Bibel bezeichnet) ändern ihr Verhältnis zu unS nichts die Fremdheit, um nicht mehr zu sagen, hört niemals auf zwischen Christen und Anden. Meine Kinder sollen aber dieses UnglüäVgefühl nicht mehr in sich zu tragen haben, daher sollen sie Christen werden. Go erzeugt der Zionismus eine feinere Emp- [indsamkeit für die sonst übliche Treulosigkeit deS üdischen Abfalls: an die Stelle des Reserveeutnanttritt nunmehr die zarte Empfindlichkeit für dte nationale Differenz, deren Milderung man für unmöglich annimmt, Und der treue Jude, der mit seinen Kindern im deutsche», Vaterlands zu verbleiben wünscht, und der ln gej schichtlichem Idealismus und (>pttm»Smueine Besserung der politischen und der sozialen Sitten, gemäß dem Grundsätze der modernen Kultur,