KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 11 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 641 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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641 MermUemibrMbegegnet, besonderes JnleresseMnfiötzt: Scheinbar harmlose Episoden eines flüchtigen Zusammen^ treffens mit polnischen, russischen - oder kurländischen Anden werden geschildert) aber hinter aller Schlichtheit verbirgt sich die Tragik des Osyudentums. Der Ber. faffer sieht die audgeraubten Judenhäuser, er siebt die geschändeten Synagogen: „Haben die Juden vor ihrem Abbruch die heiligen Bücher mit der Synagoge an. zünden, wollen oder waren es die Kosaken, die Rache nehmW wölltM?; Die 3000 Juden von Janischki sind nicht mehr da, die reden könnten. Und jetzt wird mir auf einmal klar, was ich hier miterlebe. Was ich nicht glauben wollte, als ich es laS: „Hunderttausende von Juden aus dem Gouvernement Kurland, Kowno usw. vertrieben." Es ist wirklich so. Ich erlebte die Ber. treibung hunderttausender Juden, wie sie vür 500 Jahren in Spanienvor 700 Jahren im Rheinlande sich ereignetes Ich stehe am Schauplatze eines großen jüdischen Dramas." Auch minder schreckliche Bilder werden uns gezeichnet. So ein Sederabend in einer dürftigen Stube bei einer in einem Feldvostpaket gesandten Miniaturmazzoth und einem Glase Armeerum als Pasiahwein. Daneben stehen ergreifende Einzelheiten aus dem Heldentum der deutschen Juden. Da ist die Aeutzerung jenes jungen Juden, dessen beide Brüder schon gefallen sind und der es doch ablehnt, einen Posten hinter der Front anzunehmen:,-Wir Juden haben die Pflicht, unfern Platz an der Front nicht zu verlassen. Wir können nicht anders, weil wir mutig sind — wir, die jungen. Mögen einzelne anders denken, aber die meisten unserer jüdischen Jugend wünschen sich keinenDrückebergerposten " Weiteste Verbreitung und dankbare Aufnahme wird dem trefflichen Büchlein gewiß sein. K. A. Deutsche Geschichte Mr das deutsche Volk von Dr. Albrecht Wirth. Franckhsche Verlagshandlung. Stuttgart 1916. Preis 1 Mark. Ein Buch, so recht geschaffen für alle, die nicht Lust noch Mutze haben, sich durch dickleibige Geschichtswerke hindurchzuarbeiten. Besonders unseren Braven im Schützengraben wird es eine willkommene Lektüre bieten; denn mancher von ihnen fürchtet sich, wie Tausende von Feldpostbriefen beweisen, vor Tod und Teufel, vor Kugel und Bajonett, nicht so sehr wie vor dem Fehlen jeder geistigen Anregung. In großen, aber festen und-klaren Zügen, gibt der Verfasser uns ein Bild von unserem Land und dem Gange deutscher Siedelung, von der Befestigung und Ausdehnung des deutschen Volkes bis zum Zeitalter deutscher Weltpolitik. Unnütze und schwankende Zahlenangaben besonders der älteren Zeit sind nach Möglichkeit vermieden und an ihre Stelle anmutige Schilderungen deutscher Sitten und Gebräuchedeutschen Handels und Wandels gesetzt. Die Abschnitte „Deutsche Sprachen und Stämme", „Die Gottk", „Die Hansa" geben ein anschauliches Bild mittelalterlicher Kultur. In „Sturm und Drang" sind die großen geistigen Umwälzungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschildert. Nicht im Tone trockener, wissenschaftlicher Forschung tritt uns der große Münchener Historiker gegenüber, sondern in leichtem, unterhaltendem Plauderton erzählt er uns von den neuesten Ergebnissen geschichtlicher Forschung. Das Merkchen ist im Hinblick auf die große Gegenwart geschrieben und zieht schonungslos von der Politik unser lieben Vettern das schöne Mäntelchen von Kultur, und Humanität, welches diese ihren Ber« brechen stdtS ümzuhängen wußten. Wer auch in der Beurteilung deutscher Politik ist Witth objektiver als viele seiner Kollegen; doch er liebt sein Land und Volk und weiß die Sünden deutscher Vergangenhett zu verstehen und damit zu verzeihen. Erich Fröhlich (Sax..Bav) Das Erlebnis unserer jungen Kriegsfreiwilligen. Nach den Feldpostbriefen, Tagebüchern, Gedichten und Schilderungen jugendlicher Kriegsfreiwilliger herausgegeben von Oberlehrer Di*. Willy Warstab. Verlag von Friedrich Andreas Perthes A.-G., Gotha 1916. Preis 1 Mark. . WitkopS Krie^briestn deutscher Studenten hat der bekannte Gothaer Verlag eine von l)r. Warstab besorgte Sammlung von Aufzeichnungen unserer jungen Kriegsfrei» willigen folgen lassen. Es handelt sich dabei um etwa 75 Briefe und einige recht nette Gedichte, die mit feinem Verständnis ausgewählt und züsammengestellt find. Wenn es noch notwendig wäre, so würde uns auch dieses Büch, lein beweisen, daß es nur reinster Idealismus und ein Patriotismus in seiner schönsten Form gewesen ist, der unsre jungen Kriegsfreiwilligen in so gewaltiger Anzahl zu den Fahnen strömen ließ. Ein Patriotismus, der nichts gemein hat mit dem sattsam bekannten Hurrapatriotismus, und der freudig alle Opfer bringe und Entbehrungen teilt, um einer großen Sache zu dienen. Mancher mag sich das Leben des Soldaten in Kaserne und Feld leichter und freudevoller vorgestellt haben; aber die eiserne Disziplin, der gute Wille und die gewaltigeBaterlandsliebe drängen alle Furcht und alle Ermattung zurück. Und besonders die Schlachtenberichte beweisen, wie sehr unsre jungen Krieger ihre Pflicht getan haben. Sie wollten fürs Vaterland siegen oder sterben. Das mag zur Charakteristik des Büchlein genügen Eine Kritik erübrigt sich eigentlich, denn der Verfasser wollte weniger eines der jetzt heiß umstrittenen Probleme behandeln, als eine stille, bescheidene Sammlung von schlichten Schilderungen herausgeben. Und daß er es mit feinem Geschmack getan hat, sei ihm hier nochmals bestättgt. Wer sich also in das Seelenleben unsrer Kriegsfreiwilligen verttefen will, ohne große Ansprüche an Großartigkeit der Schilderung und der Ideen zu stellen, dem sei das Biichlein empfohlen. Dem Krieger, dem es selbst gegönnt war, an der Front für das Vaterland zu kämpfen, wird es kaum etwas Neues oder Interessantes bieten. Referendar Alfred Wolfs (Bavariae, Thuringiae). Außerdem sind noch folgende Schriften emgegangen, deren Besprechung Vorbehalten bleibt: Die Juden im Zartum Polen. Ein geschichtlicher Ueberblick von Di*. Joseph Meist. A. MarcuS und E. Weber Verlag (Dr. Awert Ahn), Bonn 1916. Alttestameutarifche Lyrik. Bon Paul Fleischmann. Verlag I. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1916. Die Mische Bewegung. Gesammelte Aussätze und Ansprachen von Martin Buber. Jüdischer Verlag, Berlin 1916. Das Buch von den polnischen Juden. Herausgegeben von S. I. Agnon und Ahron Eliasberg. Jüdischer Verlag, Berlin 1916. Treue. Eine jüdische Sammelschrift. Herausgegeben von Leo Herrmann. Jüdischer Verlag, Berlin 1916. Der Jude. Eine Monatsschrift, herausgegeben von Martin Buber. Verlag von R Loewii, Wien und Berlin, 1. Jahrgang, 3. u. 3. Heft, Mai—Juni 1913. Vaterland! Gedanken eines katholischen Deutschen über Volk, Staat, Raffe und Natton. Bon Johannes Mumbauer. BolksvereinS-Verlag G. m. b. H. M.-Gladbach 1915. Quellenscheidung und Exegese im Pentateuch. Bon Dr.- B. Jacob. Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig. Der Sohn des Hebräers. Roman von Matti Aikio Verlegt bei Georg Müller, München 191s.!