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KC-Blätter · 1916-03-01 · Heft 10 (März 1916) · p. Seite 621

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 10 (März 1916)
Date
1916-03-01
Page
Seite 621 (sequence 39)
Language
German
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621 Leuchtrakete die Nacht der Gedankenschwermut erhellt. Ist er uns deshalb nicht unser bester Heiser und liebster Kamerad? Und wie häufig mutz er uns Hilfsstellung leisten! Gerne erinnere ich mich jenes (wenn auch gar harmlosen) Vorganges: Biwak. Der Regen prasselt auf die Zeltbahn nieder. Ein wütender Orkan will das Zelt in die Lüste heben. Unsere Glieder find steif vor feuchter Kälte. Es heißt: aufftehen. Da steckt unser vorwitziger Kamerad den Kopf zum Zelt heraus, bremst aber gleich wieder zurück mit den Worten: „Ein schöner Abend heute morgen!" Dieses Scherzwort genügte. Heraus aus unseren rheumatischen Beklemmungen und in die regenschwere Welt hineingeritten. „Ein schöner Abend heute morgen!" Wie mundet die Feldkost bei einigem Humor! Wie lachen wir über alle die Nörgler und Griesgrämigen, die da meinen, daß alle Suppen gleich schmemen und sich höchstens durch Nuancen in ihrer feldgrauen Farbe unterschieden. Wir aber schauen belustigt dem raffinierten Gebühren unseres feinfinnigen Küchenakrobaten zu, welcher, um reizvolle Abwechslung in die obligaten Genüsse der Bohnen-, Reis- und Graupensuppen zu bringen, sie das eine Mal in grader, das andere Mal in umgekehrter Reihenfolge dem Orkus seines Kochkolosses entlockt oder gar (o dieser Feinschmecker!) das Alphabet zu Rate zieht. Wie schnell verrinnen lange, mit trüb flackernder Kerze oder tranig schwälender Lampe kümmerlich erhellte Abende bei einem Glase Grog, oder, wenn es höher kommt, bei Wein, oder, wenn es noch höher kommt, bei Sekt, oder, wenn es am höchsten kommt, bei Bier, wenn der Humor unser Tischgenosse ist, wenn launige Tagesereignisse zur Sprache kommen wie jener Strafbericht des Hauptmanns . . . : Der . . . erhält drei Tage . . . Arrest, weil er wie ein Ochse gebrüllt und dabei die Stimme seines Hauptmanns täuschend nachgeahmt hat. Doch genug solcher Beispiele. Würde man sonst unter den vielen Spätzen den Ernst herausfinden können, den der Verfasser (welch ein Spaßvogel!) in die Zeilen hineinzulegen versuchte? Bleiben wir auch nach diesem Kriege unserer alten Devise treu: Zur rechten Zeit ernst sein können, aber auch zur rechten Zeit lachen können! Die K. C. Zusammenkunft am Ostersonntag in Lille. Bon Dr. Caesar Hirsch (Sie.) Ob wir K. C.er während unserer Studentenzeit engere und innigere Freundschaften schließen als die Mitglieder anderer Verbände und ob diese Freundschaften länger dauern fürs ganze Leben, ich weiß es nicht, aber es will mir doch fast, so-scheinen. Führt uns doch schon als junge Studenten nicht nur die Freude am studentischen Tun und der Lust goldener Fuchsen- und Burschenzeit zusammen, die leider so bald aus immer verschwunden find, sondern auch der für den Hörenden von allen Seiten ertönende Ruf zum Streit für unsere Gleichberechtigung und Gleichstellung als Juden und als Persönlichkeiten in unserm deutschen Vaterland, zu einem Kampf, der leider nicht so schnell verschwinden will. Ihrer größeren Zahlenstärke zufolge ist es für Angehörige anderer studentischer Verbände auch viel leichter, in größerer Zahl und vor allem viel häufiger zusammenkommen als uns. Auch haben sie den großen Vorteil, mehr unter Gleichgesinnten leben zu dürfen, während so mancher von uns durch das bunte Kriegsgeschick in eine Umgebung versetzt worden ist, deren Anfichten mit den seinen weniger in Einklang stehen, wenn er nicht gar, wie es unsere K. C.- Erziehung leider und Gott sei Dank so mit sich bringt und bringen muß, ständig aus dem «Qui vive* sein muß. Aus allen diesen Gründen glaubte ich aus ein freundliches Echo zu treffen, wenn ich mich entschloß, die Kartellbrüder, die dem nördlichen Teil unserer Westfront angehören, zu einer Zusammenkunft nach Lille einzuladen und wenn ich dazu den Ostersonntag in Aussicht nahm, obwohl mir gerade wegen dieses Tages Bedenken für und wider kommen mußten. Allein letzten Endes war mir für die Wahl des Oster-Sonntags der Gedanke maßgebend, daß an einem Sonntag und dazu noch an einem Festtag diejenigen unserer Kartellbrüder, die weniger leicht Urlaub bekommen, d. h. die Unteroffiziere und Mannschaften, eher zu erscheinen in der Lage seien als an einem gewöhnlichen Sonntag oder Wochentag. Aus der anderen Seite war jedoch damit zu rechnen, daß mancher Kartellbruder zu einem kürzeren oder längeren Urlaub über Ostern nach Hause gereist sein konnte; außerdem waren mehrere Kartellbrüder zu den jüdischen Festtagen in die Etappe gefahren und konnten deshalb am Ostersonntag nicht schon wieder Urlaub bekommen. Vielleicht war für manchen unter den Medizinern auch noch der Chirurgenkongreß in Berlin eine Abhaltung. Ich schrieb im ganzen an 46 Katellbrüder, wobei ich von dem sehr tüchtigen Kriegsfuchsen und San.- Uoff. Walter Mar; (Rh.-Sil.) in eifrigster Weise unterstützt wurde. Mit ihm hatte ich auch eine Vorbesprechung in Lille, wo wir auch gemeinschaftlich einen Augenschein im „Feldgrauen" nahmen und das Lokal nach Probe des guten Münchener Bieres für paffend fanden. Es fft natürlich nicht möglich, alle oie Herren zu erreichen, die etwa

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