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KC-Blätter · 1916-03-01 · Heft 10 (März 1916) · p. Seite 599

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 10 (März 1916)
Date
1916-03-01
Page
Seite 599 (sequence 17)
Language
German
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599 Aus engen Gaffen von Salomon Dernbitzer. Deutsch von Stefania Goldenring, erschienen in der Buchhandlung von C. A. Schwetschke und Sohn in Berlin. Es ist dies ein kleines, dünnes Büchelchen von nur 63 Seiten. Es enthält 6 kurze Stimmungsbilder aus dein Leben galizischer -Juden in der Heimat und in der Fremde. Idyllische, stilvolle, auch in der Sprache schöne Bilder sind es, die uns der Dichter zeigt. Wir sehen die armen, zerlumpten, hungernden Juden in ihrer galizischen Heimat. Wir sehen ihre Leiden und Freuden und rvir erkennen nicht zuletzt die tieferen Ursachen ihrer Unbeliebtheit in Deutschland. Auf der einen Seite das innige Familienleben, die Aufopferung der Frau für ihre Angehörigen, der Trieb zum Gelderwerb, das tiefe Heirnätgefühl trotz der nicht immer schönen Erinnerungen. Die Skizze „die Grenadierstraße" führt uns nach Berlin, in jene modernen Ghettowinkel, wo sich uralte Sitten und Gebräuche trotz der modernen Umgebung sortpflanzen, nicht vom Vater auf den Sohn, sondern von Familie zu Familie, die einander Platz machen. Die einen kommen von Galizien, die andern ziehen tveg von diesem neuen Ghetto, werden wohlhabend und greifen mit offenen Annen Besitz von all den Möglichkeiten, sich zu bilden und moderne Menschen zu iverden. Die letzte»: beiden Essays zeigen uns das Leben dieser Arrsrvanderer in Antwerpen. Auch hier »nieder dasselbe Bild, »vie rvir es in der Grenadierstraße saher», oder »vie rvir es täglich in andern Großstädten bemerken können. Ich erinnere mich beim Lesen dieser Zeiler» recht lebhaft an Leipzig rnit seinen» Brühl, wo, rvie ir» Antwerpen Diarnanten, dort Rauchwaren gehandelt »verden. Dort sehe ich sie stehen, die galizischen und russischen Juden, teilweise noch in ihrer Nationaltracht, »vie sie lebhaft gestikulierend ihre Abschlüffe rnachen und bei allein Scharfsinn stets darauf bedacht sind, nicht doch von ihrern lieben Nebenmenschen übers Ohr gehauen zu iverden. Es ist psychologisch ganz eigenartig bei diesen Menschen: auf der eine»» Seite der kindliche Gottesglaube, die liefen Gefühle für Heimat und Familie, die Weichheit u»»d Sentimentalität, auf der anderen der nüchterne Sinn fürs Leben, der Drang znm Handel, zum Harrsieren und die Sucht Geschäfte zu machen um jeden Preis. Das kleine Buch schließt mit einem Stimmungsbild aus den letzter» Tagen von Antrverpen und zeigt uns in erschüttender Weise die Leiden dieser Galizier in der Fremde, denn Fremde bleiben sie ja doch, wen»» sie sich auch an die Sitten und Gebräuche ihres neuen Aufenthaltsorts ge»vöh»»en. Die psychologischen Schilderungen — sie sind das beste des Büchleir»s — werden uns gerade heute zu einer Zeit, in der die Ostjudenfrage irn Mittelpunkt des Interesses steht, fesseln. Wenn wir hier rvieder einmal von dem unsäglichen Leid lesen, das unsere Glaubensgenossen im Osten niederdrückt, danr» wird es uns mit besonderer Schärfe klar, daß nur dadurch, daß rvir ihnen ein menschenwürdiges Dasein verschaffen, daß rvir sie zu Landrvirten, Handlverkern und regelrechten Kanfleuten erziehen, die Ostjudenfrage lösen können. Dr. Lothar Dessauer (Saxo-Bavariae, Bavariae.) Außerdem sind noch folgende Schriften eingegangen, deren Besprechung Vorbehalten bleibt: Major Burg, Die Geschichte meines Dienstlebens. Mit einem Geleitwort von Ludwig Geiger. M. W. Kaufmann, Leipzig 1916. Der Jude. Eine Monatsschrift, herausgegeben von Martin Buber. Verlag vor» R. Löwit, Wien und Berlin. 1. Jahrgang, 1. Heft. April 1916. An Spenden für die K. C.-Blätter-Kasse gingen ein: Mk. Mk. 1. Bruno Taitza (Saxo.Bav.) als zweite Rate zum Andenken an seine verstorbene Mutter. 2. Vizewachtmeister Arthur Lewkowitz (Saxo-Bav) die Hälfte einer Dekadenlöhnung .. 3. Dr. Lothar Deffauer (Bav., Saxo-Bav.) dankt der»» K. C. Stammtisch Frankfurt a. M. für die freundliche Aufnahme und wünscht ihm ein weiteres Blühen und Gedeihen. 4. Aus Freude, rvieder unter Kartellbrüdern zu sein, stiftet der Pionier Reichenberger.10.— der Neutrale von Blydenstein, weil er nicht mehr Schriftwart ist.2.— Katzenstein in Anbetracht, daß er zu»»» Nachfolger Blydensteins ernannt ist, nur 1.— Lazarus, weil er wider alle Errvartung das Physikum gebaut hat, 2.— Cohn hat selbstredend sein Physikum gemacht.1.25 Fritz Aronthal. 1 — Dr. Walter Weinberg.2 — 2._ 10.- 3.— 19.25 5. Anläßlich eines Abendschoppens in» Schrveidnitzer Keller wurden nachstehende Spenden für die K. C. Blätter gesammelt:. f erbert Zirrunt .. 0.50 öbinger aus Freude, daß er rvieder mal Herlitz sieht ..1.— 1.50 Zu übertragen Mk. 35.75 Ilebertrag Mk. 35.75 Herlitz, aus Freude, daß der Dicke endlich ins Examen steigt.1.— Lübinger, weil er die „Innere" schon bestanden hat.0.30 Aber, aus Freude über den Optimismus von Löbinger.0.50 Kurt Kreutzberger, anläßlich seiner Beförderung zum Unteroffizier .... 0.50 Arthur Herzberg als Gast.1.— Fritz Groß, aus seine»»» ^Reservefonds" 0 50 frans Wohlgernuth, rveil er abergläuisch ist.0.49 Erich Fröhlich, rveil sein Urlaub und sein Geld zu Ende ist.0.50 Waller Schindler.0.50 Edgar Lindner.0.51 Alfred Herzberg. 0.50 6.30 6. Herr Max Mendershausen, Cöthen, i»n Aufträge seines Sohnes Fritz (Sie.) . 10.— 7. Von den K. C.ern in Oppeln: Jsrnar Frost (Thur.) »veil er befiirchtet, als Anwaltsvertreter Millionär zu werden.1.— Kartellschwester Gertrud Abraham . . 1.— Max Aber, weil ihm Trude Abraham einen Bleistift geschenkt hat.0.50 Frau Eva Goldmann.0.50 Dr. Arthur Guttmann (Thur.) um nicht als Batl. Arzt Millionär in Oppeln zu werden ..1.— Trude Abraham kauft ihren Bleistift zurück für.0.50 Dr. Goldmann (Thur.).1.50 Frost und Aber. 0.70 6.70 Zu übertragen Mk. 58.75

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