KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 9 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 582 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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582 französisch lehren laßt, trotzdem man seit Jahrzehnten weiß, daß an die Stelle der französischen Sprache im türkischen Reich das Deutsche getreten ist. Infolgedessen reicht nun das deutsche Sprachgebiet von Deutschland bis zur Türkei und hat dadurch den Vorzug -das kompakten Zusammenhangs. Wenn auch in den s dazwischenliegenden Ländern andere Sprachen gesprochen werden, so ist doch überall das Deutsche gegenüber dem Französischen und Englischen im Vorrang und nach der Meinung des Verfassers kann sich dort der Einfluß der deutschen Sprache nur durch die jüdische Einwanderung weiter heben, da eine nennenswerte deutsche Ginwanderung in die Länder des vorderen Orients nicht stattgefunden habe. Recht hat auch Trietsch sicherlich, wenn er behauptet, daß die deutschen Juden, die heute noch in ziemlicher Zahl (meist nach Amerika) auswandern, die Hauptvertreter der deutschen Interessen sind, besonders da eine sonstige deutsche Auswanderung fast aufgehört hat. Ferner steht es ganz sicher fest, daß auch die njchtdeutsch redenden Juden, wahrscheinlich um sich mit 'der deutsch redenden Judenheit zu verständigen, eifrig bestrebt sind, die deutsche Sprache zu erlernen. Das zeigt allein die Tatsache, daß die Juden oft einen direkt ausschlaggebenden Prozentsatz der deutschen Schulen' im Ausland ausmachen, so z. B. in Saloniki 63%, Konstantinopel 40,5 %, Jassy 86%, PhiUippopel 38%.- So sieht der Verfasser die Möglichkeit des Zusammenarbeiteus von Juden und Deutschen im Ausland, namentlich im Schul- und im Aerztewesen, vornehmlich auf deni letzteren Gebiet könnten unsere jüdischen Aerzte durch ihre anerkannte Tüchtigkeit und Sprachenbegabung sicherlich Ersprießliches leisten. Ferner hält Trietsch auch die Besetzung von Stellen im konsularen Dienst durch Juden, mehr als es bisher geschehen ist, zur Förderung unserer Handelsbezichungen für durchaus geboten. Diese Rückkehr zum Deutschtum liege auch nach der Meinung des Verfassers im eigenen Interesse des Judentums, denn die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte hätten deutlich gezeigt, daß mit der Entdeutschung der Juden auch eine Entjudung Hand in Hand gehe. Wenn wir auch den Darlegungen des Verfassers nicht in allen Beziehungen zu folgen vermochten, so begrüßen wir doch seine von warmer Liebe für das Judentum erfüllte Arbeit als einen nicht hoch genug zu schätzenden Versuch zur Lösung eines der schwierigsten Probleme, das die augenblicklichen Verhältnisse uns gebracht haben. Dr. Lothar Dessauer (Saxobavariae-Bavariae). Das Bismarck-Jahr. Eine Würdigung Bismarcks und seiner Politik in Einzelschilderungen. In Verbindung mit namhaften. Gelehrten als Säkularschrift herapsgegeben von Max Lenz und Erich Marcks. Mit 14 ganzseitigen Kupferdruckbildern. Verlagsbuchhandlung Broschek & Co., Hamburg. Preis in Halbleder 12 M., in Leinen 10 M., broschiert 8 M. In der sechsten Kriegsausgabe der K.C.-Blätter (S. 436) sind bereits elf Lieferungen' des Werkes besprochen worden, das mit der Sommersonnenwende 1914 begann und mit der Säkularfeier der deutschen Studentenschaft (einer Widerholung der Huldigung vom 1. April 1805) abschließen sollte. Der Krieg, der gerade die Jugend, auf die das Werk vor allem wirken sollte, zu den Waffen rief, hat die Arbeit zunächst ins Stocken gebracht. Dann aber haben die Herausgeber sie doch in der vorgesehenen. Weise — wenn auch mit einiger Verzögerung — zu Ende geführt. Nunmehr ist mit dem 15. Heft die letzte Lieferung erschienen und das Werk liegt als Ganzes vollendet vor. Die hervorragensten Zeitgenossen haben Bismarcks Persönlichkeit und seine Politik sonne seine Stellung zu einer Reihe von Lebensfragen einer eingehenden Würdigung unterzogen. Trotz dieser Einzelschilderungen bietet das Werk eine Einheit und läßt den Leser klar werden über die dauernden Bedingungen zur Erhaltung der Bismarckschen Schöpfung. Auch das Verhältnis, in dem Bismarck zum gegenwärtigen Kriege steht, wird gestreift und dargelegt, wie die Geschichte sein Werk gerechtfertigt hat. — Die vornehme Ausgestaltung des Buches, dessen wertvollster Schmuck 14 meisterhaft in Kupfertiefdruck ausgeführte Bildnisse Bismarcks bilden, sei rühmlichst hervorgehoben. Die Reineinnahme aus dem Vertrieb des Werkes wird für das Bismarck-Nationaldenkmal am Rhein und für eine nach beendetem Kriege eventuell zu veranstaltende Bismarckfeier der deutschen Studentenschaft verwendet. K. A. Jsmael Friedmann. Roman von Carl Hauptmann. Erschienen bei Rowohlt, Leipzig. Erste Ausgabe. Mit wenigen Worten möge hier auf einen Roman hingewiesen sein, in dem uns einer unserer besten Prosaisten, der lange unbeachtet im Schatten des größeren Bruders sich mühende Carl Hauptmann, die Geschichte' eines Halbjuden erzählt. Jsmael Friedmann ist der Sohn eines reichen jüdischen Industriellen und einer deutschen Pastorentochter. Das ist, ganz abgesehen von allen rassefanattschen AusschlachtungSmöglichkeiten, zweifellos ein Borwurf, der für jeden Dramatiker eine ergiebige Ausbeute an effektreichen Komplikationen zeitigen kann. Da Hauptmann kein Dramattker ist, meidet er tunlichst jedes laute Geschehen, und selbst wo er einmal Ungewöhnliches (den merkwürdigen Selbstmord von Jsmaels Braut Isabel) erzählt, wirkt seine künstlerische und leidenschaftslose Art ausgleichend und besänftigend. Er ist aber auch nicht der Dichter, der seinen aus jener seltsamen Blutsmischung stammenden Helden in die Wolfsgruben tragischer Rassenkonflikter und verhängnisschwerer Kindesnöte geraten läßt; auch ihm ist die Aufgabe, den Typ des Halbjuden restlos analysieren zu wollen, zu schwer. Deshalb kann man von seinem Werk behaupten, es sei sine ira et Studio geschrieben, indem es unnütze Erbitterung vermeidet und so für alle Gesinnungen gleich wertvoll wird. Denn alles andere, was wir von den nie zur Tat reifenden Seelennöten und Ideen des seltsamen Herrensohnes Jsmael Friedmann erfahren, der, halb Christus und halb Prometheus, in furchtlosem Kampf seine Tage verzehrt, ist bestes Gut der Dichtung und Menschheit. — So sei überall die Dichtung warm empfohlen. _ Erich Blumenthal. Außerdem sind noch folgende Schriften eingegangen, deren Besprechung Vorbehalten bleibt: Tycho Brahes: Weg zu Gott. Roman von Max Brod, Verlag Kurt Wolfs, Leipzig. Peter van Pier, der Prophet. Roman. Verlag Kurt Wolff, Leipzig. Salomon Dembitzu: Aus engen Gaffen. Skizzen. Deutsch von Stefania Goldenring. Verlag C. A. Schwetscke u. Sohn, Berlin/ Verzeichnis jüdisch erKriegsschristen. Zusammengestellt von Louis Lamm. IHeft. Verlag Louis Lamm, Berlin. Werde Zionistisch Studentenjaarboek. Herausgegeben von der Nederlandifche Zionisttsche Studentenorganisatie. Bulgarien und die Bulgaren. Bon Or. Kurt Flo ericke. Verlag der Frankh'schen Berlagshandlung Stuttgart. „Die kleine Fliege". Ein Heine-Ronmn von Dorris Wittner. Verlag von Grethlein 6- Co., Leipzig. Verleger und verantwortlicher Redakteur: Or. iw. Kurt Alexander, Crefeld, Königstr. 116. Druck: Aachener Verlags-und Druckerei-Ges. Kassenverwaltung: Rechtsanwatt Or. Sewald Jaffe, Düsseldorf, Blücherstratze 69, Postscheckkonto: Postscheckamt Cöln 33 487.