KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 9 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2268830-2268895-2268898--1623-3523240- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kriegsausgabe A.C.-BMrr Januar-Februar 1916 9. Heft Fortsetzung. Ueber Nacht. Ueber Nacht sind an den Blumen, Die in meinem Zimmer standen, An den wunderfrischen Blumen, Neue Knospen aufgegangen, Junger Knospen junges Leben. — Ueber Nacht sind auf den Weiden, Auf bisher gar traur'gen Stätten, Junge Halme ausgesprossen. Und sie keimen und sie grünen Und verwandeln rings die Matten. — Ueber Nacht wird aus dem Kriege, Der des deutschen Stammes Knospen Wie ein jäher Rauhreif tötet, Heil'ge Friedenspalme sprießen, Die uns neu verklärt, verjünget, — Ueber Nacht! — Sei still, mein Aeund. Sei still, mein Freund, auch wenn dich Mächte, Die nie geahnt du, grauenvoll umtoben Und grüble nicht die langen, bangen Nächte, In welch Geschick du jäh dich siehst verwoben. Sei groß im Schmerze, sei im Leid ein Held, Bleib selbst dir treu, nimm alle Kraft zusammen Und zeige nicht der unbarmherz'gen Welt, Was wild durchlodert dich mit Keuerflammen. Und gib den Kampf nicht auf, gedrückt vom Joche, Sei still, mein Freund, und kämpfe still, doch stet, Fällst du im Streite, wirst du der Epoche Der kommenden, der besseren Prophet. Gefr. Walter Marx (Rheno-SUefiae). „Bereit sein, ist alles." Auch eine Friedensbetrachtung. Bon Di\ S. Samuel (Esten). Als unsere Armeen im vorigen Sommer zu den gewaltigen Schlägen ausholten, die uns in den Besitz von Polen, Litauen und einem großen Teil von Kurland setzten, erscholl aus den Blättern unserer intimsten Feinde, der Briten, die ehrlich gemeinte Klage: Jetzt bedarf es keines Beweises mehr, daß Deutschland der Ansttster des Weltkrieges ist. Es war offenbar am besten gerüstet, und hatte an seiner Bereitschaft jahrzehntelang zielbewußt gearbeitet, zur Bedrohung aller übrigen Völker Europas. Diese jetzt so heimtückisch überfallenen Nationen haben in ihrem tiefen Friedenswunsche nun die schwer empfundene Pflicht, das Hunnen- und Barbarenvolk der Neuzeit, den Schädling der Menschheit, in Schranken zu weisen, und ihre heiligsten Güter gegen jenes zu schützen. Ein recht bescheidenes Dasein hätten die Werte des Friedens in Deutschland neben den alles beherrschenden Rüstungen geführt) während edle Selbstbescheidung (bemerke die Revanchegelüste), freie Künste (z. B. Großkampsschiffe) und höchste Gesittung (bemerke die Pogrome) nur in Frankreich, England und Rußland ihre Stätte hatten. Wenn wir das Wort des englischen Dichters: „Bereit sein, ist alles" besser bedacht haben, als dessen Landsleute, und hierin ein Unterpfand unseres Sieges liegt, so wollen wir der Vorsehung dafür danken. Denn jener erheuchelten Friedensliebe ist die Maske längst herabgerissen. Die Polittk unserer Feinde war seit Jahrzehnten eine Kriegspolitik ohnegleichen, und wir sollten das Opfer sein. Was jene heute schmerzt, das gerade freut uns. Ein hellseherisches Gefühl hat uns sicher geleitet. An unserer Kriegsrüstung fehlte kaum' der letzte Hammerschlag. Aber es gilt, diese Bereitschaft sestzuhalten und für die Zeit des Friedens auszubauen. Es sei gestattet, einige Gedanken dafür vorzutragen mit besonderer Beziehung auf unsere, d. i. die deutsch-jüdische Jugend. Man wird mir beipflichten, wenn ich die leiblich-geistige Rüsttmg voranstelle. Die leibliche soll sogar' der geistigen vorangehen, nicht weil wir an der Eigenart, Unableitbarkeit, oder an dem Vorrang des Geistes gegenüber dem Körper zweifelten, sondern weil uns das Gefäß desto wichtiger erscheint, je höher wir den Inhalt schätzen. Es muß dem jüdischen Bewußtsein nur neu eingeprägt werden, daß geisttge Höchstleistungen kräftigen Körperbau, scharfe Sinnesorgane und vor allem ungeschwächte Nervenkrast erfordern. Wir wollen uns nicht mit Spinoza, Newton oder Kant getrösten: man könnte dagegen (worauf Bruno Bauch jüngst hingewiesen) Luther, Goethe und Bismarck ins Treffen führen. Ich nenne eine gesunde Leiblichkeit <die Forderung eines don animal) ein altjüdisches Ideal. Wir dürfen uns nicht durch den nationalen Widerstand gegen den hellenischen Kunst- und den römischen Gewaltsinn täuschen lassen. Wo freilich der schönen