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KC-Blätter · 1915-07-01 · Heft 6 (Juli 1915) · page 20

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 6 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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K.C.-BlMrr Kriegsausgabe I Juli-August 1915 6. Heft Fortsetzung. Aufruf. K.C.er! Ihr alle wünscht sicherlich, daß die Euch lieb gewordenen K. C.-Blätter, die jedesmal bei ihrem Erscheinen — gerade von den im Felde stehenden Verbandsbrüdern — freudigst begrüßt werden, in der gewohnten Form auch während des Krieges weiter erscheinen. Dies läßt sich nur dann bewerkstelligen, wenn Ihr alle — auch diejenigen von Euch, die Kriegsdienste tun — Euere K.-C.-Beiträge weiter entrichtet. Die meisten von Euch werden in der Lage sein, ohne es irgendwie als Opfer zu empfinden, den geringfügigen K.C.-Beitrag aufzubringen. Es ergeht daher an Euch die Bitte, Eueren Korporationen oder Altherren-Berbänden baldmöglichst die kleine Summe einzusenden. Ohne Euere Beiträge werden die K.C.-Blätter in absehbarer Zeit ihr Erscheinen einstellen müssen. Der Geschästsführende Ausschuß des K.C. I. A.: Dr. Mainzer. Iudenseiirdlicher im Altertum. Bon Hermann Bo gelstein (Friburgiae-Königsberg). AlS der Krieg ausbrach, waren weite Kreise von der Anschauung erfaßt, daß ein „neuer Himmel und eine neue Erde" das Resultat dieses gigantischen Ringens sein müßte. Man fühlte den Zusammenbruch der gesamten bisherigen Zustände, zahllose Begriffe von allgemeiner Menschenkultur sah man ins Wanken kommen und Zusammenstürzen. Der Krieg muß alle unter der Oberfläche verborgenen niederen Instinkte, die er zu so gewaltsamem Ausbruch gebracht hat, endgültig tilgen, wie im Schmelztiegel die Menschheit läutern und der Ausgangspunkt für eine neue Kultur werden, wenn man nicht geradezu verzweifeln soll. In solcher Stimmung fügte sich der erhebende Verlauf der Reichstagssitzung vom 4. August v. I., fügte sich der große Kriegsbettag, und zündend wirkte das Kaiserwort: ,/Jch kenne keine Parteien, ich kenne nur noch Deutsche." Die Neuorientierung unserer Politik, unseres gesamten öffentlichen Lebens war von höchster Stelle feierlich angekündigt, zahllose Hoffnungen wurden lebendig. Phantasten und Träumer, die nicht mit festen Füßen auf dem Boden der Wirklichkeit stehen, die ohne tiefere geschichtliche Einsicht nicht wissen, daß geschichtliche Entwicklungen niemals Augenblicksergebniffe sind, haben damals gemeint, daß der Antisemitismus mit dem Ausbruch des Krieges der Vergangenheit angehöre, daß die Kämpfe der Parteien im deutschen Volke und ebenso innerhalb des Judentums nach dem Kriege ganz schweigen oder zum mindesten ihre Schärfe verlieren werden. Je länger der Krieg dauert, um so mehr tritt die Verschiedenheit mancher Parteianschauungen zutage, auch der Antisemitismus regt sich wieder. Bei vielen ist an Stelle des himmelhohen Jauchzens die Betrübnis und die Resignation getreten. Nun heißt es: der Antisemitismus ist so alt wie das Judentum und wird erst mit dem Judentums schwinden. Sind diese Anschauungen berechtigt? Wer geschichtlich denken und geschichtlich derartige Probleme erfassen gelernt hat, wird den übertiebenen Optimismus der einen wie den Pessimismus der anderen ablehnen. Die Hoffnung auf Neuorientierung unseres gesamten öffentlichen Lebens wie unserer gesamten Kultur bleibt bestehen und muß uns aufrecht halten, wir dürfen auch zuversichtlich hoffen, daß manche Quellen des Antisemitismus verschüttet worden sind. Wer es wäre falsch zu wähnen, daß die Menschen sich nun von Grund aus geändert haben, daß sie aus Menschen Engel geworden find. Die Kämpfe werden und müffen fortdauern. Und doch erhoffen wir für die Zeit des Friedens auch bezüglich des Antisemitismus eine Befferung. Was wir Antisemitismus nennen, ist ein Produkt aus den verschiedensten Faktoren, daß es

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