KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 6 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- Seite 441 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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441 4. 8. 15. Sehr geehrter Herr Kartellbruder! Zuni zweiten Male im Felde, zum zweiten Male auch mit einem M., nämlich Alfred Cohen, beim gleichen Regiment, erlaube ich mir, Ihnen freundliche Grüße zu senden und dadurch gleichzeitig unsere Adresse zu geben- »vir sind hier bei der Beobachtung eines Feldart.-Regts. nnd wünschen allen l. Kbr. Lbr. eine ebenso angenehme Lage im Felde, wie »vir sie genießen. Ihr erg. Wilhelm Weinberg (Ghib.) Freundl. Grüße Alfred Cohen (Lic.) 19. 5.15. Mein lieber Mainzer! Mit bestem Dank quittiere ich über den letzten Empfang der Sk. C.-Blätter, die ich »vie die vorigen mit großer Freude begrüßt habe. Ich habe inzrvischen wieder das Feld meiner Tätigkeit nach dem Osten verlegt, wo ich die gewaltigen Ereignisse der letzten Zeit, die Vertreibung der Russen aus den Karpathen und Ostgalizien, mitmachen durfte. Nach der Schlacht bei G... überreichte rnir Seine Exzellenz, der kommandierende General von Francois, persönlich das Eiserne Hreuz, »vobei er eine längere Ansprache an mich richtete In der Hoffnung, daß es Dir und Deiner Familie recht gut geht, bin ich mit den herzlichsten Grüßen Dein getr. Werner. Montag, den 14. März 1915. Lieber Herr Kartellbnlder! Empfangen Sie ineinen besten Dank für die gesandten ht. C.-Blätter. Es ist für »nich ein Freudentag, ivenn diese ankommen. Der Nachruf, den Sie Fritz Baum gewidmet haben, ist seiner voll und ganz würdig. Ich habe 6 Jahre meiner Jugendzeit in seinem Elternhause zugebracht. Schon als junger Pennäler hat Fritz Baum mich für die Ideale des St. C. begeistert. Seit Anfang November liegen wir vor I ..., der heißesten Ecke des ganzen Krieges. Manche blaue Bohne aus »mseren schweren Geschützen haben wir den Engländern, gegen die wir auf der ganzen Linie zu kämpfen haben, hinübergesaudt. Tagelang herrscht hier das stärkste Artillerrefeuer. Auf beiden Seiten hat der Kampf schon ungehetlres Blut gekostet. Hoffentlich sind wir bald bis zur Küste vorgedrungen, damit wir dort im Sommer unser»» Erholungsaufenthalt nehmen können. Mit kartellbrüderlichem Gruß! Ihr S. Windmüller. Ostermontag, den 5. 4.15. Mein lieber Leibbursch! Vinn hat auch »nich das Schicksal ereilt! Nach meinem Examen hatte ich noch einmal vier Tage Heiinurlaub u»»d »var mit meiner Mutter zusammendann ging's nach B., und da unsere Ausbildung beendet »var, schon am Montag, den 22. 3., zum Ersatz-Bataillon meines Regirnents. Hier machte man nicht mehr viel Aufhebens, sonder»» bedeutete uns, daß wir sofort ins Feld rücken sollten. Wir empfingen Feldgrau und Sonnabend, den 27. 3., abends ein halb sieben Uhr, stand der Zug marschbereit. Dann ging's nach dem Hauptbahnhof, wo »vir verladen wurden und um ein halb ein Uhr nachts abdampften. Wir erreichten in Sk. die russische Grenze. Hier begannen die Verwüstungender Bahnhos selbst war nur notdürftig hergesteüt. In Th. . . . wurden »vir nachts zwei Uhr ausgeladen und hatten »ivch eine»» Marsch von anderchalb Stunden bis »n die. Stadt. Hier langten wir gegen halb vier Uhr an und erhielten »n einer Gaffe sechs Häuser angewiesen, in denen »v»r uns selbst Quartiere besorgen sollten. Wir klopften ans erste beste Haus an und schliefen zu zehn Mann »n eurer Stube, natürlich völlig angekleidet, auf der ,»ackter» Diele, nur je zwei Mann erhielten ein gemeinsames Kopfkissen. Ich hatte es gut getroffen. Wir agen be» polnischen Juden, denen ich mich alsbald als Glaubensgenosse zu erkennen gab. Sie gaben mir Mazze, Makronen und Tee »»nd freuten sich sehr. Ueberhaupt sind die polnischen Juden gegen die deutschen Soldaten sehr freundlich und begrüßen sie als Freiheitbringerdie sonstige polnische Bevölkerung ist dagegen sehr gleichgültig. Sie bitten uns, namentlich in den stark heimgesuchten Gegenden, um Brot und kleinere Geld- »»lünzen. T... ist eine ausgedehnte, recht hübsche Stadt an der P.in malerischer Umgebungleider hatten »vir wer»ig Zeit, uns umzusehen, da es schon am nächsten Tag früh um 10 Uhr »veiter ging. Dann begann ein anstrengender Maisch von 25 Kilometern nach der Reservestellung unseres Regiments. Der Weg »var sehr reizvoll, fast nur durch prächttgen Wald. Um 6 Uhr langten wir in der Reserve an und bezogen Quartiere. Ich lag in eine»» Stalle, der finster »var und des Nachts furchtbar zog. Das Stroh schien an Semester»» älter zu sein als ich. Hier hatten wir ein ruhiges Leben, leichten Dienst und geregelte Verpflegung. Freitag kain dann der Befehl, daß wir in die Schützengräben ausrücken sollen. Hier liege ich n»»n seit dieser Zeit. Die Russen liegen nur 1 Kilometer von uns entfernt. Ernstliche Gefechte finden kaum statt. Mir persönlich geht es gut, jedenfalls gesundheitlich. Man legt sich ja die größten hygienischen und kulinarischen Entbehrungen auf. Bor allen» fehlt einem das liebe Bierich möchte das hier haben, was ich in Heidelberg zu viel getrunken habe. Wir Einjährigen erhalten täglich Offiziersunterricht, zu dem wir immer eine Sttinde laufen »nüssen. In der Bervegung bleibt man also. Wie sicht es in der Heimat aus? Zeitungen gibt es natürlich nicht, auch erfährt man nichts von Bekannten. Was »nacht der Jk. <£., was unsere liebe Zeitung? Schreibe, mir einmal ausführlich. Im übrigen laß es Dir recht gut gehen und sei auf frohes, gesundes Wiedersehen nach dem Kriege herzlichst gegrüßt von deinem tre»ren Freunde Alfred Wolff iBavariae) 9. 7.1915. Sehr geehrter Herr Hartellbruder! Habe heute »norgen an dem Dankgottesdienst anläßlich des Argonnensieges teilgenom»nen und bin von Sr Kaiser!. Hoheit dem Kronprinzen persönlich n»it dem Eisernen Lreuz ausgezeichnet worden. Es war eine stimmungsvolle Feier, bei welcher der katholische Feldgeistliche, der ausgezeichnet gesprochen hat, auch besonders der jüdischen Soldaten gedachte. Mit kartellbrüderlichem Gruß Ihr M. Zivi. Lieber Mainzer! Ich danke Dir herzlich für Deinen umfangreichen, mich führ interessierenden Brief und Dein Paketchen. Ich bin wieder völlig hergestellt, habe meine alte .Kompagnie wieder bekornmen, treffe öfters rnit unserm lieben Mayer zusammen. Herzliche Grüße für Dich und Deine Gemahlin! Dein Zucker. Lieber Alter Hern:! Da siehst Du, der Bund treibt überall sein Unwesen, sogar hier oben in Flandern. Leider müssen wir die neue Verbindung bald wieder suspendieren »vegen Abzuges der Mitglieder. Herzliche Grüße an Deine Frau Gemahlin sowie an Dein Töchterlein und Dich von Deinem Fritz Mayer. Sehr geehrter Herr Kartellbruder! Ich befinde »nich in C ...., wo ich mit meinern langjährigen Freunde und Kb. Roos an einem Platze bin. Wir sind täglich zusammen und empfinden dieses Zusammentreffen, das unsere alte Freundschaft noch mehr befestigen wird, als äußerst glücklich. Arbeit haben wir in den letzten Tagen recht viel, da wir die Verwundeten aus den .Kämpfen von N ... und CH... bekommen. Mit kartellbrüderlichen Grüßen! Ihr Ludwig Zweig. * * *