Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1914-05-01 · Heft 8 (1.5.1914) · p. Seite 185

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 8 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 185 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2268830-2268874-2268883--1189-3522896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

185 schast sowie viele akademische Bereinigungen ein reiches Material zugesagt über die vielseitige studentische Betätigung, die sich auf das soziale Gebiet erstreckt. Eine ganze Reihe Leipziger Korporationen haben sich bereits für bestimmte Tage Plätze gesichert, um offizielle Angelegenheiten im „Akademischen Viertel" abhallen zu können, einige haben auch schon in Aussicht gestellt, ihr Stiftungsfest und ihre Sommerfeste in der Ausstellung zu feiern. Auch von ausrvärts werden Studenten zahlreich erscheinen, so z. B. die deutschen Studenten in Prag letwa 500 Mann stark) und die Pariser Studentenschaft. Eine Welt eigenartiger Schönheit und jugendlichen Schaffens und Waltens wird sich hier in dieser Sonderausstellung „Der Student" erschließen. Das gesamte Kulturleben in den Hochschulen wird jedem Besucher vor Augen treten und so wird die Grupve auch den Zweck erfüllen, für studentischen Geist und studentische Anschauungen Teilnahme und Verständnis zu erwecken. Ein Wiener Museum für Hochschulwesen. Der Rektor der Wiener Universität hat einen Aufruf ver- Mentlicht, in dem der Plan für die Gründung eines Museums für Hochschulwesen und StudentenlÄen in Wien entwickelt wird. Den Grundstock der Sammlungen sollen jene Gegenstände bilden, die aus Oesterreich in der Leipziger Buchgewerbe-Ausstellung, und zwar in der Sonderausstellung „Der Student ausgestellt sein werden. Das akademische Bismarckfest zur Feier des hundertsten Geburtstages des Altreichskanzlers soll nach einem Beschluß des akademischen Bismarckausschuffes, den die Studentenausschüsse vonr Bonn, f eidelberg und Stuttgart bilden, am 31. Juni 1815 in amburg stattfinden. Zur Vorbereitung des Festes wird vorn Juni dieses Jahres an in 15 Einzelnummern eine Bismarckzeitschrift erscheinen, deren Schriftleitung Erich Marcks und Max Lenz gemeinsam übernommen haben. Die Zeitschrift wird im Verlag des Bismarckausfchuffes der deutschen Studentenschaft und des Hamburger Vismarckausschuffes, denk 18 Alte Herren verschiedener studentischen Verbände angehören, erscheinen. Die Lustbarkeitssteuer für Festlichkeiten „Alter Herren"-Vereinigungen st ud entischer Verbindungen betrifft ein Urteil des Bezirksausschusses zu C., das jetzt der Nachprüfung des höchsten Bern, altungsgerichtshofes unterbreitet wurde. In S. besteht eme Vereinigung alter Burschenschafter, die ein Stiftungsfest mit Tanz veranstaltete. Es nahmen daran etwa 30 — 30 Mitglieder der Bereinigung und geladene Gäste teil. Die Veranstaltung fand in einem Hotel statt. Auf Grund der örtlichen Steuerordnung zog der Magistrat die Alte Herren-Bereinigung zur Lustbarkeitssteuer heran. Ihr Vorsitzender klagte nach fruchtlosem Einspruch im Berwaltungsstreitverfahren mit dem Antrag aus Freistellung von der Steuer. Die Veranstaltung habe einen durchaus familiären Charakter getragen. Der Bezirksausschuß wies die Klage ab. Die Grenze zwischen Festlichkeiten von rein häuslichem Charakter und anderen sei oft nicht leicht festzustellen. Im vorliegenden Falle habe der Gerichtshof die Uebei^eugung gewonnen, daß es sich nicht um eine rein häusliche Veranstaltung gehandelt habe. Der Revision gegen diese Entscheidung versagte das Oberverwaltungsgericht den Erfolg. Der Senat bestätigte.daK Urteil. Bücher- und Blätterschau. BQ Der jüdische Student. Monatsschrift des ,^Sundes jüdischer Korporationen", öffentliches Heft, 10. Jahrgang Nr. 10. Das vorliegende öffenlliche Heft des offiziellen Organs des B.J.C. stellt sich zum erstenmal in klarer und unzweideuttger Weise auf den Boden des Nationaljudentums und spricht in dem wohl offiziösen Leitartikel kategorisch aus, daß der „V. I. C. nur Nationaljuden in seinen Reihen duldet." Der Leitartikel wirkt im übrigen durch seine Übertreibungen recht erheiternd. Nachdem der Verfasser sich das bescheidene Zeugnis ausgestellt hat, daß „nur der Nationaljude in jüdischen Dingen objektiv" sei, sucht er von diesem Standpunkt aus dem Leser die alleinseligmachende Tendenz des B. I. C. vor Augen zu führen. Er verspricht den Keilfüchsen alles Mögliche, sogar, daß der B. I. C., also der studentische Verband, seinen Atttgliedern „eine Heimat ist, die in jeder Beziehung ein Surrogat darstellt für eine eigene Kultur und Sprache, für ein eigenes Land — also für die Elemente, die allein doch sonst nur imstande sind, geschloffene, bodenständige Persönlichkeiten zu schaffen!" Schließlich nimmt der B.J.C. m dem Artikel die Vertretung der jüdischen Studentenschaft" für sich in Anspruch, da sie ihm „seiner Bedeutung und seiner numerischen Stärke" nach zukomme. Da der B.J.C. numerisch schwächer ist als der K. C., da ferner wohl 90°/o der deutschen jüdischen Akademiker vom Nattonaljudentum nichts wiffen wollen, ist es nicht ganz klar, worauf der B. I. C. das angemaßte Vertretungsrecht begründen will. Uebrigens glaube ich, daß nicht einmal die zionistischen Studenten, soweit sie nicht dem B.J.C. angehören, diesen als ihre Vertretung anerkennen, da wenigstens im zionistischen Merkbuch das K. Z. V. als „offizielle Vertretung der zionistischenStudentenschastDeutschlands" bezeichnet ist. Jntereffant ist noch das Geständnis des Artikels, „daß das Programm des B.J.C. nichts von seinen politischen Zielen enthätt." Hier wird der wunde Punkt des B. I. C. berührt, der in seinem Programm behauptet, „der Sammelpunkt aller jüdischen Studenten zu sein, die sich bewußt als Juden fühlen", während in dem Artikel ausdrücklich gesagt wird, daß nur Nationaljuden in seinen Reihen geduldet werden. Der Artikel erklärt das Verschweigen des politischen Ziels im Programm aus dem studenttschen Charakter der Organisation. Die Begründung erscheint jedoch nicht sehr üoer^euaend, da doch z. B. das K. Z. V. sich offen als zionistisch bekennt und da auch die Universitätsbehörden keinen studentischen Verband zwingen, unter falscher Flagge zu segeln. Die Zeitschrift enthält weiterhin einen recht intereffanten Artikel über Achad-Haam, ferner einen Artikel „Europa und der Zionismus", der eingehend über einen in der „neuen Rundschau" erschienenen Auffatz von Paquet über „Palästina" referiert. Der Artikel zeigt wieder einmal in charakteristischer Weise, wie man bei jeder dem Zionismus günstigen Äußerung eines Nichtjuden diesen sofort in den Himmel erhebt. Alfons Paquet wird als junger deutscher Schriftsteller „mit weitem Blick und offenem Herzen" geschildert, der als „bewußter Verfechter des germanischen Gedankens" erscheine und dessen Bild „Säbelnarben im Gesicht (li und kluge, energische Züge aufweise", ein Mann, der „gleichsam als Sendbote des geistigen Europas, deffen typischer Vertreter er darstelle, nach Palästina gegangen" sei. Jeder weitere Kommentar erübrigt sich. Die einzelnen Arttkel der Zeitschrift, die mit den Berichten des Präsi-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.