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KC-Blätter · 1914-04-01 · Heft 7 (1.4.1914) · p. Seite 157

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 7 (1.4.1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 157 (sequence 16)
Language
German
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157 jBavariae-Rhenosilesiae) mit dem begeisterten Patos wirklicher Jugend auf die Alten Herren: Wenn wir jungen K.C. er die sich über fast drei Jahrzehnte erstreckende Geschichte unseres Verbandes verfolgen, wenn wir die kleinen Anfänge vergleichen mit dem ragenden Bau, dem anzugehören heute der größte Stolz unserer akademischen Jugend ist, dann denken wir derer, deren Lebensarbeit jenes gewaltige Werk ist. Wir denken ihrer mit der Liebe und der Dankbarkeit, die die Jugend immer denen schuldet, die ihr Leben erleichtert und verschönt. Aber die Jugend des K. C. schuldet ihren Alten Herren die Liebe und die Dankbarkeit, nicht nur weil sie ihr vorgearbeitet haben, sondern weil sie noch ständig für sie und mit ihr arbeiten. Darin eben liegt die Macht eines gewaltigen Gedankens, daß er seinen Einfluß unvergänglich auf alle die ausübt, die ihm einmal unterworfen waren. So ist denn auch das K. C.-Jdeal, dessen Gipfelpunkt der Kampf ums Recht ist, zu mächtig, um auf die Jugend, die zu seiner Verwirklichung in erster Linie berufen war, beschränkt zu bleiben. Zu sehr nimmt diese Idee von dem ganzen Fühlen und Denken Besitz, zu mächtig wirkt das Bewußtsein der großen Aufgabe, der man sich unterzogen hat, als daß das Ende der Jugend auch das Ende des Kampfes sein kann. Und die deutsche Judenheit, die einstmals staunend dem kühnen Beginnen unserer Gründer zugesehen hatte, sah nun wenige Jahre später, wie dieselben Leute mit derselben jugendfrischen Begeisterung ihre Ideale ins bürgerliche Leben verpflanzten. Ja! diese kühnen Kämpfer ruhten nicht eher, als bis das ganze jüdische Leben oerGegenrvart erfüllt war von ihren Bestrebungen. Heute gibt es kaum eine Organisation des Judentums, die nicht in irgendeiner Weise zu unseren Zielen Stellung genommen hat, es gibt kaum eine Organisation, in der nicht irgendein Alter Herr unseres Verbandes an leitender Stelle tätig ist. Aber ihr größtes Werk liegt tiefer. Das, meine jungen Kartell- und Bundesbrüder, ist das große Verdienst, das sich unsere Alten Herren um das deutsche Judentum erworben haben, daß sie jenes Begeisterungsfeuer für die jüdische Sache entfacht haben, das sie als junge Studenten eingesogen haben, das heute aber die Wiedergeburt des deutschen Judentums bedeutet. Nur die, die schon als junge Leute sich nicht scheuten, für ein Ideal sogar ihr Leben einzusetzen, waren später einer solch restlosen Hingebung, eines solchen Opfermutes fähig, wie sie der Existenzkampf einer bedrohten Minderheit erfordert. Für unzählige war ihr Wirken ein leuchtendes Beispiel, unzählige werden fortwandeln auf den Bahnen, die sie geebnet haben. Bor allem aber muß ihr Tun ein Ansporn sein für uns junge K. C.er. Der große Kampf, der seit drei Jahrzehnten von der deutschen Judenheit geführt wird, kann nur dann zum Ziele kommen, wenn immer frische Kräfte an die Stelle der alten treten. Und auf wen könnte man mit heißerer Hoffnung blicken, als aus uns, die wir im Geiste derer erzogen werden, die eine neue Zeit in der Geschichte der deutschen Judenheit eingeleitet haben! Dann auch werden sich die auf uns gesetzten Hoffnungen erfüllen, dann auch wird die Arbeit unserer Alten Herren nicht umsonst gewesen sein, wenn wir uns jenen jugendlichen Feuergeist bewahren, der sie befähigt hat, ein ganzes Volk zum Kampf gegen Jahrhunderte alte Feinde aufzurufen: Jung bleiben wie fie; jung in unserm Wollen, jung ui unserm Wagen! Um das zu bleiben, vergeffen wir junge Ä. C. er nie, was unsere Alten Herren nicht nur für uns, sondern auch für die deutsche Judenheit getan haben. Und das wird uns leicht fallen, wenn wir "och häufig teilnehmen können an solchen gewaltigen Veranstaltungen, oie getragen sind von dem Geiste unseres Verbandes, wenn wir sehen, wie soviel Hunderte durchdrungen sind von dem alten, ewig jungen K. C.-Gedanken, vor allem aber wenn wir die Tätigkeit des Mannes bewundern können, der zu den ältesten unseres Verbandes gehört, dessen Interesse aber von dem jüngsten nicht übertroffen wird, ich meine den hervorragenden Organisator des heutigen Festes, unfern Alten Herrn Dr. Max Mainzer. Wenn Männer mit solchem Interesse und solcher Liebe für unsere Arbeit unserm Verbände erstehen, dann wird der K.C. seiner Aufgabe innerhalb der deutschen Judenheit sicherlich gerecht werden können. Ich fordere nunmehr meine jungen Kartell- und Bundesbrüder auf, auf das Wohl der Alten Herren einen donnernden Salamander zu reiben. Den Schluß des Offiziums und die Ueberleitung zur Fidulilat bildete die temperamentvolle Dreizehnminutenrede unseres populären Kartellbruders Dr. Kehr-Kaiserslautern auf die Damen, eine Rede, in der fich Witz und Ernst, die Galanterie eines Frauenlobs und die erprobte Liebe zum Thema wundersam vermählte. Nach einer ditbyramtischen Verherrlichung des studentischen Frauenideals schloß die Rede mit dem Loblied aus die jüdische Frau und die Frau im K. C.: Die Studentenjahre vergehen, die köstliche Zeit entschwindet, ach, so viele Ideale erblassen, ernster wird das Leben und seine Betrachtung, ernster und nüchterner dieBeurteilung des eigenenSeins und seinerBeziehunaen zur Umwelt. Aber gleich bleibt und mutz bleiben der hehre Schimmer, mit dem das schwärmerische Empfinden der Jugend die Gestalt der Frau umgab) sie soll nicht beraubt sein dieses Schimmers, wenn sie zu uns herabsteigt in den Kampfplatz dieses Lebens, nicht mehr allein die Liebende und Geliebte, nein: die Genossin des Lebens, die Freundin in Leid und Freud, die Mitkämpferin in den Kämpfen des Alltags und in den Kämpfen um die hehren Ideale der Menschheit, die Mutter der Kinder, die Erzieherin der Jugend. Und wiederum preisen wir die Frau um der Liebe willen, die aus ihrem Herzen hineinströmt in das Leben des Einzelnen, in das Leben der Familie, in das Leben der Gesamtheit. Und da.wir dies tun, knüpfen sich in unserm Herzen und in unserm Geiste Beziehungen zwischen der Frau und den großen Gedanken, die uns heute hier vereinen und vor uns taucht auf in seiner ganzen Lieblichkeit und Größe das Bild der jüdischen Frau. Was immer Bosheit und Vorurteil an Verleumdungen und Schmähungen uns deutschen Juden zugefügt hat, es hat Halt machen müssen vor dem Tempel der jüdischen Famrlie, vor der Reinheit und Größe der jüdischen Frau. Und wenn auch in unseren Tagen von einer Frau der Versuch gemacht worden ist, in einer Verallgemeinerung menschlicher Schwächen und Fehler zu tasten an diesen unbestreitbaren Besitz der Judenheit, wir glauben an die in der Geschichte bewahrte Güte, Größe, Reinheit unserer Frauen und Mädchen. Wir tun es mit dem Vertrauen, das eine Mutter, eine Schwester uns eingab, mit dem Vertrauen, das Ihr uns gebet, Ihr lieben Kartell- und Bundesschwestern. Ihr stehet außer unseren Reihen, Ihr könnt nicht in studentischer Weise mit uns kämpfen, aber wir wissen, wie Ihr mit uns seid, wie Ihr mit uns und für uns arbeitet) wir wissen, daß auch Ihr in Euch die hehren Gedanken ausgenommen habt, die uns beseelen, wie Ihr für die Gefühle zum Deutschtum und zum Judentum entflammt seid, auf denen unser Verband beruht, wie Ihr ent-

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