KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 6 (1.3.1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Monatsschrift der im Kartell-Convent vereinigtenKorporationen Die Zeitschrift erscheint am 1. jedes Monats. Bezugspreis halbjährlich 2Mk. Einzelnummer 50 Pf. Bestellungen übernimmt der Verlag. Preis der I fach gespaltenen Zeile für Inserate 50 Pf. Bei größeren Aufträgen und Wiederholungen wird eine Ermäßigung bewilligt. Jnseratenannahme durch den Verlag. „Die Verbindungen im K. C. stehen auf dem Boden deuftchvaterländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck den Kampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgemeinschast mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen Bolktzteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzntreten. Zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums, sofern sie der Tendenz von Absatz 1 nicht widerstreben, nehmen die Betbindungen im K. C. keine Stellung." Nr. 6. 1. März 1914. 4. Jahrgang. Nachdruck unserer Aufsätze, mit Ausnahme der durch einen besonderen Vermerk gegen Nachdruck geschützten, unter Quellenangabe gestattet. Re Bedeutung des Kampfes gegen den Antisemitismus. Von vr. Krombach (Thuringiae), Esten. Die jüdische Geschichte der letzten Jahrhunderte hat schwerlich eine Zeit gesehen, in der an äußerer jüdischer Betätigung mehr Leben und Rührigkeit in unseren Reihen geherrscht hat, als in der Gegenwart. Aus dem einen Extrem, das noch vor 30 Jahren vorherrschte, aus dem Extrem der Gleichgültigkeit gegen alle jüdische Interessen, der würdelosen Unempfindlichkeit gegen die Angriffe auf unsere Gemeinschaft, sind wir in kurzer Zeit in das andere Extrem getrieben worden, das den ganzen Mann ausschließlich für die jiidischen Sonderinteresscn in Anspruch nimmt und ihn den jenseits des Judentums liegenden allgemeinen politischen und kulturellen Fragen mehr und mehr entftemdet. Wer heute in unseren Großstädten an der Hand der Tagespreffe und Vereinsprogramme den Wochenplan überblickt, sieht sich einer übergroßen Fiille von jüdischen Veranstaltungen aller Art, Vortragsabenden, Versammlungen, Diskussionsübungen und geselligen Veranstaltungen sowohl der Verbände für die Alten als auch der Vereine für die Jungen gegenüber, bei denen mitzuwirken nur unter Hintansetzung aller sonstigen Interessen möglich ist. Man wird jenen warnenden Stimmen Gehör gewähren müssen, die uns auf die Gefahr der Uebersättigung und der geminderten Empfindlichkeit für die besonders wichtigen Angelegenheiten Hinweisen und uns zugleich zur Erwägung anheimgeben, ob nicht durch unsere Entfremdung gegenüber den allgemeinen politischen, wissenschaftlichen, künstlerischen und sportlichen Bestrebungen ungewollt eine immer größer werdende Kluft zwischen Juden und Nichtjuden aufgeworfen wird, die von den meisten in unseren Reihen sicher nicht angestrebt wird. Doch lassen wir hier diese Frage! Was uns in dieser Entwickelung interessiert, ist folgendes: Man sollte annehmen, daß in einer Zeit, die sich durch ein so außerordentlich rühriges Sonderleben in unserer jüdischen Gemeinschaft auszeichnet, die Frage des solidarischen Schutzes des Judentums gegen seine zahlreichen Feinde am ersten und meisten Gegenstand der Sonderarbeit ist, daß diese Aufgabe für jeden, als die vornehmste Pflicht des einzelnen gegenüber der Gesamtheit erkannt und geleistet wird. Doch wir wissen, daß es leider gerade umgekehrt ist. Die vielen Kräfte, die fiir jüdische Interessen tätig sein wollen und tätig zu sein glauben, werden im Streit gegeneinander und im Kamps für mehr oder minder wichtige innerpolitische Fragen verbraucht. Das an sich unbedingt wichtige Problem, wie man die Zukunft des Judentums vorbereiten und sicherstellen soll, wird an der Hand zahlreicher Rezepte zum Gegenstand erbitterter und verbitternder Kämpfe gemacht. Darüber hat man aber in blinder Parteileidenschaft für das, was die unmittelbare Gegenwart dringend fordert, das Interesse und die Äufmerk-