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KC-Blätter · 1913-10-01 · Heft 1 (1.10.1913) · p. Seite 12

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 1 (1.10.1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Kräfte am Werke, aus der Last, Jude zu sein, wieder eine Lust zu machen, eine jüdische Nenaissance herbeizuführen. Und freudig wird sich der junge Jude, in den Dienst dieser Bewegung stellendenn einem mannhaften, freien, selbstbewußten, kraftvollen Geiste paßt eine feige Verleugnung edelsten Wesens nicht. Und stolz können wir Juden auf unser Judentum sein, und wahr-J hastig, wir wollen es auch sein! Wir verschmähen wie jeden Chauvinismus auch den jüdischenaber als Schmach empfinden wir es, daß wir so lange haben vergessen können, welch' eMe blühende Kraft das Judentum istdaß wir uns verschweigen konnten, was wir der Menschheit geeben, und daß wir eine sittliche Mission erfüllt abendaß wir endlich nicht mit freudigem Stolze einen Juda Makkabi als den unseren angesehen haben, und daß wir lange Zeit jede Erinnerung an das heldenhafte Märtyrertum unserer Vorfahren im Ghetto peinlich vermieden haben. Doch nun ist eine freiere, stolzere Aera jüdischer Geschichte angebrochen. Helft mit,Jungens, für sie zu wirken und zu schaffen! Und Erhaltung jüdischen Wesens ist für uns nicht nur die Forderung unseres Selbstbewußtseins, sondern auch der einfachen logischen Erwägung. Die extremen Nationalisten, die unter Ueberspannung des völkischen Prinzips ihr Volkstum ängstlich vor Befruchtung durch fremde Kulturelemente, mögen diese auch noch so wertvoll sein, bewahren wollen, werden mir wahrscheinlich im folgenden nicht recht geben: ich halte es für verkehrt, sich ganz auf die Kultur eines Volkes festlegen zu wollenwas aus anderen Kulturen Wertvolles übernommen werden kann, das soll man pfiegen und verwerten. Denn ein Volk, mag es geistig und kulturell auch noch so hoch stehen, kann nicht auf allen Gebieten menschlichen Kulturlebens in gleicher Weise fruchtbar seinwill ein Mensch möglichst viele Richtungen kulturellen Strebens beherrschen, muß er notgedrungen auch Teile von fremden Kulturen in sich aufnehmen und zu verwerten suchen. Tatsächlich hat ja auch die deutsche Kultur sehr vieles fremden Kulturen zu danken. Deshalb wäre es eine große Torheit, wollten wir das jüdische in uns verkümmern lassen. Es in uns harmonisch mit der uns vertrauten deutschen Kultur zu verbinden, soll unser Bestreben sein, und niemand wird behaupten, daß eine solche Verbindung irgendwie mit treudeutscher Gesinnung in Könflitt kommen könnte. Arterhaltung! Wesenserhaltung! Aus welchem Lager ertönt dieser Ruf wohl lauter, als aus dem nationaljüdischen? Und doch, haben gerade die Nationaljuden das Recht, diese Forderung als die ihrige zu erheben? Keineswegs. Was ist unser Wesen, das wir erhalten müssen? Ein Produkt aus Deutschtum und Judentum. Der zionistische deutsche Jude übersieht aber geflissentlich, was deutsch ist in seinem Wesen. „Für uns, denen es zur Selbstverständlichkeit geworden ist, alle Tagessragen sub specie judaica zu betrachten", so hieß es vor kurzem in der Zeitschrift des nationaljüdischen Bundes jüdischer Korporationen. Hand aufs Herz, kann man das als Erhaltung unseres ureigensten Wesens.betrachten, wenn man unser Deutschtum, den wahrhaftig nicht wertlosen Teil unseres Wesens, aus unserer Persönlichkeit herausschält und nur den jüdischen Faktor gelten läßt!? Sicherlich nicht. Denn WesenSerhaltung ist das Betonen und Erhalten seines Jchs, nicht die Tendenz, nur eine bestimmte Gruppe seiner persönlichen Anlagen zu erhalten und alles andere verkümmern zu lassen. Wer alles nur sud specie judaica betrachtet, scheint ja allerdings vielleicht als der bessere Jude, da er seine ganze Persönlichkeit nur für das Judentum einzusetzen verspricht. Tatsächlich kann aber dem Judentum eine derartig engherzige Scheuklappenpolitik, die das Judentum ängstlich gegen die Umwelt abschließen will und ihm damit Licht und Lust raubt, nicht helfen. Jedenfalls hemmt und schädigt eine derartige gewollte Einseitigkeit die Entwicklung unserer Persönlichkeit, die nun einmal auf verschiedenen Komponenten beruht. Denn in unser innerstes Wesen ist das Deutschtum hineingewachsen. Das natürliche Gefühl weckt in uns Liebe zum Heimatland, zur deutschen Kultur. Ist doch unsere Erziehung seit Generationen eine deutsche gewesen. Das Deutsche ist daher ein Teil unseres Lebens gewordenwir müßten ein gut Teil unserer Persönlichkeit abstreifen, wollten wir es verleugnen. Darum müssen wir die nationaljüdischen Bestrebungen ablehnen, die uns eines Teiles unseres Wesens berauben wollen. Wir müssen uns gegen sie ebenso wehren wie gegen die antisemitischen, die uns unser Deutschtum absprechen wollen. Ist doch auch die theoretische Grundlage, der geistige Nährboden des Nationaljudentums, identisch mit dem des Antisemitismus: der nationale Chauvinismus und' der Rassenwahn. Am wenigsten darf aber ein Nachgeben gegenüber antisemitischer Lehren oder ein Zurückweichen vor ihren Angriffen uns zur Aufgabe des Deutschtums veranlassen. Nicht darin, daß man im falschen Stolze eine uns liebgewordene Gesellschaft meidet, weil einige Teile derselben uns nicht gerne sehen, zeigt sich das Bekenntnis zu sich selbst, sondern darin, daß man seinem ureignen Wesen treu bleibt und sich nicht an die Gedankengänge des Gegners assimiliert. Und dieses offene unentwegte Bekennen zu seiner Persönlichkeit wird jeder seines Selbsts

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