KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 1 (1.10.1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatsschrift der im Kartell-Convent vereinigten Korporationen K.C?Malter Die Zeitschrift erscheint am 1. jedes Monats. Bezugspreis halbjährlich 2Mk. Einzelnummer 50 Pf. Bestellungen übernimmt der Verlag. Preis der Ifach gespaltenen Zeile für Inserate 50 Pf. Bei größeren Aufträgen und Wiederholungen wird eine Ermäßigung bewilligt. Jnseratenannahme durch den Verlag. „Die Verbindungen inr K. C. stehen auf dem Boden deutschvaterländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck den Kanipf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen Volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten. Zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums, sofern sie der Tendenz von Absatz 1 nicht widerstreben, nehmen die Verbindungen im K.C. keine Stellung." Nr. 1. 1. Oktober 1913, 4. Jahrgang. Nachdruck unserer Aufsätze, mit Ausnahme der durch einen besonderen Vermerk gegen Nachdruck geschützten, unter Quellenangabe gestattet. Antisemitismus und Deutschtum in Oesterreich. Von vr. Friedrich Hertz, Wien. Schon oftmals ist auf den ungeheuren Schaden hingewiesen worden, den der Antisemitismus der Sache des Deutschtums in Oesterreich zugefügt hat, indem er die deutschen Juden, die in den gemischtsprachigen Bezirken zu den Hauptträgern der deutschen Kultur gehören, von der politischen Mitkämpferschast ausschloß und zur Passivität zwang. In Böhmen und Mähren bilden die Juden einen sehr beträchtlichen Teil der sozialen Oberschicht und des Mittelstandes, ja in einzelnen Wahlbezirken Mährens sind sie sogar ausschlagebend. Selbstverständlich hat es zur Folge geabt, daß sich in Mähren eine ganz sonderbare Art von nichtantisemitischen Antisemiten gebildet hat, die zwar theoretisch aus dem Rassenstandunkt stehen, weil dieses Schlagwort einmal en Hauptbestandteil ihrer politischen Bildung ausmacht, die aber andererseits den bei den Wahlen unentbehrlichen Juden hoch und teuer versichern, daß sie sehr geschätzte Mitbürger seien, deren treues Festhalten am Deutschtum die größte Anerkennung verdiene. Die deutsch-radikalen Führer in Mähren, die durch ihr Programm zu strengem Rassenantisemitismus verpflichtet sind, haben bei den letzten' Reichsratswahlen in aller Form solche Erklärungen abgegeben und die Juden in der unwürdigsten Weise umschmeichelt. Tatsächlich haben die Juden überall, oft unter den schwersten persönlichen Opfern, am Deutschem sestgehalten und, obwohl vom politischen Leben ausgeschlossen, doch den sozialen Widerstand gegen die slavische Expansion in häufig ausschlaggebender Weise verstärkt. Diese Haltung war häufig mit den größten materiellen Nachteilen verbunden, da die slavische Majorität an vielen Orten mit dem wirtschaftlichen Boykott antwortete, der insbesondere die jüdischen Kaufleute in den kleineren Orten in die schwierigste Lage brachte. Vielfach hat sich durch diesen Kamps gegen die deutschen Juden auch bei den Slaven ein Antisemitismus entwickelt, der z. B. in der Polnaer Ritualmordhetze sein deutsches Vorbild an Gemeinheit sogar noch überflügelte. Trotzdem scheint es, daß die antisemitische Phrase bei den Tschechen noch nicht jene Alleinherrschaft erlangt hat, wie in der deutschen Politik. Wenigstens spielen die tschechischen Antisemiten nicht jene erste Rolle, wie ihre deutschen Gesinnungsgenossen und einer der hervorragendsten tschechischen Führer, Dr. Stransky, ist sogar Jude, was bei den Deutschen absolut ausgeschlossen wäre. Bei den Polen liegen die Verhältnisse für die Juden sogar noch günstiger. Obwohl auch in Galizien antisemitische Strömungen Einfluß besitzen, hat sich die offizielle Vertretung des Polentums, der Polenklub, hievon ziemlich freigehalten und einige seiner hervorragendsten Mitglieder, wie Dr. von Loewenstein, Dr. Kolischer u. a. sind Juden. Freilich spielen die Juden in Galizien auch durch ihre Zahl bei