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KC-Blätter · 1912-06-01 · Heft 9 (1.6.1912) · p. Seite 180

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 9 (1.6.1912)
Date
1912-06-01
Page
Seite 180 (sequence 16)
Language
German
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180 geladen. Lassalle, der sich an der Debatte beteiligte, gehörte zu den Klägern, und als man nun einem der infolge dieser Verhandlungen relegierten Studenten einen feierliche., Aufzug zu teil werden ließ, half Lassalle aufs eifrigste mit, den Negierungsvertreter zu kränken. Lassalle wurde deswegen zur Untersuchung gezogen und nach einer geschickten Verteidigung nur zu einer 11 tägigen Karzerftrafe verurteilt. Was die innere Entwicklung in dieser Zeit beherrscht, ist die Vertiefung in das Hegel'sche System, und dieses Moment ist für sein ganzes Leben entscheidend geblieben, da die Hegel'sche Philosophie ihn, die geistigen Waffen zu einer Emanzipation der Arbeiterklasse geliefert hat. Wie aller politischer Fortschritt immer von der hinreißenden Macht der Ideen energischen Anstoß empfangen hat, wie die Gedankenwelt Nousseaus aufs Stärkste auf die französische Revolution eingewirkt hat, so hat auch das Hegel'sche System in seiner Fortbildung auf die geistige Grundlage des heutigen radikalen Sozialismus durch die Vermittlung von Marx und Lassalle einen großen Einfluß ausgeübt, wenn auch die heutigen Sozialdemokraten von derHöhe ihrer materiellen Geschichtsauffassung Verwahrung dagegen einlcgen mögen. Lassalle, der von der Staatsidee Hegels überzeugt war. schrieb den, Staate die Funktion zu, die Entwicklung des Menschengeschlechts zur Freiheit zu vollbringen und verhöhnte in seinem Kampfe gegen die Fortschrittler, wie wir später sehen werden, das lai^ser-fLire, laisser-aller und den von der Bourgeoisie aufgestellten Staatszweck, die persönliche Freiheit des Einzelnen zu schützen, als eine Rachtwächteridce. Was das Aeußerliche während seines Berliner Aufenthaltes anbelangt, so zeigte Lassalle bereits seine aristokratischen Steigungen für die Eleganz des äußeren Lebens, spielte den Gentleman, der seine Wüsche und Garderobe aus Paris bezieht, wohnte wie ein Hegel'scher Gedankengott in einen, behaglich arrangierten Olymp, spielte den Faust, der keinen Verjüng,mgStrank braucht, um göttliche Helenas liebensinürdig zu finden, setzte aber dabei seine ph losophischen Studien ,nit Energie und Eifer fort; insbesondere konzentrierte er seine Studien in Berlin auf die Philosophie Heraklit's des Dunklen, da er aus der fragmentarischen Uebe,liefern,,g des Stoffes ein Gebäude errichten wollte, welches an dem Uebcrgang von der jonischen Natnrphilosophie in die Vernunftphilosophie des Anaxagoras historisch die logische Notwendigkeit des Hegel'sche,, Systems erhärten und so einen Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des welthistorischen Gedankens liefern sollte. Im Mai 1815 kehrte Lassalle dann von der Berliner Universität nach Breslau zurück. Wie in sich abgeschlossen der 20 jährige Jüngling damals war, dafür haben wir das Zeugnis eines Mannes, der scharf zu sehen wußte und gerate bei der Charakterisierung einer Person wie ein Kobold hinter jedem seine parodierenden Männchen zu nmchen pflegte. Lassalle machte nämlich in den Jahren 1846 und 47 zwei Reisen nach Paris, um dort seine handschriftlichen Heraktit-Srudien zu vervollständigen; und hier lernte LassaUe Heinrich Deine kennen, welchem er als Beniner einer jüngeren Generation erschien, welche die Romantik bereits mit den Kinde,schuhen abgelegt haue. Wre sehr Lassalle Heinrich Heine imponierte, geht aus dem Empfehlungsschreiben Heines für Lassalle an Barnhagen von Ense von, 8. Februar lslO hervor, welches folgendermaßen lautet: „Mein Freund. Herr Lassalle, der Ihnen diesen Brief bringt, ist ein junger Mann von den ausgezeichnetsten Geistesgaben, mit der gründlichsten Gelehrsamkeit, mit den, weitesten Wissen, mit den, größten Scharfsinn, der nur je vorgekommen, mit der reichsten Begabnis der Darstellung verbindet er eine Energie des Willens und eine Habilitä im Handeln, d,e mich in Erstaunen fetzt, und wenn seine Sympathie für mich nicht erlischt, so erwarte ich von ihm den tätigsten Vorschub. Jedenfalls war diese Vereinigung von Wissen und Können, von Talent und Charakter für mich 'eine freudige Erscheinung, und Sie bei Ihrer Vielseitigkeit in, Anerkennen werden gewiß ihm volle Gerechtigkeit widerfahren lassen. Herr Lassalle ist nun einmal so ein ausgezeichneter Sohn der neuen Zeit, die nichts von jener Entsagung und Bescheidenheit wissen will, womit wir uns mehr oder nünder heuchlerisch in unserer Zeit hindurchgelungert und hindnrchgefasell. Dieses neue Geschlecht will genießen und sich geltend tnachen in, Sichtbaren. Wir, die Alten beugten uns demütig vordem Unsichtbaren, haschten nach Schattenküssen unb blauen Alnmengerüchen. entsagten und flennten und waren vielleicht doch glücklicher als jene Harken Gladiatoren, die so stolz dem Kampfestode entgegengehci,." Auch nach Lassalles Abreise wurde der Briefwechsel zwischen beiden fortgesetzt, und mau erstaunt, wenn mar, in, Briese vom 10. Februar 1840 Heine zu seinen, jungen Freunds Lassalle sagen hört: „Ich habe noch bei Niemanden so viel Passtonen und Verstandesklarheit in, Handeln gefunden. Wohl haben Sie das Recht, frech zu fein, wir anderen usurpieren bloß dies himmlische Privilegium, in, Vergleich mit Ihnen bin ich doch bloß eine bescheidene Fliege." Der Einfluß Lassalles auf Heine ging soweit, daß dieser ihn, zuliebe persönliche Angriffe gegen manche Personen unterdrücken mußte; z. B. verfolgte Heine mit seiner Bosheit Felix Mendelssohn- Bartholdy, bis Lassalle intervenierte, und über den Grund seines Hasses gegen den Komponisten schreibt Heine in einem Briefe an Lassalle vom; 11. Februar 1846:

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