Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
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— 24 — l'action du poeme dans la moindre durec qu'il nous sera possible, afin que sa representation ressemble mieux et soit parfaite. Ne donnons, s'il se peut, ä l'une que les deux heures que l'autre remplit."1) Die französische Tragödie enthält daher keine eigentliche Exposition, welche uns auf die Haupthandlung vorbereitet und die Charaktere schon teilweise kennen lehrt Wir sehen gleich im Anfang die Handlung fast auf dem Höhepunkt. Es fehlt daher einerseits eine folgerechte Entwicklung, andrerseits eine Katastrophe, welche im germanischen Drama derartig aus dem Charakter des Helden folgt, dass wir sie fast voraussehen können.2) Im französischen Drama erfahren wir erst allmählich aus dem Munde der einzelnen Personen, was sie in eine bestimmte Situation gebracht habe. — Dies führt dann zu einem andern Mittel die Handlung zu vereinfachen, einem Mittel, das teilweise auch ein Erfordernis der Einheit des Ortes war. Alle Episoden, welche nicht ganz unmittelbar mit der Haupthandlung zusammenhängen, werden verbannt. Daher jener Mangel an Bewegung, f laher jene langen Eeden und Berichte, welche uns die verschiedenen Handlungen erklären / nd uns auf dem Laufenden erhalten, gleichsam den verbindenden Text geben sollen. Dies ist die Bedeutung der Scntiments fürs französische Theater. Es ist hier zu wiederholen, dass, wenn auch die vorübergehende Periode bereits auf eine Entwicklung des Dramas hindeutete, wie sie unter Corneille und Racine zum Abschlnss kam, die Akademie jedenfalls einen sehr mächtigen Anstoss zur schnellen Festigung der hin und her schwankenden Ansichten gab. Wenn wir uns erinnern, dass Richelieu der Urheber der Sentiments war, so müssen wir seinen unheilvollen Einfluss aufs Drama bedauern. Die Stücke der Cinq Auteurs und die Desmarets' haben nichts genützt, die Sentiments haben geschadet, d. h. wo . er direkt eingriff, fehlte er. Nur in einer Hinsicht wirkte seine Interesse für die dramatische Kunst fördernd. Dadurch dass er die. Dichter begünstigte, den Aufführungen ihrer Stücke beiwohnte und selbst Komödien schrieb, bekundete er, dass die Beschäftigung mit der Poesie nicht schände, wie die Grossen glaubten. Der Geschmack verfeinerte sich, und als die Tragödie edler geworden war, folgte ihr die Komödie bald nach und bemühte sich, die früheren rohen Spässe bei Seite zu lassen und auch der feineren Gesellschaft zu gefallen. Die Schauspieler ihrerseits wollten dem Vertrauen, das man in sie setzte, entsprechen und sich der Gunst des .Kardinals und der Leute von Geschmack würdig zeigen. „Le theätre etait devenue une Institution publique/3) Wie hoch es schon damals geschätzt wurde, sehen wir aus der „Illusion" Corneille's, welcher im Jahre 1636 schrieb:! „A present le theätre Est un poiut si haut que chacun l'idolätre, Et ce que votre temps voyait avec mepris, Est aujourd'hui l'amour de tous les bons esprits, L'entretien de Paris, le souhait des provinces, Le divertissement le plus doux de nos princes, Les delices du peuple et le plaisir des grands; II tient le premier rang parmi leurs passe-temps, J) Corneille, ed. Marty-Laveaux I, 113. *) cf. Lessing's Hamburgische Dramaturgie, Stück 48. 3) Despois a. a. 0. pag. 101.