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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1890-01-01 · 1890 · page 52

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1890
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 52)
Language
German
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IRI
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Fragen war in seinen Augen Chapelain. Dieser hatte die Diskussion über die drei Einheiten eingeleitet1). Er gehörte zu jenen Männern, welche in ihrem Enthusiasmus für die Antike sich nur stets an den Text der Alten hielten, ohne in seinen Sinn einzudringen. Die alten Mirakeln und Mysterien' kannten weder eine Einheit des Ortes noch eine solche der Zeit. Ihre Freiheit war aber eine zu weite; auf demselben Orte vergehen, ohne dass man es merkt, hundert Jahre; beim Durchschreiten des Raumes wird die Zeit gar nicht berücksichtigt. An den gewöhnlichsten Anachronismen, welche auch der Ungebildetste bemerken muss, nimmt man keinen Anstoss, und so kommt es, dass zur gleichen Zeit und auf demselben Orte Handlungen auf der Erde, im Himmel und in der Hölle stattfinden2). — Diese Unordnung und Unregelmässigkeit durfte natürlich nicht länger bestehen. Aber die gelehrten Nachahmer der Antike verfielen in das andere Extrem, und so finden wir statt der früher allzusehr belebten Handlung nunmehr ein Drama, das fast jeder Bewegung entbehrt. — In der Vorrede zur „Silvanire" hatte Mairet die Forderung der drei Einheiten ausgesprochen, aber selbst noch nicht erfüllt; erst in der „Sophonisbe" sind zum ersten Mal diese Regeln durchgeführt. Richelieu lebte in der Epoche, in welcher diese Frage aufs lebhafteste diskutiert und entschieden wurde. Die Akademie sollte das letzte Wort in der Angelegenheit sprechen, in ihren „Sentiments sur la Tragicomedie du Cid," welche einen so unheilvollen Einfluss auf die französische Tragödie hatten. Wir kennen jetzt genau die Geschichte des berühmten Cidstreites und können beurteilen, welche Rolle Richelieu in ihm spielte. Nur über die Gründe, welche ihn bewogen,. so schroff gegen Corneille aufzutreten, gehen die Ansichten weit auseinander. Die einen — wie Guizot — behaupten, dass er Corneille noch zürnte, weil er nicht länger zu den Cinq Auteurs gehören und eine selbständige Rolle spielen wollte Die andern — z. ß. Lotheisen — suchen die Ursache im Inhalt des Cid selbst. „Quand le Cid parut, il en fut aussi alarme que s'il avait vu les Espagnols de van t Paris4*3). Richelieu konnte als grimmiger Feind Spaniens nicht ruhig mitansehen, dass ein spanischer Held wie Rodrigue so erhoben und gefeiert wurde. Sein Unwille wurde noch vermehrt, als die Königin Anna, von Anhänglichkeit für ihr Geburtsland fortgerissen, das Stück begünstigte. Namentlich waren ihm aber die Stellen, die über das Duell handelten, peinlich und zuwider. Die Unsitte des Duellwesens hatte allmählich in Frankreich überhand genommen, und um ihr zu Stenern, hatte Richelieu das Gesetz erlassen, dass jeder, welcher zum Duell herausfordern oder eins annehmen würde, getötet werden sollte. Nun finden wir aber im Cid zwei Duelle, eins zwischen Rodrigue und Gomes, das andere zwischen Rodrigue und Sanche; und das Duell wird nicht nur gerechtfertigt, sondern auch gepriesen, und derjenige für ehrlos erklärt, welcher nicht den Mut besitzt, einen ihm angethanen Schimpf im Blute des Beleidigers zu rächen: „Et ce fer que mon bras ne peut plus soutenir, Je le remets au tien pour venger et punir. *) „Ce tat M. Chapelain, qui tat cause que Ton eommenca a. observer la regle de 24 heures «laus les pieces de theätre." (Segraisiana, nach Histoire de l'Academie II, 130.) *) cf. Ebert a. a. 0. 44. *) Histoire de l'Academie II. 191. 1 3

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