Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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— 13 — stürzen, so musste er die Dramen fertigstellen. Dies die Entstehungsgeschichte der verschiedenen Stücke. Desmarets selbst fühlte durchaus nicht den Beruf zum dramatischen Dichter in sich; er liebte die epische Poesie und arbeitete damals, als er Dramen schreiben sollte, an einem grösseren Gedicht „Clovis, ou ia France Ohretienne", worin er Frankreich und den Cardinal verherrlichen wollte. So wenig Vorliebe hatte er für's Theater, dass er Stücke, die er bereits angefangen hatte, nach dem Tode des Cardinais unvollendet liegen Hess. Wir müssen daher umsomehr seine Geschicklichkeit bewundern, wenn er trotz des Zwanges von aussen wenigstens e i n Drama schrieb, welches nicht ganz zu verwerfen ist. „O'est", urteilt Chapelain1) von ihm, „im des esprits. faeiles de ce temps, et qui, saus grands fonds, fait une plus grande quantite de choses, et leur donne un meilleur jour. Son style de prose est pur, mais sans elevation; en vers il est abaisse et eleve, selon qu'il le desire; et, en Tun et Tautre genre, il est ine-. puisable et rapide dans l'execution; aimant mieux y laisser des.taches et des negligences ([ue de n'avoir pas bientot fait. Son imagination est trop fertile et souvent tient la place du jugement." Im ganzen haben wir von Desmarets folgende Dramen: Aspasie, Comedie 1636; les Visionnaires, Comedie 1637; Erigone, Tragicomedie 1630; Scipion, Tragicomedie 1639; Roxane, Tragicomedie 1639; Mirame, Tragicomedie 1639; Europe, Comedie Heroique 16422), Von diesen mögen liier die Mirame, Europe und Visionnaires eine Besprechung finden, weil Richelieu an ihnen einen nicht geringen Anteil hatte; für die Mirame und Europe hatte er sogar 500 Verse geschrieben. In den Jahren 1641 und 1642 wurden die Stücke im Palais- Cardinal gespielt; besondere Decorationen wurden für sie angefertigt. „Mirame fut representee avec des machines qui faisaient lever le soleil et la lnne, et paraitre la mer, dans' l'eloignement, chargee de vaisscaux" 3). Pellisson4) äussert sich darüber folgendermassen: „II temoigna des tendresses de pere pour cette piece, dont la representation lui coüta deux ou trois cent.mille ecus, et pour laqüelle il fit batir cette grande salle de son palais, qui sert encore aujourd'hui a ces spectacles." Derselbe Autor sagt uns auch,5) ein wie grosses Interesse Richelieu während der Auftührung bekundete. „Tantöt le Cardinal se levait et se tirait a moitie du corps hors de sa löge pour se montrer ä l'assemblee, tantöt il imposait silence pour faire entendre des endroits encore -plus beaux." Können wir uns unter diesen Umständen über den rauschenden Beifall des Publikums wundern! Wir wollen sehen, ob die „Mirame**6) ihn wirklich verdiente. Der Schauplatz der Handlung ist der Garten des königlichen Palastes zu Heraclea in Bithynien, mit der Aussicht auf das Meer. Mirame, die Tochter des Königs von Bithynien, ist Azamor, dem König von Phrygien, bestimmt worden, obgleich sie den tapferen Arimant, den Günstling des Königs von Colchis, liebt. Als dieser in einem Kriege, den er unternimmt, um Mirame mit Gewalt zu erhalten, gefangen wird und seinem Sklaven befiehlt, *) Histoire de l'Academie I, 272. 2) Eine Comödie „le Meutern-", welche Desmarets von Bornemann Franz. Studien IV, l zugeschrieben wird, existiert nicht. Der Irrtum B's rührt wohl von einer missverstandenen Stelle in Michand's Biographie Universelle XXXV 519a her, wo Desmarets' Visionnaires mit Corneille's Menteur verglichen werden. *) Dussienx a. a. 0. pag. 254. 4) Histoire de l'Academie I, 82. 5) ib. II, 190. *) Der vollständige Titel lautet: Ouvertüre du Theatre de la Grande Salle du .falais-Cardinal. ilirame, Tragicomedie. Paris, chez Henri le .Gras, an Troisieme Pilier de la Grande Salle du Palais. 1641. Fol.