Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 26 (2.4.1903)
- Date
- 1903-04-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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44. Jahrgang. M 26. Gsntrat-Hrgan für das orthodoxe Audenthum. . - - . Begründet von Dounerstag, den 5. Nissan 5663 2. 'April 1903. Was die öeuischm Rabbiner von den galizifchen lernen können. ' ' Berlin, 1.April. Eine Versam'mlung galizischer Rabbiner hat kürzlich einen „Mahnruf an diejüdischen Eltern" versandt, der fotzenden Wortlaut hat: „Mit tiefer Vetrübrntz muffen wir Unterzeichnete Rabbiner zufehen, rvie seit einiger Zeit die Vernachlässigung der traditionellen religiösen Vorschriften und Gebräuche innerhalb der Judenschaft Galiziens immer mehr um sich greift, wie die mit der jüdischen Religion verknüpften sittlichen Grundsätze in's Wanken gerathen, und wie selbst der Abfall vom angestammten mosaischen Glauben nicht mehr selten ist. Eine der Hauptursachen dieser traurigen Erscheinungen liegt, unserer Ueberzeugung nach, zweifellos darin, daß bei der Erziehung der jüdischen Jugend, insbesondere in den öffentlichen Schulen, auf das religiöse Gefühl und den religiösen Geist nicht in dem Matze Rücksicht genommen wird, wie es die Sorge um die Ausbildung des sittlichen Charakters und der religiösen Gesinnung bei der Heranwachsenden Generation erfordern sollte. Der mangelhaften Rücksichtnahme auf die Satzungen der jüdischen Religion begegnet man sowohl in den Volks-, Bürger- und Fach- (Handels- und Gewerbe-) Schulen, als auch namentlich in den von der jüdischen 'Jugend so zahlreich besuchten Mittelschulen. In diesen Unterrichts-Anstalten werden die religiösen Vorschriften, welche sich auf die Heilighaltung des Sabbats und de< Feiertage •; beziehen, nicht in genügendem Matze beobachtet Von i der Sorge um die religiöse und sittliche Erziehung der fr jüdischen Jugend bewogen, erachten wir Unterzeichneten Rabbiner es als unsere Pflicht, kraft unseres Amtes . und unserer tiefinnersten, religiösen Ueberzeugung, fo- "Wie auf Grund der Ueberlieferung unserer Vorfahren und der jüdischen Wissenschaft, auf's Feierlichste zu erklären, datz im Sinne des vierten Gebots des Dekalogs der heiligen Schrift, jegliche Arbeit wie: Schreiben, Zeichnen und ähnliche Thötigkeiten, am Sabbat und nach eurer anderen besonderen, die Sabbat-Heiligung aus'dehnenden Satzung der heiligen Schrift, auch, an ' Feiertagen streng verboten ist und als schwere Religions-Uebertretung angesehen wird. Wiees somit Pflicht eines jeden gefetzeskreuen Juden istsich vor die< " ser schweren Religions-Uebertretung zu hüten, so sollte . die Erziehung der jüdischen Jugend, darauf Bedacht nehmen, datz die Kinder vor der Entweihung des Sabbats und der Feiertage bewahrt und nicht in die Lage kommen, wichtige Glaubenssatzungen zu verletzen. Wenn die Erziehung auf die religiösen Satzungen des mosaischen Glaubens Rücksicht nimmt, kann sie dazu betragen, den Eingangs erwähnten traurigen Erscheinungen zu steuern, welche nicht ohne nachhaltigen Cinflutz auf das sittliche Leben der jüdischen Bürger des Staates bleiben". . Man braucht statt Galizien, nur „Deutschland" in diesem Mahnruf zu setzen, um sich zu sagen, daß eine solche Anregung bei uns mindestens ebenso am . Platze wäre, als im fernen galizischen Osten. Daß unsere Raböinen bis jetzt einen solchen Mahnruf nicht erlassen haben, ist es aber nicht, was zu einem Vergleich zwischen den Rabbinen beider Länder in erster Reihe . auffordert. Es ist ein anderes Moment, das mir zu-' nächst die Feder in die Hand drückt. - Ein hiesiges jüdisches Blatt hat diesen Aufruf veröffentlicht, und ihn mit folgenden Worten ein^ geleitet:; ,• ' ‘ l/- \ •..' „Krakau, 14. März. Kürzlich hat unter dem Vorsitze des Herrn Ober-RaMners Jsaac