Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 11 (November 1859)
- Date
- 1859-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Juden in Amerika. 3S1 Nach diesen nothwendigen Vorbemerkungen wollen wir die schwere Anklage, welche jener Correspondent erhebt, im Interesse der Wahrheit und Gerechtigkeit, einer kurzen, ganz unparteiischen Kritik unterwerfen. Der Einsender jenes Schreibens kennt, wie uns dünkt, die Juden in Deutschland eben so wenig, als die Juden in Amerika, und dies ist um so mehr zu bedauern, als seine Ergießungen in einem sehr geachteten und vielgelesenen Or- ^ane^der deutschen Presse einen Platz fanden. Daß die Juden in Deutschland, trotz des Druckes, unter welchem sie in dem gerühmten Lande der Reformation und Philosophie leben, für Wissenschaft, Literatur und Kunst, für Handel und Industrie, wie für alle erhebenden Zielpunkte des Strebens, viel gewirkt haben und noch wirken, ist eine ziemlich bekannte Thatsache. Sie haben auch dort ihre Genialitäten, die, um nicht weit in die Vergangenheit zurückzugehen, theils wie Börne für die Verbesserung der politischen Gesinnung der christlichen Germanen aufopfernd wirkten, theils wie Heine zur Verkürzung ihrer Zöpfe beitrugen, oder wie die unsterbliche Rahel ihre christlichen Zeitgenossen mächtig anzogen, oder wie Meyerbeer und Mendelssohn-Bartholdy als große Meister im Reich der Töne gefeiert werden. Wollte man die ächten Genialitäten unter den Juden in Deutschland aufzählen, so würde jedenfalls ihre Zahl im Verhältnis zur dortigen jüdischen Bevölkerung größer erscheinen, als die der christlichen und christlichsten, deren Stärke man nach der numerischen Größe der germanischen Christenheit berechnen würde. Bei Aufzählung der wirklichen oder vermeintlichen Unw--- genden, Fehler und Thorheiten der Deutschen in Amerika, hat übrigens jener Correspondent einen Makel vergessen, welcher leider dem Deutschen, trotz seiner gerühmten hohen Bildung, trotz seiner meerestiefen Philosophie, treu wie sein Schatten unter alle Himmelsstriche folgt, und dieser Makel heißt — Intoleranz gegen Juden. Freilich kann sich dieser Makel in Amerika, wo vollkom-