Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 12 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 86 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Dr. Walter Breslauer-Berlin: Aebcr die neuesten Wandlungen im Zionismus den - Jedenfalls «wird von deutscher zionisüscher Seite^) konstatiert, die Amerikaner stünden: y&em Gesamtgebiet dessen, was wir nationale Arbeit!in der Diaspora nennen, kühl gegenüber." Demgemäß chat die amerikanische Delegation igeschlossen erklärt, daß sie der Verwendung zionistischer Gelder für irgendwelche andere Zwecke ials rein administrative und Palästinensische Unbedingt widerspricht, hat sich Bei Der Abstimmung über die Anträge der Kommission für 'Kulturarbeit in der Diaspora der Stimme enthalten und damit die Verantwortung für diese „Kulturarbeit" ab^elehnt. Sie hat zwar zugleich eine prinzipielle Gegnerschaft gegen die Golusarbeit bestritten, aber dieses-Bestreiten ist offenbar nur als kööflichkeitsverbeugung gegenüber der annoch herrschenden Lehre Zu werten. Sicherlich spielt bei der Ablehnung der „Kulturarbeit" in praxi eine abweichende grundsätzliche Auffassung des Zionismus init.') Line bezeichnende 'Folge der amerikanischen Anschauung ist der Plan ihres Führers, des Zudge Brandeis, — der auf der Zabreskon ferenz zum Ehrenpräsidenten der zionistischen Organisation gewählt ist — die Leitung der Organisation, die aus einigen wenigen Personen bestehen solle, zur Kooptierung anderer, grämlich prominenter n i ch tzi o n i st i s ch e r Personen zu ermächtigen. Daß eine zum großen Teil, womöglich mehrheitlich nichtzionisüsche Leitung diejenige innerjüdische Politik, die bisher getrieben worden ist und den Außenstehenden als das Tharakteristikum des Zionismus erschienen ist, nicht fortsetzen könnte und würde, liegt auf der ksand. Setzt diese von Brandeis und den andern Amerikanern vertretene Politik sich durch, dann sind die weitesten Perspektiven für eine Verständigung nn Judentum eröffnet. Zn nicht- und antizionistischen Kreisen sind die eigentlichen Palästinapläne stets dasjenige am Zionismus gewesen, was am wenigsten den widerstand entfacht hat. Fast allgemein wird der Erkenntnis Kaum gegeben, daß noch hunderttausende von Zuden in den politisch und sozial heikelsten Verhältnissen leben und daß für sie ein Weg ins Freie gefunden werden müsse. Ob dieser Weg gerade nach Palästina führen und ob die dort wohnenden oder dort- M Vgl. hierzu Lichtheims Artikel in Ar. f>7der Iüd. Rundschau. hin auswandernden Juden sich i\\ staatsähnlichen Formen zusammenschließen sollen, sind wesentlich praktische Fragen. Wan kann sich voir den palästinensischen Bestrebungen fernhalten, ihnen zweifelnd und verneinend gegenüberflehen und braucht um deswillen noch keilt Antiziomft zu sein. lieber eines muffen wir mrs aber klar sein, darüber nämlich, daß eine derartige Verständigung mit dem deutschen Zionismus, wie er heute ist, keinesfalls möglich ist? Das lehrte der deutsche Delegiertentag. Wohl gab es auch dort eine kleiite Gruppe gemäßigter Elemente mtd dein vernehmen ttach wollen sich diese jetzt zu . einer Partei zusammenschließen, vorläufig aber sind die radikalen "Rationalisten unbedingt herrschend, Als Ergebnis des Deleaiertentages wird in der jüdischen Rundschau konstatiert: „Der deutsche Zionismus sieht in der radikalen Auffassung des nationalen Gedattkens die Grundlage für alle Zweige zionistischer Tätigkeit." Mit den nationalistischen „Zungen" ging auf dem Delegiertentag die national-sozialistische Gruppe „Hapoel-Hazair", die eine ziemliche Rolle zu spielen beginnt. An waschechtem Rationalismus stehen diese angeblichen Sozialisten (die von der sogar zur dritten Znternationale neigenden Partei poale Zion wohl zu scheiden sind) hinter den anderen Radikalen kaum zurück^ ist doch einer ihrer Führer der genügend bekannte Parteisekretär der zionistischen Vereinigung, Herr (jetzt „Thawer") Kurt Blnmenfeld. Bei der Wahl des Vorsitzenden wurde Alfred Klee von den „Zungen" überstimmt und muß den Platz des Vorsitzenden nun mit deren Vertrauensmann Rosenblüth teilen-. Mit welcher Stimmung man aber iin hiesigen Zionismus nach Amerika blickt, zeigt Klatzkins, des bekannten intransigenten Verfechters' der nationalistischen' Theorie, Bemerkung: „welch überraschenden Einfluß hat bei all unseren Entschließungen die Rücksichtnahme auf Amerika gewonnen, von dem ntait die Millionen erwartet. Bedenkt man nicht, daß der ganze Saufen der neuzionistischen Mitläufer im Augenblick zerstoben sein wird, wo ein ernster Rückschlag die Bewegung trifft? Zm Osten müssen wir Zusehen, wie Tag für Tag die beste Zugend aus unserem Lager hinweggeht. Und in Amerika machen sich Balbattim einer neuen Krt breit und gewinnen bedenklichen