Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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14 Die Religion bedürfen, worauf unsere Religion sicher ruht; wir wissen, daß wir den durch Jahrtausende geheiligten Boden der geschichtlichen Offenbarungsreligion nicht verlassen dürfen, um ein neues, unhaltbares Gebäude in die Luft zu bauen; wir wissen, daß wir auch der religiösen Formen und Sinnbilder bedürfen, um unser religiöses Bewußtsein zu nähren und zu kräftigen. Allein wir wollen, daß die Religion mit all ihrem Zubehör eben unserem jetzigen, religiösen Bewußtsein entspreche, mit den Anforderungen einer ausgeklärten Zeit Hand in Hand gehe, damit sie fähig sei, auch uns, auch die Herzen unserer Frauen und Kinder zu erwärmen, zu stärken, damit wir in die Anmuth und Würde eines schönen Menschenlebens unser heiligstes Streben , das höchste Ziel der Frömmigkeit setzen. Darum: Religion im Bunde mit der Vernunft — das sei unser Losungswort, d a s schreibet auf die Fahne, welche wir vor Israel, welche wir vor der Menschheit hertragen wollen. Das ist die Aufgabe, die große, nicht genug zu beherzigende, des neueren Judenthums, daß wir auf gegebener, unerschütterlicher Grundlage die Lehre des einzigen Gottes, in ihrer Vernünftigst und menschenverbrüdernden Nothwendigkeit, umgeben von geläuterten Formen, sicher zu stellen suchen, damit der Menschheit ein reines und einigendes Bekenntniß zur Anschauung und zum Bewußtsein gebracht werde. Wir werden da mit der Starrgläubigkeit, mit der Formanbeterei, mit der Unvernunft und mit dem eifervollen Hasse einen schweren Kampf zu kämpfen haben — aber der Kampf ist für Gott, für die Sache des Lichtes und der Wahrheit, wir werden siegen! Darum schaaret euch um den Jakobsbrunnen der reinen und vernünftigen Gotteslehre, aus, welcher einst alle Völkerheerden ihren Durst nach Gott löschen werden! Lagert euch im kühlenden Schatten der immer noch frischen Bäume, welche einst die Urväter um den göttlichen Brunnen gesetzt haben! Sehet da, wie ans vier Röhren der Segen, die Kraft, die Anmuth und die Ehre des Menschengeschlechts strömen! Sehet, wie die Ströme, Einer Quelle entspringend, nach den vier Weltgegenden sich belebend ausbreiten, bis sie einst die ganze Erde wieder zu einem Paradiese,