Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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im Bunde mit der Vernunft. 13 beehrt werden soll, so prüfet zuerst, erprobet ihn auf vier Seiten, ob keine Scharte an ihm sei, bevor ihr ihn einen Frommen nennet. Fraget: ist sein Herz durchglüht von reiner Begeisterung für alles Gute, von inniger Liebe gegen alle Menschen? — Dann ist er ein Frommer! Erfüllt ihn aber seine Religion nch Vorurtheilen und mit glühendem Haß gegen Alle, die nicht seine Ansicht theilen — dann ist er kein Frommer! — Ist er ein sittlich reiner Mensch? ist sein Gott ihm ein Schild gegen die Verlockungen der Sinnlichkeit? — Dann ist er ein Frommer! Schleicht er aber insgeheim der Sünde nach, ist er ein Schwächling voll menschlicher Schwächen —dann ist er kein Frommer!'— Macht ihn sein Glaube heiter unter Heiteren und traurig unter Traurigen? hat er seine Lust am Schönen, Wahren und Guten, so daß davon sein Antlitz leuchtet? — Dann ist er ein Frommer! Blickt er aber scheelsüchtig drein, sich und Anderen die Freuden des Daseins mißgönnend, so daß ohne Anmuth und Schönheit sein Leben sich gestaltet — dann ist er kein Frommer! — Bekleidet die Religion seine Person mit Würde? erwirbt seine Handlungsweise ihm die Hochachtung und Verehrung Aller? — dann ist er ein Frommer! Ist er aber nur wegen der Kenntniß der religiösen Urkunden und wegen der Uebung der religiösen Gebräuche geehrt bei einem Theile der Menschen, während sein sonstiges Thun für den Maßstab einer allgemeinen Hochachtung nicht ausreicht — dann ist er kein Frommer, denn er ist kein ganzer Mensch! — So beherziget denn, was euch obliegt, wohin ihr als denkende Israeliten zu wirken habet, daß der Name „Frommsein" nicht mehr zu einer Parteibezeichnung diene, sondern daß er in seinen Ehrenplatz wieder eingesetzt werde, um das Höchste zu bezeichnen, was wir Alle anstreben sollen, nämlich „ein ganzer Mensch zu sein", von allen vier Seiten ein Mensch! Darin wird die Religion euch unterstützen, die Religion, geläutert durch die Vernunft — denn nur diese verschafft vierfach das Heil, das wir geschildert. — Darum: nicht die Religion der Vernunft lehren wir, die in einigen kahlen und kalten Sätzen das Religiöse umschreibt, aber nicht erfaßt; wir wissen, daß wir der biblischen Grundlage