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Der junge Jude · 1930-11-01 · Heft 6 (November 1930) · page 20

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 6 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Freundschaft von Lenin zu T. „Das Wort Genie in Bezug auf Lenin wurde zum ersten Mal vom mir angewandt, als die andern noch nicht wagten, es ausz!US(pireöhen,, (S. 444). „Andrerseits" — rühmt sich T. — „rief Lenin während der heißen Debatten aus: „es gibt keinen ibesseren Bolschewiken aLs T7\ „Es genügt" — rühmt sich T. weiter — „diese zwei Dokumente gegefciüberauhalten: die mir von Lenin ausgestellte unbeschränkte moralische Vollmacht und den von ihm für Stalin ausgestellten Wolfspaß, um das Bild von Lenins Beziehung :au mir und zu Stalin zu bekommen." (S. 453.) Das ist es ja eben. T. betont durch das ganze Buch hindurch so auf dringlich diese Freundschaft zu Lenin und von Lenin aus Gründen der politischen Taktik: um dadurch Stalin zu schlagen. Uebrigens ist man geneigt zu meinen, i^ß fliege hypertrophierte Anbetung eines Menschen bei T. nur die Rückseite seiner mehr natürlichen Menschen Verachtung bildet, T. versteht es, oftmals über Ethi/k zu sprechen. Er lobt in Zeretelli, daß er ein Redner mit „bestechendem ethischen Unterton" war. Er spricht von Lenin als von einem „Manne von großer sittli eher Leidenschaft". Er unterstreicht in Stalin seine moralische Gelbheit. Er entrüstet sich fortwährend über die Geschichtsfälschung der Stalinisten, die seine Rolle in der Revolution mißdeuten, über die Verleumdungseiner Person. Er erklärt, daß „man an die (politischen Sitten einer revolutionären Diktatur ganz andere Ansprüche stellen muß als an die Sitten des Parlamentarismus". (S. 434.) — Alles gut, wenn nur nicht die Ethik bei T. selbst nur ein biegsames Instrument seiner Politik wäre. Denn er hat jahrelang in der Diktatur mit Geschichsfälschung und Verleumdung gearbeitet. Wir haben schon oben die Verleumdung der Kronstädter Kämpfer erwähnt. Ebenso hat er z. B. die Partei der Linken Sozial-Revolutionäre, deren Ergebenheit für die Revolution er genau kannte, verleumdet und verfolgt. Er fälscht und verschweigt ihre Arbeit auch in dies*em Buche. Geschichtsfälschung in Theorie und Praxis gehörte schon immer zum Beruf der Diktatoren und T. hat sie in großem Umfange vorgenommen. Auf allen diesen Grundsteinen war das bolschewistische, das trotzkistische Gebäude aufgebaut. Dieses Gebäude mußte zu einem volksfeindlichen Apparat erstarren. Jeder ernste Kampf in diesem Staatsgebäude, auch wenn die verschiedenen Lager dabei Ideen vertraten, mußte in einem CMquensumpfe ertrinken. Nicht die „soziale Entwicklung" und nicht geheimnisvolle „Prozesse" im Lande führten zu dieser Reaktion, sondern die Entartung der Diktatur war es, die die revolutionäre soziale Entwicklung der Massen beeinflußte, hemmte, verfälschte. Jawohl: Diktatur! — schrieb über die Bolschewiki Rosa Luxemburg — aber diese Diktatur muß das Werk der Klasse und nicht einer kleinen, führenden Minderheit im Namen der Klasse sein, d. h. sie muß auf Schritt und Tritt aus der aktiven Teilnahme der Massen hervorgehen, unter ihrer unmittelbaren Beeinflussung stehen"1). Hat man dieses Gesetz der sozialistischen Revolution einmal verletzt, dann mußten unter der Wucht der Reaktion nicht nur die Werktätigen, sondern auch seine Begründer fallen. Stalin erwies sich als stärker und T. mußte fallen. So enthüllt sich auch der letzte Sinn des Buches von T. T. ist vom Trotzkismus niedergerungen worden. Der „proletarische'1 Uebermensch wurde von seinem eigenen Werke verraten. Diese Erkenntnis ist ihm selbst aber in dem Buche nicht aufgekommen. Er gehört zu jener historischen Art von Emigranten, „die nichts vergessen und nichts gelernt haben". In diesem Sinne ist sein Buch ehrlich: es entspricht seiner aristokratisch-terroristischen, also antisozialistischeai, Mentalität vollständig. Aber — und das muß betont werden — es ist nur der Trotzkismus geschlagen, nicht die Oktoberrevolution. Die bolschewistische Phase, die sie erlebt, ist nicht mehr, als eine Phase, Die Werktätigen Rußlands haben zwei historische Erfahrungen durchgemacht, die sie teuer bezahlt haben. Eine bürgerlich-demokratische und eine proletarisch-bolschewistische. 3) „Die russische Revolution". 194

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