Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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f assung der Vorgänge außer uns dar, indem es abweicht von der Skala der dem täglichen Leben geläufigen Werte. Es verringert die Lebenstüchtigkeit, die Leistung. Man erhofft von den Verfassern nicht die läppische Antwort, die nur ein Ausweichen bedeutete, daß die Formen des Erkennens sich änderten je nach den Objekten, denen sie sich zuwendeten; d. h. daß es möglich wäre, den dem Verlauf des gewohnten Alltags zugehörigen Dingen in alter rationaler Erkenntnis weise entgegenzutreten, während all das, was mit dem Gegenstand des Eros verknüpft sei, als den Erzeuger universeller kosmischer Empfindungen, wie z. B. Wald, Wasser, Himmel etc., während all dies also dem erotischen Weltbilde einbezogen würde. Was zweiffeilos auch der Erfahrung widerspräche! Wir gestehen, daß dieser Einwand nicht den Kern der DiDge trifft, sondern den Wert über die Erkenntnis setzt, indem er von vornherein sich dagegen wahrt, den erotischen Menschen, oder sagen wir lieber den liebenden als den leb ens untüchtigeren darstellen zu lassen. Für die Pädagogik ist dies von besonderer Bedeutung, wenn wir, mit dem Verfasser übereinstimmend, eine erotische Bindung nicht nur auf eine sexuelle zurückbeziehen. Es gibt noch viele Formen der erotischen Bindungen, wie die zu Volk, Sprache, Heimat etc., die in der Erziehung der Jugendbewegung einen breiten Platz einnehmen. Es wäre wünschenswert, daß die Verfasser diese brennendste Frage, sozusagen die praktische Seite ihrer theoretischen Ausführungen, noch darlegten. M. R Ernst Johannsen: „Westfront 1918". Der Fackelreiter-Verlag, Hamburg-Bergedorf. Gebunden 2,80 EM. Bedächtig wie eine Leichenrede will man über dies Buch ein paar Zeilen zu Papier bringen. Doch es gelingt nicht. Man schweigt. Man ist stumm. Nicht erschüttert: nein, stumm. Auch nicht aufgewühlt, gereizt, der Stachel ist stumpf. Keine Leidenschaft, die zum Schluss aufschreien macht. Es ist alles sinnlos, was da geschrieben, aber es ist wahr uDd doch sinnlos. Man bedauert, daß dies Buch mit vielen andern dieser Art zugleich erschienen ist, (die meist sogar in künstlerischerSzenenschilderungihm voraus sind, doch der Schicksalszeichnung des Schlusses ermangeln) und nimmt gern zur Kenntnis, daß der Verfasser von seinen glücklichen Konkurrenten, die vor ihm einen Verleger gefunden, nichts gewußt. Doch das ändert nichts an der traurigen Tatsache, daß es durch einen sinnlosen Literaturbetrieb konsumiert werden und im Schatten des bestseller verborgen bleiben wird. Nicht daß es schade wäre um den Dichter, der sich auf diese Weise nicht durchsetzen wird, sondern schade, daß ehrliche Bücher einem seelischen Bedürfnis Rechnung tragen müssen, das durch den allzuoft gespürten Schmerz, durch diese allzurege Befriedigimg bald dahin gekommen sein wird, das Furchtbare, das Vernichtende zu mißachten, und gering zu schätzen. „Das kennen wir schon," dieser Satz ist der Beginn der Gleichgültigkeit, und Gleichgültigkeit gibt es in diesem Punkt nicht, darf es nicht geben. Der Indifferentismus ist der größte Feind. Diy Ueberproduktion dieser West-, Ost-, Süd- und Nordfrontbücher sind Anlaß und Ursache. M. R. Abitur Obersekunda Vormittag-, Äbendkurse, auch Mädch. u Erwachsene Di r. Danziger, Berlin, Älte Jakobstr. 124, Dönh. 5115. 94