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Der junge Jude · 1928-11-01 · Heft 6 (November 1928) · p. Seite 201

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 201 (sequence 27)
Language
German
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UMSCHAU Der Weltjugendfriedenskongreß in Erde Am 17. und 18. August trafen sich etwa 450 Delegierte aus 31 verschiedenen Ländern in Erde in Holland. Außer starken Abordnungen der größeren europäischen Nationen vor allem Japaner, Neger aus West-, Südafrika und Amerika, Chinesen, Indonesen, Mexikaner, Inder, Nordamerikaner — kurz, Delegierte fast aller Nationen, mit Ausnahme deir Südamerikaner und der Russen. Das Fehlen der russischen Delegation, in der Hauptsache Führer sowjetrussischer Jugendverbände, daneben einige Tolstojaner — war die Tatsache, die Einleitung und Anfang des Kongresses beherrschte. Daß die Tagung nicht friedlich sein würde, war zu erwarten bei der Verschiedenheit der einzelnen Anschauungen. Die erste Vollversammlung war stürmisch. Die Tatsachen: Die deutsche und die holländische Regierung hatten den sowjetrussischen Delegierten die Einreise verweigert. Die russische Regierung hatte die Abgeordneten der Tolstojaner-Gruppen an der Ausreise verhindert. An diese Tatsachen schlössen sich Vermutungen. Die anwesenden, der deutschen Delegation angehörigen Kommunisten beschuldigten die englischen und holländischen Führer, gegen die sowjetrussischen Kameraden gearbeitet zu haben; eine Sphäre des Mißtrauens und der Fremdheit war geschaffen. Der Umstand, daß deutsche Vertreter rechtsgerichteter Gruppen sich zurückzogen — an und für sich nicht sonderlich wichtig -~, trug zur Verwicklung bei. Während der ganzen Tagung ist dann darum gekämpft worden, diese Stimmung des Mißtrauens, die durch allerlei Vorkommnisse wieder geweckt wurde, zum Verschwinden zu bringen. Durch das Kampfsystem der Kommunisten aber haben sie — und das ist ihr großes Verdienst auf dem Kongreß — e? erreicht, daß Klarheit geschaffen wurde. Es bildeten sich schon in der ersten Gesamtsitzung zwei Gruppen. Die Arbeit des Kongresses spielte sich dann in den einzelnen Kommissionen ab, die für Politik, Wirtschaft, Erziehung, Religion, Minderheiten- und Rassenproblem eingesetzt wurden. Diese Kommissionen arbeiteten in etwa 6 bis 8 Sitzungen drei Tage; dann legten sie das Ergebnis ihrer Arbeit dem Kongreß zur Kenntnisnahme und Abstimmung vor. Dabei zeigte sich noch deutlicher die Gruppierung. Revolutionäre und reformistische Gruppen standen sich gegenüber. Die reformistische Gruppe, vorwiegend Amerikaner, Engländer, Holländer, lehnte die Gewalt als Weg zum Frieden ab. Sie sah den Völkerbund meist als Möglichkeit an, zum Ziel zu gelangen, wenn sie auch mit seiner gegenwärtigen Gestalt nicht zufrieden war, Sie glaubte, durch Erziehung und Religion auf andere in friedenskämpferischem Sinne einwirken zu können. Ich zitiere einige Stellen aus dem Bericht der sozial-wirtschaftlichen Kommission, die diese Stellung klar erkennen lassen: „Ein wahrhaft demokratischer Völkerbund, der den gegenwärtigen Bund imperialistischer Staaten zu ersetzen hätte, würde nach der Meinung eines Teiles der Kommission (eben des reformistischen — W. S.) ein geeignetes Mittel zur Aufrechterhaltung dauernder gesunder Beziehungen unter den Mitgliedern der Familie der Nationen darstellen." „Gewalt kann keineswegs durch Gewalt aus der Welt geschafft werden. Die Jugend der Welt soll den Geist gewaltloser „Noncooperation", Bruderschaft, und Liebe pflegen. Die Macht der Liebe muß zuletzt obsiegen, und dann erst wird ein wahrhafter Friede gesichert sein!" Die revolutionäre, vorwiegend kommunistische Gruppe, vertrat den Standpunkt, daß man durch Sentimentalitäten, wie „Getei der Liebe"» 201

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