Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 133 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1. Die Abhaltung eines Skoutlagers von 15—20 Gruppen unter der Leitung von Kriebsch, Skulo und einem Schomer, als Teilaufgabe im Plane der aktiven Führerschaft und als Baustein in der Schaffung des Erziehungssystems; 2. die Abhaltung eines „Hdbräischlagers" zusammen mit dem Hasomer in der Slowakei für die Aelternschaft; 3. die Durchführung von In- und Auslandswanderungen der Mittlernschaftsgruppen, mit der Absicht, ein Treffen dieser Wandergruppen in Holland bei der Olympiade zu veranstalten; 4. der 1. Mai ist dem Kapay gewidmet. Jeder Chawer ist verpflichtet, den Betrag eines Verbrauchstages an den Kapay abzuführen; 5. alle Chawerim haben sich an der Lag-Beomer-Aktion des K.K.L. zu beteiligen, evtl. sie selbst zu veranstalten; 6. jeder Chawer über 16 Jahre hat die Pflicht, durch Schekelkauf seine Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation zu bekunden. UMSCHAU HERMANN UNGAR: „DIE KLASSE" (Ernst Rowohlt Verlag, Berlin) Für dieses Buch rührt man nicht die Reklametrommel, weil es gegen den Tag steht; daher ist Ungars Roman nur ganz wenigen bekannt. Und gerade uns kann Ungar vielleicht manches sagen. Er, selbst Zionist, schildert nicht Juden, nicht Christen, er schlidert den rastlos im Weltenraum umherirrenden Menschen, der ohne Achtung vor sich selbst, die Wertschätzung der anderen sich nicht erringen kann. Hier leuchtet ein Glimmen der erlöschenden Galuthseele hervor. Nicht das Mittelalter des verfolgten Juden, den man je und je mit Schmutz bewarf, der ihn aber mit geringschätziger Gebärde von sich streifte, sondern die seelische Verfassung des Assimilanten, der den Glauben an seinen eigenen Wert verloren und sich mit der Umwelt nicht mehr zu messen wagt und verdienten Hohn empfängt, der ihn noch tiefer demütigt. Solcher Mensch, der hier jenseits von ideologischer Gebundenheit lebt, richtet sich auf und findet seinen Platz in der Welt. Der Geist des Volkes wird von der Galuth befreit. Wollte man mit einem Schlagwort die Kompliziertheit der seelischen Verwirrung bezeichnen, so könnte man von den Minderwertigkeitsgefühlen des Lehrers Josef Blau sprechen. Dies summarische Urteil sagt aber nichts von der Angst, mit der er seiner Klasse gegenübersteht, nichts von den sinnlosen Maßnahmen, die ihm seine Unterlegenheit diktiert, um das Machtbewußtsein der Schüler zu ersticken, nichts von den Fallen, die er ihnen in die Lateinsätze baut, nichts von seinem Schauder vor den aufreizenden nackten Waden der Jungen, nichts von dem eisigen Gruseln, seine Kleider fortwerfen zu müssen und seinen ungelenken, zerfalteten, behaarten Körper mit der blutdurchströmten Haut der Jungen vergleichen lassen zu müssen, an deren festen Formen die Sonnenstrahlen sich brechen und ihnen leuchtenden Glanz verleihen. — Selma, seine Frau. Stete Eifersucht auf sie durchtreibt ihn. Erst noch ohne Grund, nur diktiert von der Möglichkeit eines bloßen Gedankens, dann von seinen kranken Nerven und Hirngespinsten getrieben, und schließlich überzeugt durch einen Bubenstreich seiner Schüler, die seine wundesten Stellen zu Zielpunkten ihrer 133