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Der junge Jude · 1928-05-01 · Heft 4 (Mai 1928) · p. Seite 105

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 105 (sequence 5)
Language
German
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DER JUNGE JUDE MAI 1928 1. Jahrg. Nr. 4 MAR 5688 D. BIN GORION: - IM UBERGANG (Aus einem Referat in der Moazah der Sozialistischen Jugend zu Jerusalem) Wir stehen zur Zeit nicht in einer schwierigen Front — dort standen wir immer und werden noch viele Jahre stehen —, sondern befinden uns in der Belagerung. Die Arbeiterbewegung in Erez Israel und mit ihr die ganze ihr verbundene Bewegung in der Galuth ist im Belagerungszustand. Von allen Seiten belagert man uns. Wir sind ringsum von feindlichen Mächten umgeben: sowohl der Koloniearbeiter, wie der städtische, wie der in Eigenwirtschaft lebenden Arbeiter befinden sich im Belagerungszustand. In der Stadt sind wir von der Arbeitslosigkeit umzingelt, in der Kolonie kommt zur Arbeitslosigkeit noch die Feindschaft des jüdischen Plantagenbesitzers hinzu, und selbst in der Eigenwirtschaft, wo es scheint, als ob wir die Herren unseres Schicksals wären, auch dort befinden wir uns in der Belagerung. Gerade in dem Jahre, in dem sich die ersten Erfolge unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten gezeigt hatten, erfolgte von seiten des zionistischen Baal-Bait, des Beherrschers der gegenwärtigen Situation, ein großer Angriff auf die Eigenwirtschaft des Arbeiters. Aber nicht nur wir, die Arbeiterbewegung und ihr Werk, sind zur Zeit in der Belagerung begriffen, sondern die ganze zionistische Bewegung. Der deutlichste Ausdruck dafür ist die Schließung der Tore des Landes. Wir haben uns damit bereits so sehr abgefunden, daß wir es nicht mehr fühlen. Unser Herz krampft sich nicht mehr zusammen bei dem Gedanken, daß die Tore Erez-Israels nur für die Auswanderung geöffnet, für die Einwanderung jedoch geschlossen sind, daß jede neue Kolonisationsarbeit aufgehört hat, daß der zionistische Glaube immer geringer wird, daß jene, die sich die Führer der zionistischen Bewegung zu sein brüsteten, Mißtrauen und Liquidationsstimmung in den Reihen der zionistischen Bewegung säen. Auch unsere Chaluzbewegung in der Galuth ist belagert, und trotz stürmischen Verlangens nach Alijah ist der Weg ins Land für sie versperrt. Ist das ein Zufall, eine vorübergehende Erscheinung? Kann man der Lage Herr werden und wie? Das sind die Fragen, die vor uns stehen. Wenn wir darauf eine Antwort finden wollen, müssen wir einen Rückblick auf die Entwicklung der Bewegung in den letzten Jahren werfen. Die ersten Jahre nach dem Krieg waren Jahre des großen chaluzischen Wagnisses, der großen chaluzischen Eroberung im Emek und im Bauwesen. 105

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