Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 96 (5.12.1904)
- Date
- 1904-12-05
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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2087 Die Verbat)dS'Pet)fiot)$'Haffe« Line geschichtliche ökizze von Aö. Deritz—Königsberg i. Pr. hl Da der zur Vertretung des Verbandes berufene Verband-Vorstand sich nicht auf den Standpunkt stellen mochte, daß ihm auch die kontrollirende Oberaufsicht über die Geschäftsführung des Kuratoriums der V. P. &. pflichtmäßig aufliegt, so blieb es nach dem Willen des Kuratoriums, trotz eines öffentlichen Protestes gegen besten Beschluß, dabei, daß die V. P. K. mit dem 1. Oktober 1899 für eröffnet galt und die oft preußischen Abänderungs-Anträge zum Statut der Kasse, der nächsten D. V. zur Entscheidung überwiesen wurden. Der nächste Delegirtentag fand am 30. und 31. Dezember 3901 in Hamburg statt. Hier kamen diese Abänderungsonträge auch zur Verhandlung. Da die Verbandskasse inzwischen ein Jahr ihrer Thätigkeit beendet hatte, erstattete der Vorsitzende der Kasse auch den Rechenschaftsbericht über ihre bis dahin gewonnene praktisch^ Entwickelung. Das war wohl das traurigste Bild, das je über eine mit so großem Aplomb in die Welt gesetzte Kasse gegeben worden ist. Selbst jede Bezirkskasse hätte sich aenirt, mit solch liliputanischem Gesicht zur Welt zu kommen. Die Kaffe, — eine Verbandskasse. zur Förderung der Interessen der gesummten Lehrerschaft bestimmt, — zählte am Ende ihrer ersten Jahresthätigkeit sechs Mitglieder in ihrer Versicherungsabtheilung und drei Mitglieder in ihrer Hilfskasse. — macht zusammen neun Mitglieder in beiden Kassenabtheilungen: aus ganz Deutschland. Dabei sind die Mitglieder der Berbands-Hilfskasse fiir den Zweckwerth der Kasse garnicht mitzurechnen, weil die Kasse darin ihn Eigenart gar nicht verkörpert. Höchst bedeutsam für die Bewerthuno der ganzen Kasseneinrichtung war noch die Mittheilnng des Referenten, daß die Verbandskasse bei voller Ausnutzung ihrer zeitigen Mittel, die damals ca. 180,000 Mk. betrugen. überhaupt nicht mehr wie 20 Mitglieder in ihre Versicherungsabtheilung aufnehmen könne. Und endlich erweckte es keine besonders freudigen Aussichten bei denen, die unter allen Umstände», und gegenüber solcher Verbandskasse erst recht, unsere provinzialen 'Hilfskassen als die wichtigsten, immer in erster Reihe zu schützenden Versorgungs-Institutionen der jüdischen Lehrerschaft betrachten, als der Vertreter der Verbandskasse noch erkllirte, daß das Kuratorium einen allgemeinen Aufruf an unsere wchühatigen Glaubensgenossen zur materiellen Forderung der B. P. K., beschlossen habe und dieser Aufruf zur geeigneten Zeit zur Versendung kommen werde.*) Die Mißstimmung über eine solche Kaffe, die in ihrer praktischen Wirksamkeit selbst den bescheidensten Anforderungen nicht zu entsprechen vermag, war in der D. V. eine allgemeine, und ebenso das Verlangen, daß die Kasse ihre Organisation in der Art zu ändern habe, daß ein allgemeiner Nutzen für die Gesammtheit der Lehrerschaft daraus hervorgehen könne. Man war sich auch einig in dcm Gedanken, daß die V. P. ft. diesem Zwecke am besten zu dienen vermöchte, wenn sie wenigstens einen Theil ihrer Gelder dazu verwendet, alle niedrigsten Versorgungsunterstützungen bei unsrcn provinzialen Hilfskassen auf eine gleichmäßige Mindestpension zu erhöhen. Das wäre dann Massennützung an denen, welche die Unterstützung des Verbandes in erster Reihe zu beanspruchen haben, und zugleich eine bedeutsame organisatorische Aufbesserung unseres ge-- sammten Dersorgungswesens. Die Vertreter des Kuratoriums allein wollten von solcher tbeilweisen Zweckveränderung der Kasse nichts wissen und wehrten sich dagegen mit aller Macht. Als ihre vertröstenden Reden bei den Delegirten aber keinen Eindruck machten, kamen sie schließlich mit ihren-Gewaltmitteln heraus und erklärten: 1. Daß die D. V., nach dem Statut der Kaffe, gar nickt berechtigt sei, über Organisation und Vermögen der V. P. K. eigenmächtig zu beschließen, und 2. Daß die Abmachungen mH den Legataren des Grundfonds der Kaffe (Lachmann'schc Erben) grundsätzlich eine Veränderung des Kassenvlanes verbieten. Die Erregung in der Telegirtenversammlung über diele, dem ganzen bisherigen Verhalten des Kuratoriums widersprechende, in ihrer Art höchst illoyale Stellungnahme gegenüber dem Verbände^ war wohl allgemein. Den Kuratoriumsbertretern wurde aber in der Versammlung sofort erklärt, daß über allen formalen Festsetzungen des Kassenstatuts das moralische Recht des Verbandes über seine Kasse bestehen bleibe; daß diese Kasse unbedingt dem Verbände gehöre und das Kuratorium und speciell die ans der Lehrerschaft dahinein gewählten Herren, nur die Aufgabe haben, den Willen der Delegirtenversammlung an der BerbandS- 8er» oon -u auf be» •) Das ioU TOoul öle prafhimr Erfnuuna des früheren fprechenS sein: »Tos Kuratorium halt sich im Anschluß an di< dem BerbandSvorfchenden auf der: D^egirtea-Berlammlun Berlin abgeaebenen Erklärungen verpflichtet, in den Bezirken, denen die %ootn$ial!aften eriabrungSaemäh ihre Einnahm Ziehen, jede Agitatwn für die Verbandskasse zu unterlassen.